„Einer trage des anderen Last“ – dieses Zitat aus dem Brief des Paulus an die Galater steht auf dem gemauerten Stein im Eingangsbereich des Pflegeheims Haus am Hohentwiel, der seit der Generalsanierung im Jahr 2008 dort hängt. In dieser Corona-Pandemie bekommt dieser Satz eine noch größere Bedeutung. Die Pflegeheime sind besonders belastet und die angespannte Lage währt nun schon bald ein Jahr. Einige Heimleiter aus dem Hegau berichten über ihre Situation.

  • Haus am Hohentwiel, Singen: Heimleiter Urs Bruhn und seine Stellvertreterin Inna Sterk haben in den letzten Wochen zahlreiche Corona-Fälle im Haus gehabt. „Wir haben 43 positive Fälle bei den Bewohnern und 26 positive Fälle bei den Mitarbeitern gehabt“, sagt Urs Bruhn. Todeszahlen in diesem Zusammenhang möchte er nicht nennen, denn oft kommen noch Vorerkrankungen hinzu. Es habe alle Formen von leichten, mittleren bis schweren Verläufen gegeben und es gab auch Todesfälle im Zusammenhang mit Covid19. 106 Menschen leben im Haus am Hohentwiel. Noch Mitte November 2020 war Urs Bruhn guten Mutes, dass das Heim von Corona verschont bleiben könnte, denn im Eingangsbereich war ein Gerät zur Messung von Fieber für Besucher aufgestellt worden. Fast bis Weihnachten war das Heim Corona-frei. Am 19. Januar gab es im Haus am Hohentwiel noch drei positive Fälle bei den Bewohnern und zwei bei den Mitarbeitern, die nun unter Quarantäne stehen. Trotz der Corona-Fälle hat das Haus am Hohentwiel Besuche von Angehörigen unter den nötigen Auflagen erlaubt. Aktuell können Angehörige montags und donnerstags nachmittags einen Schnelltest machen lassen. Dann können Besucher an dem Tag des Schnelltests und dem Tag darauf ihren Angehörigen im Heim besuchen, da der Test bis zu 48 Stunden gültig ist, erklärt Bruhn. „Wir bekommen monatlich ein Kontingent von 3200 Schnelltests für Bewohner, Angehörige, Heilmittelerbringer oder Handwerker, die ins Haus müssen“, so Bruhn. Dafür gebe es eine Pauschale, aber der Personaleinsatz für die Abnahme der Tests sei enorm. Etwa zehn bis 15 Personen können pro Stunde abgestrichen werden.
Matthias Frank ist Heimleiter im Michael-Herler-Heim. Bild: privat
Matthias Frank ist Heimleiter im Michael-Herler-Heim. Bild: privat | Bild: Gehrmann-Röhm, Susanne
  • Michael-Herler-Heim, Singen: Im Michael-Herler-Heim, in dem 85 Menschen leben, ist die zweite Welle bisher relativ glimpflich verlaufen. „Wir hatten bei den Bewohnern drei Fälle, einer davon schwer, aber es ist niemand im Zusammenhang mit der Infektion gestorben“, sagt Heimleiter Matthias Frank. Acht Mitarbeiter waren außerdem infiziert. Seit dem 17. Januar werden die Mitarbeiter drei Mal pro Woche getestet und auch Besucher können sich testen lassen, um ihre Angehörigen sehen zu können. FFP2-Masken sind in den Heimen schon länger Pflicht. Aktuell ist das Michael-Herler-Heim Corona-frei. „Wir wollen Besuche weiterhin ermöglichen und wenn man die AHA-Regeln, das Tragen von FFP-2 Masken sowie Schnelltests einhält, ist man auf der sicheren Seite“, hofft Matthias Frank. Ein kleines Risiko bleibe natürlich immer. Matthias Frank lobt im Rahmen des Telefonats den guten Austausch zwischen den Heimen im Hegau und mit dem Landratsamt.
  • Pflegezentrum St. Verena, Rielasingen-Worblingen: Gisela Meßmer, Leiterin des Pflegezentrum St. Verena, bezeichnet die Situation im Heim als sehr angespannt. Vor allem die Führungskräfte seien oft sieben Tage die Woche im Einsatz und beschäftigten sich fast ausschließlich mit allen Anforderungen rund um Corona. Es gelte immer wieder, neue Verordnungen umzusetzen und dafür Konzepte zu entwickeln. Das Pflegezentrum versuche Besuche von Angehörigen, wann immer möglich, zu ermöglichen. „Aber es gibt immer wieder akute Situationen, in denen Quarantäne für einen Teilbereich verhängt wird und keine Besuche möglich sind“, berichtet sie. Im Pflegezentrum mit seinen 96 stationären Plätzen habe es über die Monate seit März immer wieder Corona-Fälle gegeben, die teilweise auch wieder genesen seien. Einige Bewohner seien aber auch im Zusammenhang mit Corona gestorben. „Wir hoffen, dass sich nach den Impfterminen, der Erste ist im Januar, die Situation entspannt“, erklärt sie. Seit November werden im Pflegezentrum außerdem Schnelltests durchgeführt. Das Personal fürs Testen gebe es glücklicherweise, weil das Pflegezentrum groß sei und Mitarbeiter aus anderen Bereichen einspringen könnten. Außerdem würden beim Testen auch ehemalige Mitarbeiter helfen, die in Rente sind.
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  • Pflegedomizile Hegau GmbH, Engen: Maik Zlatanovic, Geschäftsführer der Pflegedomizile Hegau GmbH, beschreibt die Lage in seinen beiden Heimen, dem Seniorenhaus Katharina in Engen-Stetten mit 34 Bewohnern und dem im vergangenen Jahr neu eröffneten Seniorendomizil am Hewen mit 84 Bewohnern, ebenfalls als angespannt. „Wir sind demnächst, wie alle anderen, im zwölften Monat der Pandemie. Und ein Ende ist nicht in Sicht“, erklärt er. Einen Impftermin gebe es für seine Einrichtungen noch nicht. Die beiden Pflegeheime sind und waren von der Pandemie betroffen. Im Moment sei es eine Wohngruppe im Seniorendomizil am Hewen, die in Quarantäne ist. Das Seniorenhaus Katharina habe zwischen Silvester und dem 11. Januar ein Infektionsgeschehen mit kompletter Quarantäne der Einrichtung gehabt. Hier waren Bewohner und Mitarbeiter erkrankt. Besucher dürfen ihre Angehörigen derzeit täglich zwischen 14 und 17 Uhr besuchen. Mitarbeiter und Bewohner würden seit Anfang Dezember per Schnelltest getestet. „Wir sind Testweltmeister – mit über 1800 Schnelltestungen der Mitarbeiter und Bewohner mehrmals die Woche“, so Zlatanovic. Seit vergangener Woche seien sie nun verpflichtet, auch die Besucher zu testen, was ab dieser Woche möglich sei.
  • Altenpflegeheim St. Hildegard, Gottmadingen: „Wir waren bis Jahresende Corona-frei, aber ab Neujahr hat es uns gebeutelt: Sowohl Bewohner als auch Mitarbeiter waren infiziert“, berichtet Heimleiter Thomas Wehrle über die Situation im Gottmadinger Pflegeheim. Jetzt sei das Heim mit seinen 85 Bewohnern wieder auf dem aufsteigenden Ast. Die Quarantäne müsse noch durchgestanden werden und dann sei wichtig, dass keine neue Infektion mehr ins Haus komme. Die Einrichtung führt seit Mitte Dezember bei Mitarbeitern, Bewohnern und Besuchern Schnelltests durch, doch diese Arbeit komme für die Mitarbeiter obendrauf. Es gebe das Angebot, dass die Bundeswehr in Pflegeheimen aushelfe, dafür habe er das Heim angemeldet, doch da sei noch nichts konkret und wenn, dann müsse das koordiniert werden, berichtet Wehrle. Ein Impftermin mache erst Sinn, wenn die Einrichtung wieder sicher Corona-frei sei, so der Heimleiter.