Kurz vor Weihnachten sei das ungewohnt: „Wir sind voll belegt. Es kamen doppelt so viel Anfragen wie im vergangenen Jahr, wir mussten die Frauen an andere Häuser weitervermitteln“, sagt Geschäftsführerin Claudia Zwiebel vom Verein Frauen und Kinderschutz Singen. Zwölf Frauen und 14 Kinder sind zurzeit im Frauenhaus und im Wohnprojekt untergebracht.

Die große Nachfrage bringt Claudia Zwiebel mit der Corona-Krise in Verbindung. Aber erst seit den Lockerungen hätten die Anfragen und die Fälle von häuslicher Gewalt zugenommen.

Weihnachtszeit ist auf besondere Weise emotional besetzt

In den vergangenen Jahren hätten sich Frauen verstärkt erst nach den Weihnachtsfeiertagen gemeldet. Den Grund sieht Claudia Zwiebel darin, dass diese Zeit emotional besetzt ist, es werde zwischen Illusion und Realität nicht unterschieden: „Die Frauen glauben, es könnte sich etwas ändern, es kommen auch Schuldgefühle auf, wenn sie den Kindern das Weihnachtsfest nehmen.“ Um diese Schuldgefühle zu mildern, werden auch im Frauenhaus Weihnachtsgeschenke eingepackt, ermöglicht durch Spendengeld.

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Wie Claudia Zwiebel im Rückblick auf das Corona-Jahr berichtet, gab es während des ersten Lockdowns sehr wenig Anfragen: „Die Frauen hatten gar keine Möglichkeit, sich unbeobachtet Hilfe zu suchen. Die Männer waren durch Kurzarbeit oder Homeoffice zuhause, Schule und Kitas waren geschlossen.“ Es habe für sie keine Lücke gegeben. Als der Freiraum wieder größer wurde, sei die Zahl der Anfragen nach oben geschnellt.

Neues Therapieangebot

Die Spende eines Bankhauses ermöglicht nun ein Therapieangebot mit zwei Fachkräften, die die persönliche Entwicklung der Frauen fördern, berufliche Perspektiven aufzeigen und die Kinder unterstützen, mit schwierigen Erlebnissen fertig zu werden. Dies soll den Betroffenen Perspektiven für das neue Jahr eröffnen. „Das könnten wir sonst nicht finanzieren“, ist Claudia Zwiebel dankbar für die Spende.