Statt mit Seehas oder Regionalzug müssen Bahnkunden seit dem Wochenende zwischen Singen und Engen auf Busse umsteigen. Die Bahn erneuert drei Übergänge in Mühlhausen-Ehingen, weshalb die Strecke, auf der der Nahverkehrszug Seehas sowie Züge der Schwarzwaldbahn und Gäubahn unterwegs sind, täglich von 8 bis 20 Uhr gesperrt bleibt. Wir haben nachgefragt, wie die Bahnnutzer in den ersten paar Tagen mit der veränderten Situation klarkommen.

Am Montagnachmittag sind einige Berufspendler an der Haltestelle des Ersatzbusses anzutreffen. Lucia Chidichimo (35) aus Engen ist Pendlerin und sagt, dass sie prinzipiell lieber mit dem Seehas fahre, er sei einfach bequemer. „Da der Ersatzverkehr auf vier Wochen beschränkt ist, sehe ich kein großes Problem für mich.“ Sie wolle nach Möglichkeit aber den Express-Bus nutzen. Steven Reemer (17) aus Mühlhausen ist ebenfalls Pendler. Er arbeite bei Fondium und habe einen kürzeren Fußweg zur Maggi-Haltestelle, als wenn er an den Bahnsteig zum Seehas müsste, erzählt er. Er sei froh, dass die Busse pünktlich und nicht so voll seien. Für ihn seien Bus und Bahn in Ordnung.

„Da der Ersatzverkehr auf vier Wochen beschränkt ist, sehe ich kein großes Problem für mich.“ Lucia Chidichimo (35) aus Engen
„Da der Ersatzverkehr auf vier Wochen beschränkt ist, sehe ich kein großes Problem für mich.“ Lucia Chidichimo (35) aus Engen | Bild: Manuela Fuchs

Am Samstagmorgen ging es noch ein bisschen hektisch zu. In kürzester Zeit standen vier Busse an der Haltestelle vor der Maggi und die Wartenden informierten sich bei den Fahrern, wohin sie führen und wo sie hielten. Für einige fingen die Schwierigkeiten aber schon früher an. Stefan Peter (47) aus Konstanz musste vom Seehas auf den Ersatzbus nach Engen umsteigen. „Für mich als Ortsfremder war die Haltestelle nicht gerade einfach zu finden“, beklagte er sich. Der Beamte am Schalter klärte ihn auf. „Leider konnte ich mit der Info, dass der Bus am Bahnhof Süd vor der Maggi abfährt, nicht viel anfangen. Woher soll ich wissen, wo Süden ist, ich habe ja keinen Kompass in der Tasche“, ergänzte er schmunzelnd. Er hätte sich gewünscht, dass die Strecke zur Haltestelle für ankommende Bahnfahrer besser ausgeschildert wäre.

Fahrgast Burkart Dieterich spricht von positivem Chaos

Leicht gestresst wirkte auch Olga Wietze (50) aus Engen-Bittelbrunn, die auf dem Weg nach Überlingen war. Normalerweise hätte sie von Engen bis Radolfzell im Seehas sitzen bleiben können und erst dort wieder umsteigen müssen. Burkart Dieterich (44) aus Konstanz verirrte sich anfangs an den neuen ZOB und verpasste deshalb den Express-Bus um 11.02 Uhr. Er habe bereits mit einer längeren Wartezeit gerechnet und sei deshalb sehr erfreut gewesen, als er hörte, dass der nächste Express-Bus bereits um 11.19 Uhr Richtung Engen starte. „Falls man hier von einem Chaos sprechen kann, wie manche beklagen, dann würde ich sagen, es ist ein positives Chaos“, meinte er. „Es fahren mehr Busse, als auf dem Fahrplan vermerkt sind. Das ist doch erst mal gut und das Ganze spielt sich in den nächsten Tagen sicher noch ein.“

„Ich versuche, Kontakte zu vermeiden, so gut es geht. Deshalb werde ich nach Möglichkeit auch nur den Express-Bus benutzen.“ Silvia Hupp (62) aus Engen
„Ich versuche, Kontakte zu vermeiden, so gut es geht. Deshalb werde ich nach Möglichkeit auch nur den Express-Bus benutzen.“ Silvia Hupp (62) aus Engen

Andrea Atitieni (43) aus Konstanz war am Samstagmorgen mit ihrer Mutter Silvia Hupp (62) aus Engen unterwegs. „Ich benutze den Zug nur selten“, erzählte sie, „da ich in Konstanz wohne und arbeite. Ich bin nicht glücklich darüber, dass diese Baumaßnahmen ausgerechnet jetzt umgesetzt werden. Ich befürchte, dass es in den Bussen schwierig sein wird Abstand zu halten, besonders im Hinblick darauf, dass am Montag die Schule wieder beginnt.“ Ihre Mutter sah das ähnlich: „Ich versuche, Kontakte zu vermeiden, so gut es geht. Deshalb werde ich nach Möglichkeit auch nur den Express-Bus benutzen.“

Hoffnung auf ausreichend Platz in den Bussen

Für Lea Heim (32) und Florian Neumann (30) aus Mühlhausen bietet sich diese Option nicht an. Ihnen bleibt nur der Bus, der alle Haltestellen anfährt. „Wir fahren normalerweise jeden Tag mit dem Zug“, berichtet Neumann. Beide arbeiteten in der Pflege und seien deshalb auch am Samstag zum Arbeitsplatz unterwegs. „Da alle Maske tragen und Abstand halten, ist das für uns gar kein Problem. Im Bus war heute auch nicht viel los. Wir gehören nicht unbedingt zu den Überängstlichen, hoffen aber dennoch, dass es nicht wieder zu so proppenvollen Ersatzbussen kommt, wie wir das schon in der Vergangenheit erlebt haben.“