Einmal, so erzählt Michael Psczolla, habe man sich mit den Büsinger Kammerkonzerten auf fremdes Terrain gewagt. Doch das sei einigermaßen schiefgegangen, weil der Veranstaltungsort in Schaffhausen versehentlich zweimal vermietet wurde. Die Konkurrenz mit einer Weinmesse wollten die Liebhaber der Kammermusik nicht aufnehmen. „Seither haben wir jeden Expansionsgelüsten standgehalten“, sagt Psczolla. „Wir bleiben bei der Bergkirche.“

Mittlerweile kann der Gailinger Landarzt bei den von ihm organisierten Kammerkonzerten auf 30 Jahre Kontinuität zurückblicken. Und nachdem Uwe Stoffel sich als künstlerischer Leiter verabschiedet hatte, ist Christian Poltéra nun auch schon zehn Jahre lang der Programmdirektor.

Musiker und Zuhörer kommen sich ganz nah

Poltéra schwärmt vom intimen Charakter der über 1000 Jahre alten Bergkirche. So nahe wie hier kämen sich Musiker und Zuhörer in kaum einem Konzertraum, außer vielleicht in einem Salon. Hier spüre man jeden Atemzug und höre man Stecknadeln fallen. Hier werden Kompositionen durchsichtig. „In den vergangenen Corona-Jahren haben wir kurz darüber nachgedacht, in Turnhallen auszuweichen, um die Idee gleich wieder zu verwerfen“, sagt Poltéra. Die Konzertreihe fand auch 2021 mit limitierter Zuhörerschaft in der Bergkirche statt.

Seit 30 Jahren organisiert der Gailinger Landarzt Michael Psczolla Veranstaltungen in der Bergkirche.
Seit 30 Jahren organisiert der Gailinger Landarzt Michael Psczolla Veranstaltungen in der Bergkirche. | Bild: Trautmann, Gudrun

Auch in diesem Jahr dürfen sich die Liebhaber von exquisiter Kammermusik wieder auf fünf besondere Konzerte freuen. „Ich kenne die Kammermusiktage seit 20 Jahren“, erzählt Poltéra. Der Züricher Cellist kam über das Auryn-Quartett und seinen Vorgänger Uwe Stoffel zur Aufgabe des künstlerischen Leiters. Er kennt also die Herausforderungen, die der Kirchenraum als Konzertort mit sich bringt. Einen Konzertflügel sucht man vergebens. „Die Basis bildet immer ein Streichquartett, das durch andere Musiker ergänzt werden kann“, erklärt der Programmdirektor.

Drei Tage in der Bergkirche

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In diesem Jahr wird das spanische „Cuarteto Quiroga“ den Hauptpart für das Wochenende übernehmen. Durch seine Musikertätigkeit ist Poltéra bestens vernetzt mit Musikern aus aller Welt. Und weil sich die Qualität der Büsinger Konzerte herumgesprochen hat, kommt es immer wieder zu neuen spannenden musikalischen Begegnungen. Diesmal mit dem norwegischen Bratschisten Lars Anders Tomter, der Schweizer Geigerin Esther Hoppe oder der niederländischen Harfenistin Godelieve Schrama.

Weite Wege, um diese Kammermusik zu erleben

Auch das Publikum nehme zum Teil weite Wege auf sich, um diese intensive Begegnung mit klassischen und modernen Werken der Kammermusik zu erleben. So erwartet Michael Psczolla Besucher aus Hannover oder Berlin.

Als künstlerischer Leiter stellt Christian Poltera seit zehn Jahren das Programm der Kammermusiktage zusammen.
Als künstlerischer Leiter stellt Christian Poltera seit zehn Jahren das Programm der Kammermusiktage zusammen. | Bild: Trautmann, Gudrun

Das Publikum sei auch über die Pandemie hinweg erstaunlich treu geblieben, hat Christian Poltéra beobachtet. Während man bei den großen Konzertsälen nach wie vor mit der Zurückhaltung der Zuhörer umgehen müsste, erlebe er beim Kammermusik-Publikum ein echtes Bedürfnis nach Live-Musik. Dafür sei die Bergkirche als kleine, aber besonders feine Konzertstätte sehr geeignet.

Zwei Werke erklangen so sicher noch nie

Bei der Auswahl der Stücke sei immer wieder Kreativität gefordert, berichtet Poltéra: „Hier werden zwei Werke erklingen, die bestimmt noch nie in einer über 1000-jährigen Kirche gehört wurden.“ Als Lohn für sein Engagement darf er Musiker hören, die er schon immer sehr gerne hören wollte. Und natürlich wird der Cellist selbst mit von der Partie sein.

Über Michael Psczolla sagt er: „Man spürt, dass er für die Bergkirche brennt. Und jetzt hat es auch mich erwischt.“ Ganz selbstbewusst sagt Psczolla über das Konzertwochenende: „Wir sind Weltklasse. Das haben auch die Besucher der Schubertiade gemerkt, die heute zu uns kommen.“