Walter Wiedenmaier ist vom alten Schlag. Er sieht klar, hat ein unkompliziertes Verhältnis zu den Dingen. Etwa wenn es um Medien geht. Die Zahl der Zeitgenossen, die ein diffuses, im Zweifel mit Verschwörungsvorstellungen verbundenes Bild der medialen Welt haben, steigt, doch Walter Wiedenmaiers lässt sich nicht beirren. „Ich sag‘s immer wieder: Liebe Leut‘, wenn Ihr vom SÜDKURIER ebbes wellet, dann müesset Ihr‘s denne halt auch sagge“, so seine regelmäßig im breiten Dialekt verbreitete Botschaft für den handfesten Umgang mit Medien, bei denen der SÜDKURIER im Hegau nun mal eine maßgebliche Rolle spielt.

Und Walter Wiedenmaier sagt das nicht nur, er handelt auch danach. Der topfite Rentner im Alter um die Siebzig radelt bei gutem Wetter locker 100 bis 150 Kilometer am Tag, ist kommunikationsfreudig und hat dabei meist einen guten Spruch auf Lager. Neulich beispielsweise war‘s dieser: „Ich muss wirklich nicht der reichste Mann auf dem Friedhof werden“, meinte er angesichts der in seiner Altersklasse gelegentlich feststellbaren Knauserei.

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Szenenwechsel: Irgendwann zu Beginn des Jahres, auf jeden Fall vor der Corona-Krise, gibt‘s in Konstanz ein Treffen der SÜDKURIER-Redaktionsleiter. Es ist viel zu besprechen, doch die Chefredaktion versäumt nicht, einmal mehr auf die Grundhaltung des Unternehmens hinzuweisen. „Wir sind Verbündete des Lesers“, lautet die Botschaft und wie gewohnt nicken zustimmend die Köpfe. Wobei jedem Kopf die Schwierigkeit bei der Umsetzung der Vorgabe im Alltag bewusst ist: Macht man sich zum Verbündeten eines Lesers, dann taucht zwangsläufig am anderen Ende mindestens ein Leser auf, der sich auf den Schlips getreten fühlt.

Und doch stimmt der Kurs. Der innere Widerspruch löst sich auf, wenn man die Sache wie eine Familienangelegenheit betrachtet. Da gibt es Streit über das Fernsehprogramm oder den Sonntagsausflug, am Ende aber sitzt die Familie in der Regel doch wieder an einem Tisch. Oder man nehme Vereine: Rund herum mag gezofft werden wie bei den Bürstenbindern, doch wenn‘s um den Vereinszweck geht, ist das schnell vergessen. Wie sagt der Fußballer? Genau, die Wahrheit ist auf dem Platz!

Dankeschön für die vielen Hinweise

Dann kommt Corona. Lockdown des öffentlichen Lebens, keine Termine, Kurzarbeit, ein Dasein irgendwo zwischen Homeoffice und Isolation. Die Idee vom Verbündeten des Lesers ist sinnvoller denn je, aber wie soll das gehen? Die Kontakte fehlen oder bleiben per Telefon und email seltsam steril. Doch es geschieht Unvorhergesehenes, ganz so als wäre Walter Wiedenmaier erhört worden. Nach und nach und mehr und mehr trudeln Nachrichten von Lesern in der Lokalredaktion ein. Schulen schicken im Internet originell zusammengestellte Klassenfotos, spontan sich bildende Helfergruppen informieren über ihre Dienste, Menschen besinnen sich, schreiben Gedichte und schicken sie dem SÜDKURIER.

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Nicht alles ließ und lässt sich verwerten, teils aus technischen Gründen, teils wegen der durch Corona auch beim Medienhaus entstehenden Kapazitätsgrenzen. Einiges aber hat für einen beträchtlichen Mehrwert gesorgt. So wie jüngst der Hinweis von Landwirt Norbert Kohler auf die unbedachte Entsorgung von Abfällen durch Ausflügler in Corona-Zeiten, was zu erheblichen Problemen der Bauern führt. Oder die noble Geste von Manfred Busam, der wegen Corona seine in diesem Jahr anstehende Rentenerhöhung für soziale Zwecke spendet. Fazit: Die Idee des Leser-Reporters kam selten so gut an wie in den vergangenen Wochen und Monaten.

Bild: Kerstan, Stefanie

Inzwischen wird der Lockdown nun seinerseits gelockert und der Blick auf Corona wird differenzierter. Zu den Erfahrungen der Krise zählt, dass der SÜDKURIER sich nicht nur als Verbündeter des Lesers versteht, sondern auch umgekehrt viele Leser im SÜDKURIER einen Verbündeten sehen. Das tut gut und ist allen Kollegen in der Lokalredaktion ein großes Dankeschön wert. Und für das unkompliziert praktizierte Miteinander dient Walter Wiedenmaier zum Schluss ein weiteres Mal als Beispiel. Er beschreibt eine Radtour, die er allen Lesern in diesen Abstandszeiten als Tagesausflug und Alternative für den möglicherweise entgangenen Fernurlaub wärmstens anempfiehlt (siehe Infoelement).

Tourenvorschlag eines passonierten Radlers

Der SÜDKURIER lebt nicht zuletzt vom Mitmachen der Leser und wie das geht, zeigt Walter Wiedenmaier vom Maggi-Radteam mit seiner als schönste Hegau Panorama beschriebenen Radtour über 60 Kilometer. Hier seine Beschreibung:

  • Die Radtour beginnt am Aussichtsparkplatz Tannenberg, Duchtlingerstraße 55, auf dem Parkplatz Tannenberg beim Restaurant und endet hier. Sie führt über den Mägdeberg Welschingen (alles auf Nebenstraßen) nach Welschingen über Anselfingen mit einem Anstieg hinter den Hohenhewen über die Hohlgass mit Hegau-Alpensicht nach Watterdingen.
  • Die Tour führt anschließend zum auf 800 Meter hoch gelegenen Napoleonsegg (ein Feldlager der Napoleon Truppen) mit Sicht auf den Hohenwewen und bei gutem Wetter bis zu den Alpen. Weiter geht es auf über zehn Kilometern mit Hegauberge-Alpen-Panorama auf dem altem Postweg oberhalb Tengen nach Kommingen/ Neuhaus und danach auf dem Grenzweg mit Bodensee/Alpensicht nach Wiechs a.R.
  • Durch das Körbeltal Büßlingen kommt man über Hof Pfaffwiesen, Hofgut Homboll zum Hohenstoffelparkplatz mit Sicht auf Duchtlingen und zum Hohentwiel, dem letzten des Hegau-Vulkan-Kegelspiels. Zum Abschluss lässt sich nochmals der Blick auf Singen, den Bodensee und die Alpen genießen.