„Ich war der einzige Verliebte in Ramsen am Zoll“, so das nüchtern-sachliche Fazit von Thomas Pflüger zu der Nacht, als er wieder in die Schweiz einreisen durfte. Fast neun Wochen war er von seiner Lebenspartnerin getrennt, weil er hier und sie in Stein am Rhein lebt. Eine Einreise in die Schweiz erforderte eines triftigen Grund, Liebesdinge zählten nicht dazu.

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Für beide Partner dies- und jenseits der Grenze war es eine Achterbahn der Gefühle, und die Nerven lagen blank. Die Schweizerin Christina Storrer beschreibt es so: „Ich habe es nicht geglaubt, bis er wirklich da war. Ich habe gebibbert bis zum Schluss und hab‘ die ganze Zeit am Fenster geschaut. Mein Herz hat wie wild gepocht: Hoffentlich klappt es auch. Erst als er wirklich da war, konnte ich es glauben“. Und auch Thomas Pflüger beschreibt seine emotionale Situation ähnlich:“ Ich war schon leicht nervös. Ich war mir nicht hundertprozentig sicher, dass das diesmal wirklich klappen könnte, es war der Wahnsinn.“

Sogar zu Demonstrationen ging Thomas Pflüger, um endlich seine Verlobte Christina Storrer in der Schweiz wiedersehen zu können.
Sogar zu Demonstrationen ging Thomas Pflüger, um endlich seine Verlobte Christina Storrer in der Schweiz wiedersehen zu können. | Bild: Privat

Am besagtem Abend hatte er sich mit dem Auto zum Zoll nach Ramsen aufgemacht und war schon eine halbe Stunde vor Mitternacht dort. „Das war schlimmer als zu spät. In dieser Zeit haben mir die Schweizer Zöllner das Auto auseinander genommen. Die sind extrem streng“, so Pflüger. Nachdem sein Ausweis, die Ausweiskopie seiner Partnerin und die Sonderbewilligung für unverheiratete Paare kontrolliert worden waren und er auch noch gemeinsame Fotos von sich und ihr vorweisen konnte, durfte er dann sogar noch eine Viertelstunde eher in Schweiz einreisen. Und so kam der Deutsche noch vor Mitternacht mit einer Flasche Sekt unter dem Arm endlich bei seiner großen Liebe an. „Es war einmalig“, beschreibt er sein überwältigendes Gefühl von diesem Moment.

Briefe an die Behörden

Neun Wochen lang haben sich die Kontakte mit Christina auf das Telefon beschränkt. Nachdem sich das Paar nach der Grenzschließung anfänglich noch (mit großem Abstand) an der Grenze getroffen hatte, wurde es letztlich doch für beide emotional zu viel, sodass sie diese Treffen bleiben ließen. Über Wochen hinweg nur zu telefonieren war zwar auch kein Ersatz – „aber an der Grenze durfte man sich ja nicht mal anfassen, sonst hätten wir uns strafbar gemacht. Und das war fast noch schmerzhafter“, so Thomas Pflüger über seine damalige Gefühlslage.

Beide wurden in dieser ungewissen Zeit bei den Behörden aktiv, um etwas in Bewegung zu setzen. „Wir haben die Schweizer Behörden, den Kanton angeschrieben. Wir haben überall hingeschrieben, telefoniert. Man wurde immer weitergeleitet und kam immer wieder an der gleichen Stelle raus. Man ist immer im Kreis rumgeschubst worden“, so die Einschätzung von Christina Storrer.

Sport, um den Frust abzubauen

Um diese lange Phase der Trennung auszuhalten, hat jeder seinen eigenen Weg gefunden. Christina Storrer hat in dieser Zeit jeden Schrank bei sich ausgemistet, ihrer Enkelin viel vorgelesen, war Laufen oder Rad fahren. „Wenn ich auch morgens aufgestanden bin, musste ich halt funktionieren. Ich habe mich gefühlt wie von einer Wand erdrückt. Und Thomas war frustriert ohne Ende. Er hat viel Sport gemacht“, berichtet sie. Beiden ist nach den vielen Wochen der Trennung ein riesiger Stein vom Herzen gefallen. „Ich bin so froh, habe wieder viel mehr Energie und Lebensfreude“, so Christina Storrer. „Das Problem war, die Grenze ist hier so nah und trotzdem konnte man sich nicht sehen“, fügt ihr Partner hinzu.

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