Über 100 Firmlinge haben in der Seelsorgeeinheit Mittlerer Hegau im Januar Firmung gefeiert. Sie haben sie mit darauf vorbereitet. Was genau macht ein Katechet?

Daniela: Wir versuchen den Firmlingen weiterzugeben, was in der Bibel steht. Es gibt aber auch Einheiten, die direkt etwas mit dem Alltag der Jugendlichen zu tun haben, zum Beispiel zum Thema Freundschaft. Die Jugendlichen durften auch ein eigenes Glaubensbekenntnis erarbeiten und suchten Antworten auf die Frage: Was denke ich über Gott? Wir hatten ein Wochenende für die Planung und haben uns überlegt, was für die Jugendlichen ansprechend ist. Da ist es von Vorteil, dass wir selbst in dem Alter sind und wissen was die Firmlinge bewegt.

Hendrik: Das Gute war, dass wir alle die Inhalten mitgestalten konnten. Das Konzept für die Vorbereitung und die Ziele waren die Grundlage für die Katechese, die wir gemeinsam mit Gemeindeassistentin Nicole Tutuianu erarbeitet haben. Jeder konnte seine Ideen einbringen und wurde ernst genommen. Die Themen waren Mein Glaube, Gott, Jesus, Heiliger Geist und Kirche.

Wie kam es dazu, dass Sie sich entschlossen haben, Jugendliche anzuleiten?

Hendrik: Bei mir ging das über die eigene Firmung. Nicole Tutuianu hat mich in der Kirche angesprochen, ob ich nicht Lust dazu hätte.

Daniela: Nach der Erstkommunion war ich, wie meine Schwester, Ministrantin, habe bei den Sternsingern mitgemacht und kam so ins Leiterteam. Ich betreue auch jetzt die Kommunionskinder.

Wie haben Sie es in der Vorbereitung geschafft, den Glauben zu vermitteln, gerade weil die Jugend ja auch eine Zeit ist, in der man vieles in Frage stellt?

Daniela: Es gibt immer wieder Jugendliche, die sagen ganz offen, dass sie sich firmen lassen, weil die Eltern oder die Oma das wollen. Wir hoffen, dass sie in der Vorbereitung trotzdem etwas finden, das ihnen gefällt. Dass die Jugendlichen offen und interessiert sind. Es gibt viele Inhalte, bei denen man etwas für sich mitnehmen kann, bei denen man einfach Spaß hat. Schön ist auch das Gemeinschaftsgefühl, das während der Vorbereitung entsteht.

Die Diskussionen um das Zöllibat und die Missbrauchsfälle haben dazu geführt, dass sich viele Menschen von der Kirche abwenden. Was sagen die Jugendlichen dazu?

Daniela: Viele Jugendliche haben teilweise zurecht ein schlechtes Bild von der Kirche. Wir haben auch eine Einheit zu diesen Themen gemacht und jeder durfte offen seine Meinung sagen. Uns geht es darum, zu zeigen, dass es in ihrem Umfeld diesen Teil der Kirche gibt, der gut läuft.

Gab es in der Vorbereitung besonderer Momente für Euch?

Hendrik: Mir haben die Freizeiten zur Firmvorbereitung gut gefallen. Wir waren auch im Kloster Lochau und ich fand toll, dass wir uns sofort und ohne Vorbehalte über ernste und private Themen unterhalten konnten. Niemand hat sich gescheut über sich und seine Familie zu sprechen. Ich fand schön, dass wir uns vertraut und uns so direkt ausgetauscht haben.

Daniela: Mir hat ein Mädchen zu Beginn der Vorbereitung gesagt, dass sie eigentlich nicht an Gott glaubt. Ich fand es mutig, dass sie mir vertraut und das gesagt hat. Sie hat mir dann später nach einem Gottesdienst erzählt, dass sie in der dunklen Kirche mit einer Kerze in der Hand ein besonderes Gefühl von Nähe gespürt hat. Es hat sie berührt. Ich habe mich sehr gefreut, dass sie etwas mitgenommen und für sich gefunden hat.

Was haben Sie selbst von der Vorbereitung mitgenommen?

Hendrik: Es hat mir in erster Linie Spaß gemacht und ich habe mir selbst Gedanken über meinen Glauben gemacht. Man lernt etwas dabei, wenn man sich wieder mit den Themen auseinandersetzt. Außerdem hat es mir sehr geholfen, mich mehr zu trauen, meine Gedanken und meine Meinung zu äußern. Ich war vorher schüchterner.

Daniela: Man setzt sich selbst durch die Fragen und Diskussionen wieder kritisch mit dem Glauben auseinander. Es ist wichtig, dass man lernt und dass man Zweifel hat. Wir haben uns viele Gedanken gemacht und es war gut, dass jeder seine Meinung sagen kann, ohne verurteilt zu werden. Man lernt außerdem, mit wem man gut arbeiten kann. Ich habe gemerkt, dass es mich interessiert, was Menschen zu sagen haben, dass Psychologie ein interessantes Fach ist. Davor hätte ich nicht gedacht, dass ich gut auf Menschen zugehen kann.

Wie kann man es schaffen, dass Jugendliche auch nach der Firmung in die Kirche gehen?

Hendrik: Es ist wichtig, dass man Kontakt zur Kirche hat und dass es Menschen gibt, die andere für den Glauben begeistern. Aber es ist wie überall, jemand muss diese Angebote organisieren.

Daniela: Ich denke, dass man über Social Media Kontakt kriegen, über Veranstaltungen berichten und sie öffentlich machen kann.

Wie geht es Ihnen mit dem Thema Seelsorgeeinheit? Sind größere Einheiten in der Kirche gut?

Daniela: Ein Nachteil ist, dass viele Veranstaltungen und Treffen nicht mehr im Ort sind. Das muss organisiert werden und man muss irgendwie hinkommen. Positiv ist allerdings, dass man neue Leute aus anderen Orten kennenlernt.

Hendrik: Wir haben bei all unseren Aktivitäten große Unterstützung von Gemeindeassistentin Nicole Tutuianu in der Organisation und dem Leiter der Seelsorgeeinheit, Pfarrer Engelbert Ruf, bekommen. Er nimmt uns ernst, gibt uns viel Freiraum und freut sich über unser Engagement.

Fragen: Jacqueline Weiß

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