Sichtlich aufgeregt hastet der Vorsitzende des Jazzclubs, Rudolf Kolmstetter, durch die Singener Gems. Er kontrolliert, dass jeder Zuschauer auf dem richtigen Platz sitzt, schaut, dass genügend Abstand eingehalten wird und jeder sich an die Maskenpflicht hält. Auf dem Fußboden kleben Pfeile, die den genauen Weg zu den Toiletten und Ausgängen angeben.

Seit dem vorherigen Jazz-Konzert hat sich einiges verändert. Das war am 12. März. Neun weitere Konzerte hätten folgen sollen, doch das ging von einem zum anderen Tag plötzlich nicht mehr. Veranstaltungen waren nicht mehr erlaubt. „Mit einigen der Musiker konnten wir immerhin schon neue Termine finden, anderen mussten wir leider ganz absagen“, schildert Kolmstetter. Allerdings fährt er auch stolz fort: „Durch die Beiträge unserer Mitglieder, Fördergelder und einiger Spenden, die wir erhalten haben, war es uns möglich, das Geld an die Künstler weiter zu geben.“

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Sogar Ausfallhonorar für US-amerikanische Künstler möglich

Die Unterstützung in den vergangenen Monaten sei groß gewesen. Selbst ein neues Mitglied sei beigetreten. Das Geld soll an die Künstler weitergegeben werden. Obwohl aufgrund der neuen Regelungen aktuell nur noch 65 Konzertbesucher zugelassen sind, wirkt sich das nicht auf die Gagen aus. „Es gibt keine Kürzungen. Stattdessen konnten wir sogar den Musikern, die aus den USA nicht einreisen konnten, 500 Euro Ausfallhonorar zukommen lassen“, sagt er.

Welcher Künstler darf überhaupt noch kommen?

Damit nennt er aber gleichzeitig auch seine derzeit größte Sorge: die Unsicherheit, wer denn nun überhaupt nach Deutschland kommen kann. Für die beiden fehlenden Amerikaner konnte stattdessen deutscher Ersatz gefunden werden. Wie es bis dahin für die Kollegen aus Frankreich aussieht, ist eine andere Geschichte. „Das hat mir schon schlaflose Nächte bereitet“, gesteht Kolmstetter, der stets sehr viel Wert auf ein internationales Programm gelegt hat. Doch auch in dieser eingeschränkten Form ist er froh, dass es endlich weiter geht.

Bild: Saskia Biehler

Aki Takase war schon vor 30 Jahren hier

Bezeichnenderweise gibt ausgerechnet Jazzpianistin Aki Takase den Wiedereinstand. Schon vor 30 Jahren zur Eröffnung des Clubs war sie es, die auf der Bühne stand. Zusammen mit Saxophonisten Daniel Erdmann, der erst kürzlich den SWR-Jazzpreis erhalten hat, bot sie einen energiegeladenen Auftakt. Bereits seit 1995 kennen sich die beiden Musiker. Als Erdmann nach Paris zog, brach der Kontakt erst einmal ab. Jetzt sind sie für das Quintett „Japanic“ mit dem Bassisten Johannes Fink, Schlagzeuger Dag Magnus sowie DJ ILL vibe wieder zusammengekommen. Zum Glück, denn es handelt sich um eine grandiose Kombination. Beide überzeugen trotz technischen Anspruchs mit einer unglaublichen Leichtigkeit im Spiel. Takase ist virtuos, aber jugendlich verspielt. Erdmann dagegen bringt am Saxophon genau die richtige Balance aus samtigen Tönen und rauen Klängen. So schafften sie es, mit den Stücken aus ihrem aktuellen Album „Thema prima“ auch mit weniger Zuschauern Schwung in die Gems zu bringen.

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DJ ILL vibe, Sohn von Takases Ehemannes Alexander von Schlippenbach, bereicherte dabei mit seinen elektronischen Klängen die ohnehin vielfältige Musik um eine weitere Klangnuance.

Das Publikum ist begeistert – trotz der Einschränkungen

Das Publikum nahm das mit Begeisterung auf. „Ich habe das Zusammenspiel mit ihrem Sohn als regelrecht organisch wahrgenommen. Takase gehört meiner Meinung nach zu den progressivsten Pianisten“, schwärmt Susanne Breyer. Die Worblingerin ist ein begeisterter Takase-Fan, hat schon einige ihrer Konzerte besucht. Auch die neuen Infektionsschutz-Regelungen haben dem keinen Abbruch getan. „Das stört mich nicht“, winkt sie ab. Eine Auffassung, die die Mehrheit der Zuhörer vertrat. Auch Silvia Mauersberger meint: „Hauptsache wieder Musik. Das Konzert war sehr schön“. Zusammen mit ihrem Mann ist sie extra aus Konstanz angereist.

Der Organisator ist zufrieden mit der Premiere

Schlussendlich ist auch Rudolf Kolmstetter mit dem Verlauf des Abends glücklich. Alle vorhandenen Plätze seien ausverkauft gewesen. Die Besucher haben sich gut mit den Regelungen arrangiert. „Es hat alles wunderbar geklappt und die Besucher haben sich sehr diszipliniert und verständnisvoll gezeigt. Es gab keine bösen Kommentare oder Ähnliches.“

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