Die Zeiten der Corona-bedingten Kinoschließungen sind vorbei. Trotzdem sind die Säle im Cineplex in Singen auffallend leer. Wegen der strengen Hygieneauflagen kann keiner der acht Kinosäle komplett gefüllt werden. Auch das Besucheraufkommen an sich ist verhalten. Theaterleiterin Diane Hegyi befürchtet, dass das Kinoerlebnis, wie die Menschen es bisher gewohnt waren, nicht mehr zurückkehren wird.

Günstiger als Schließung

„Für uns wäre es günstiger, gar nicht zu öffnen“, sagt Hegyi. Wirtschaftlich betrachtet lohnt sich die Wiedereröffnung für das Kino noch nicht. Jedoch möchte das Team in Singen ein Zeichen setzen: „Wir wollen zeigen, dass wir trotz Corona-Krise alles tun, um für die Kinobesucher da zu sein“, sagt die Theaterleiterin. Dabei würden Hygienevorgaben strengstens eingehalten, um einen sicheren Aufenthalt zu garantieren.

Eintritt erst 15 Minuten zuvor

Viele Gäste seien sich angesichts der Einschränkungen im Kino unsicher. Dabei sind diese vergleichbar mit größeren Einkaufsgeschäften oder Restaurants. Außerdem dürfen Gäste das Gebäude erst 15 Minuten vor Filmbeginn betreten. „Eigentlich ist ein Kinobesuch im Moment so angenehm wie noch nie – ohne Fremde im direkten Umfeld und langes Anstehen“, sagt Diane Hegyi. Für ein ungestörtes erstes Date im Kino sei genau jetzt der richtige Zeitpunkt, fügt sie hinzu.

Frust über Vorgaben

Manche Regelungen jedoch frustrieren die Theaterleiterin. Die Türen der Kinosäle werden während der Filmlaufzeit nach wie vor geschlossen. Das sei auch kein Problem, denn im Kino gibt es ein Belüftungssystem, das mit dem eines Flugzeugs verglichen werden kann. „Wenn man dann sieht, dass Menschen im Flugzeug eng nebeneinandersitzen und kaum Abstandsregeln eingehalten werden, dann bringt das einen schon zum Nachdenken“, sagt sie.

Filmstarts teilweise verschoben

Ein weiteres Problem ist, dass viele Filme gar nicht erst anlaufen. Die Produktionskosten eines Kinofilms sind so hoch, dass beim momentanen Besucheraufkommen nur rund 20 Prozent der Kosten wieder eingespielt werden könnten. „Es ist wie ein Teufelskreis“, klagt Hegyi. Größere Filme wie „Mulan„ von Disney oder Christopher Nolans Action-Thriller „Tenet„ wurden auf August verschoben. Im Cineplex in Singen habe das Team trotz der schwierigen Situation versucht, ein möglichst buntes Film-Programm aufzustellen.

Das sagt ein Besucher:

Tim Knorr ist ein regelmäßiger Kino-Gast und war nach der Wiedereröffnung bereits mehrmals im Cineplex. Angst habe er während des Kinobesuchs nicht, dafür seien zu wenige Menschen vor Ort. „Vor Corona war es im Kino natürlich anders“, beschreibt er. Es fehle ein bisschen die Dynamik, die Reaktionen der anderen Zuschauer. Während man sich früher über das laute Gelächter des Sitznachbarn beklagt habe, würde dieses nun vermisst.

Lernen, mit strengeren Vorschriften umzugehen

„Es war die Schnelligkeit der Durchsetzung, die uns so überrascht hat“, erinnert sich Hegyi an die verordnete Schließung im März. Ein paar Tage zuvor habe sie mit Mitarbeitern noch über die Planungen für die kommenden Wochen gesprochen. „So langsam verliere auch ich meinen Optimismus“, sagt sie. Wahrscheinlich müsse die Gesellschaft lernen, auch in Zukunft mit den strengeren Vorschriften umzugehen.