Herr Kebekus, worüber können Sie lachen?

Hm, ich kann über viel lachen, wahrscheinlich über die gleichen Sachen, über die mehr oder weniger jeder lacht. Aber generell finde ich die Themen gut, über die noch nicht jeder Comedian etwas gemacht hat. Bei Bühnenprogrammen gefallen mir die Sachen am besten, bei denen eine neue Perspektive auf Themen geworfen wird und der Humor in Feldern und Situationen auftaucht, wo er unerwartet ist. So etwas ist super.

Was findet Ihr Publikum an Ihnen witzig?

Naja, es hat schon ein bisschen ein Geschmäckle, sich selbst zu bewerten. Ich bekomme aber oft als Feedback, dass es meine ruhige, unaufgeregte Art auf der Bühne ist, mit der ich erzähle. Das empfinden manche als Gegenpol zu den Kollegen, die laut nach vorne gehen. Ich habe mal den Satz gehört: Wer viel rumbrüllt, vertraut seinem Material nicht.

Sie sind ein alter Hase, sind waren als Autor für verschiedene Comedy-Formate tätig. Wie hat sich Ihrer Meinung nach die Comedy-Szene entwickelt?

Bereits vor zehn Jahren habe ich gedacht, dass sich die Comedy-Szene verändern wird. Damals waren es die Kunstfiguren, die die große Reichweite hatten. Wenn man aber nach England oder in die USA schaute, war klar, dass das Publikum auf der Bühne authentische Leute sehen will. Die online Unterhaltungswelt folgt einem Algorithmus, bei dem man als Creator belohnt wird, wenn man viel produziert. Und wenn es um Masse statt Qualität geht, dann finde ich das künstlerisch betrachtet furchtbar.

Trotzdem ist es doch für einen Künstler wichtig, bekannt zu sein, denn schließlich will man doch leben können, von dem was man tut.

Es gibt viele Künstler, die jedes ihrer Events auf allen Kanälen ankündigen, auf Instagram aktiv sind und Videos drehen und auf YouTube stellen. Ich mache null Werbung. Wenn dann halt 30 Leute weniger zur Veranstaltung kommen, dann nehme ich das so an. Ich bin relativ ruhig, was meine Karriere als Comedian angeht, denn ich werde meinen Platz finden, ob in der ersten oder zweiten Liga, das ist mir egal.

Sie treten nicht als Kunstfigur auf. Wie viel David Kebekus steckt da wirklich drin?

Es ist schon klar, dass man sich in der Öffentlichkeit anders editiert als vor Freunden. Dass ich aber keine Kunstfigur auf der Bühne sein wollte, war wohl die einzige Vorgabe für mich, denn ich wollte mir Raum zur Entwicklung lassen. Als Kunstfigur würde mich in einem engen Kosmos bewegen und könnte wohl so manche ernsthaften Themen nicht bearbeiten. Wenn beispielsweise ein sehr spezielles Thema auftaucht, die Figur das aber nicht transportieren kann, dann wäre das eine künstlerische Katastrophe.

Sie haben als Autor für Formate wie die „Heute Show“ oder „PussyTerror“ geschrieben. Seit dem Jahr 2010 stehen Sie als Comedian auf der Bühne. Holen Sie sich Rat bei Ihrer Schwester Carolin Kebekus?

Carolin und ich hatten schon immer ein gutes Verhältnis und sind ein gutes Team. Ich habe mich anfangs auf der Bühne bewusst David Kebe genannt, weil ich wollte, dass die Leute nur auf meine Inhalte achten und mit dem Namen Kebekus nicht falsche Erwartungen an mich geknüpft werden. Ich bin erst unter dem Namen Kebekus aufgetreten, als ich das Gefühl hatte, mich künstlerisch gefunden zu haben. Carolin ist immer ein guter Ratgeber, denn Sie hat viele Situationen, wo ich Fragen habe, schon erlebt oder kennt die Menschen bereits, die dann auch mit mir arbeiten.

Sie gastieren am Donnerstag, den 30. September in der Singener Gems. Kennen Sie eigentlich die Region rund um den Bodensee?

Ich war im Jahr 2008 mit ein paar Kumpels auf dem „Rock am See“ in Konstanz. Da sollte Oasis auftreten, die sich am Tag des Konzertes aber aufgelöst haben. Stattdessen trat Deep Purple auf. Seitdem war bei uns Deep Purple immer ein Synonym für: das schlechteste, was passieren konnte. Wie ne Niete oder ne unbrauchbare Karte beim Kartenspiel. (lacht) Und mit dem Festival verbinde ich, dass es brutal heiß war und wir gefühlt den ganzen Tag getrunken, gegrillt und geschwitzt haben. Und dann kam die kälteste Nacht des Jahres, es hat regelrecht geklirrt und die Jungs und ich hatten uns ernsthaft überlegt, ob wir uns alle löffelchenmäßig in ein Zelt legen sollen, um zu überleben.

Fragen: Nicola M. Westphal