Die Stimmung schwankt zwischen Verärgerung und Verständnis. Aber der Anteil enttäuschter Menschen wächst, die bisher erfolglos nach einem Termin für die rettende Corona-Impfung gesucht haben. Bisher konnten gerade mal die Bewohner von drei Pflegeheimen im Landkreis Konstanz geimpft werden. Rund 40 Heime gibt es. Fast alle haben die formalen Voraussetzungen erfüllt und das Einverständnis der Bewohner für die Impfung eingeholt. So zum Beispiel auch im Pflegeheim St. Hildegard in Gottmadingen. „Wir haben alle Abfragen erledigt“, sagt Heimleiter Thomas Wehrle. „Die Unterlagen sind eingereicht. Jetzt warten wir auf den Impftermin, aber den können wir leider nicht beeinflussen.“ Das Haus ist für Besucher geschlossen. Die Impfung wäre für das Pflegeheim, das Mitglied im Caritas-Verband ist, ein Schritt in Richtung Freiheit.

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Verzweiflung bei Hochbetagten über fehlende Impftermine

So wie St. Hildegard geht es nicht nur denPflege-Einrichtungen im Hegau, sondern auch den über 80-Jährigen, die verzweifelt auf einen Impftermin warten. Walter Benz vom Gottmadinger Seniorenbeirat, der sich bereit erklärt hat, dieser Personengruppe beim Organisieren von Impfterminen zu helfen, kennt den Frust. Er rät den Menschen: „Ruhig bleiben und den Ball flach halten. Wir wissen ja, dass es Engpässe beim Impfstoff gibt. Wir können das Verfahren nicht beschleunigen.“

Daniela Thinibel von der Sozialstation St. Elisabeth spricht mit Carola Schwörer. Die alte Dame ist froh, dass sie mit der Unterstützung noch in ihrer eigenen Wohnung leben kann. Bild: Inka Reiter
Daniela Thinibel von der Sozialstation St. Elisabeth spricht mit Carola Schwörer. Die alte Dame ist froh, dass sie mit der Unterstützung noch in ihrer eigenen Wohnung leben kann. Bild: Inka Reiter | Bild: Inka Reiter

Die Impfskepsis ist bei jüngeren Pflegekräften noch sehr ausgeprägt

Während sich die hochbetagten Menschen zum Großteil so schnell wie möglich impfen lassen möchten, zeichnet sich bei den Pflegekräften ein anderes Bild ab. Der Caritas-Verband Singen-Hegau hat hierzu eine Umfrage unter den rund 500 Pflegekräften und Mitarbeitern in Kindergärten und Sozialstationen gestartet. „Als Verband und als Arbeitgeber haben wir ein großes Interesse, dass sich unsere Mitarbeiter impfen lassen“, sagt Vorstand Wolfgang Heintschel. Wie in der Pflegebranche allgemein, zeigt sich auch bei den Caritas-Mitarbeitern eine relativ hohe Impf-Skepsis. Zwar sei die Auswertung noch nicht vollständig abgeschlossen, aber die Antworten auf den Fragebögen zeigen genau in diese Richtung. Um möglichst ehrliche Stellungnahmen zu erhalten, wurde die Umfrage anonymisiert.

Caritas ergründet die Ängste mit Hilfe einer Umfrage

„Wir wollen herausfinden, warum einige Mitarbeiter die Impfung so kritisch sehen“, sagt Heintschel. „Wir wollen keinen Druck ausüben. Wer sich nicht impfen lässt, wird keine Nachteile haben. Aber vielleicht können wir den Unentschlossenen Ängste nehmen.“ Zu den entsprechenden Themen will die Caritas Singen-Hegau Experten einladen, die sehr breit aufklären können. Vor allem jüngere Frauen seien zurückhaltend, weil sie Folgen für eine spätere Schwangerschaft fürchten. Die am häufigsten genannten Bedenken sind bekannt: Es wird befürchtet, dass die Impfstoffe nicht genügend erprobt seien. Ängste vor Komplikationen oder Nebenwirkungen wurden auch angegeben.

„Als Arbeitgeber hat der Caritas-Verband großes Interesse daran, dass sich möglichst viele Mitarbeiter gegen Corona impfen lassen“, erklärt der Vorstand des Verbandes Singen-Hegau, Wolfgang Heintschel
„Als Arbeitgeber hat der Caritas-Verband großes Interesse daran, dass sich möglichst viele Mitarbeiter gegen Corona impfen lassen“, erklärt der Vorstand des Verbandes Singen-Hegau, Wolfgang Heintschel | Bild: Wolfgang Heintschel

Spezialisten sollen Aufklärungsarbeit leisten

„Wir nehmen die Bedenken ernst, aber wir sehen in der Impfung höhere Chancen als Gefahren“, erklärt Heintschel. „Unser Betriebsarzt informiert sehr ausführlich. Die Mitarbeiter erhalten detaillierte Aufklärung per Videokonferenz. Wir haben mittlerweile hautnah erlebt, dass Corona nicht einfach eine Grippe ist. Wir müssen das Virus sehr, sehr ernst nehmen.“ Heintschel weiß, wovon er spricht

Ingo Baxmeier leitet bei der Caritas das ambulante betreute Wohnen. Hier bereitet er zusammen mit Michaela Siebner einen Salat zu.
Ingo Baxmeier leitet bei der Caritas das ambulante betreute Wohnen. Hier bereitet er zusammen mit Michaela Siebner einen Salat zu. | Bild: Inka Reiter

Zwei Menschen in Behinderteneinrichtung an Corona gestorben

Im Behindertenwohnheim Haus Klara war Corona ausgebrochen. Zwei Menschen sind mit Ende 50 daran gestorben. Eine Frau, die nach langer Behandlung in der Intensivstation als geheilt entlassen wurde, erlitt am nächsten Tag so einen schweren Rückfall, dass sie verstarb. „Für die Mitbewohner war das sehr schwer“, erzählt Heintschel. Er versteht nicht, warum Behinderteneinrichtungen bei den Impfungen nur an zweiter Stelle stehen.

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Prioritäten in der Impfstrategie nicht ganz einleuchtend

Für die Beschäftigten in Hospiz und Sozialstation gilt höchste Priorität in der Impfstrategie, weil sie ständig Kontakt mit stark gefährdeten Personen haben. Trotzdem hat der Caritas-Vorstand noch keine Antwort vom Kreisimpfzentrum auf die Frage erhalten, wann die Impfungen stattfinden werden. „Laut Impfverordnung können wir bald damit rechnen“, tröstet er sich. Bis dahin muss noch viel Überzeugungsarbeit bei den Beschäftigten geleistet werden.

Die Pflegeprämien sind in der Altenhilfe angekommen

Alle Mitarbeiter, die in der Altenhilfe tätig sind, haben die vom Bund beschlossene Pflegeprämie in Höhe von 1500 Euro bekommen. Das bestätigt Wolfgang Heintschel als Vorstandt der Caritas Singen-Hegau. Die Pflegekräfte aus der Altenhilfe hätten sich gefreut über die Anerkennung, erklärt Wolfgang Heintschel. Viele hätten aber Bedauern darüber geäußert, dass die Kollegen in den Krankenhäusern keine Prämie bekommen haben. Auch bei St. Hildegard in Gottmadingen hätten die Pflegkräfte die Prämie bekommen, berichtet Heimleiter Thomas Wehrle. Das Haus ist Mitglied im Caritas-Verband, ist aber in der Organisation eigenständig. Gesellschafter sind die beiden Gottmadinger Pfarreien.

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