Ein überraschend gutes Ergebnis für das Jahr 2020 und berechtigte Hoffnung auf ein Kulturprogramm ab Herbst 2021 – diese beiden Dinge hatten die Verantwortlichen des städtischen Eigenbetriebs Kultur und Tourismus Singen (KTS) im zuständigen Gemeinderatsausschuss im Gepäck. Zur Erinnerung: Den größten Teil des Corona-Jahres 2020 konnten keine Veranstaltungen in der Stadthalle stattfinden – und auch in der Scheffelhalle war die Lage vor dem Brand, der die Halle im November zerstörte, nicht besser.

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Trotzdem sei es ein Rekordjahr gewesen, was die bloße Zahl an Veranstaltungen angehe, sagte Roland Frank, Geschäftsführer der KTS, dem Gremium. Denn es habe viele kleinere Veranstaltungen gegeben, beispielsweise von Baugenossenschaften, die große Räume für Versammlungen brauchten. In Stadthalle und Scheffelhalle habe die KTS in dieser Hinsicht möglich gemacht, was rechtlich zulässig gewesen sei. „Aber die großen Kulturveranstaltungen sind ausgefallen, das tat uns sehr weh“, so Frank.

Verlust schrumpft um etwa eine halbe Million Euro

Der Abschluss fiel trotzdem vergleichsweise positiv aus. Die Gewinn- und Verlustrechnung weist ein Minus von etwa 2,3 Millionen Euro für 2020 aus (2019: Minus 2,8 Millionen Euro). Wirtschaftsprüfer Michael Schmid und Axel Blüthgen, Leiter der städtischen Abteilung Rechnungsprüfung, bescheinigten in ihren Prüfberichten einen korrekten Jahresabschluss 2020.

„Wenn man das hört, bekommt man den Eindruck, dass man mehr Gewinn macht, wenn man weniger veranstaltet.“ Hans-Peter Stroppa, CDU
„Wenn man das hört, bekommt man den Eindruck, dass man mehr Gewinn macht, wenn man weniger veranstaltet.“ Hans-Peter Stroppa, CDU | Bild: SK

Oberbürgermeister Bernd Häusler nannte das ein „respektables Ergebnis, obwohl der Laden fast zu war.“ Dem Team der Stadthalle dankte er für den Einsatz und hob hervor, dass es mit Kurzarbeit beim KTS-Team in 2020 ein Novum gegeben habe: „Das war bislang im öffentlichen Dienst undenkbar.“ Auf das Thema Arbeit hob auch Angelika Berner-Assfalg (CDU) ab, die nach den geringfügig Beschäftigten fragte. Roland Frank erklärte, dass befristete Verträge in diesem Segment nicht verlängert worden seien und für 2021 keine neuen abgeschlossen worden seien. 450-Euro-Verträge werde es wieder geben, wenn der Betrieb wieder losgeht.

„Wir haben auf alles verzichtet. Ich hoffe, dass sich das wieder bessert.“ Angelika Berner-Assfalg, CDU
„Wir haben auf alles verzichtet. Ich hoffe, dass sich das wieder bessert.“ Angelika Berner-Assfalg, CDU | Bild: SK

Hans-Peter Stroppa (CDU) brachte das Unbehagen angesichts des Jahresabschlusses auf den Punkt: „Wenn man das hört, bekommt man den Eindruck, dass man mehr Gewinn macht, wenn man weniger veranstaltet.“ Dem pflichtete OB Häusler im Prinzip bei: „Kultur kostet Geld.“ Bei Messen sei die Deckungslücke kleiner. Das städtische Kulturprogramm in der Stadthalle stand allerdings weder auf der Verwaltungsbank noch im Gremium zur Disposition. Unter anderem Berner-Assfalg (CDU), Michael Burzinski (Freie Wähler) und Isabelle Büren-Brauch (Grüne) argumentierten für die Wiederaufnahme der Veranstaltungen. Büren-Brauch fürchtete dabei aber Einschränkungen bei der Zahl der Zuschauer und erkundigte sich, ob es wieder Hilfen gebe. Roland Frank berichtete, dass ein zweites Programm zum Neustart Kultur geplant sei – Details noch unbekannt.

Die KTS-Bilanz und das geplante Programm ab Herbst

  • Die Zahlen: Der Jahresverlust beim städtischen Eigenbetrieb Kultur und Tourismus Singen (KTS) schrumpfte 2020 um etwa 500.000 Euro im Vergleich zu 2019, von 2,8 Millionen auf 2,3 Millionen Euro. Dazu trugen auch staatliche Corona-Hilfen bei, wie Wirtschaftsprüfer Michael Schmid erklärte. Das Kreisimpfzentrum werde sich erst 2021 auswirken. Knapp eine halbe Million Euro fließen laut SÜDKURIER-Recherchen an Miete an die KTS. Die Bilanzsumme schrumpfte von knapp 12,1 Millionen Euro 2019 auf etwa 11,4 Millionen Euro im Jahr 2020.
  • Das Programm: Bis Ende September ist das Kreisimpfzentrum für den Landkreis Konstanz in der Singener Stadthalle untergebracht. Ab Oktober soll es wieder Kulturveranstaltungen geben. Als erste Veranstaltung verzeichnet der Kalender das Stück „Marie Curie“ von Susanne Felicitas Wolf, am Sonntag, 10. Oktober. Ein Theaterstück zum Film Chocolat ist für Sonntag, 13. Februar 2022, angekündigt. Komödien, Musik und Kinderstücke stehen ebenfalls im Programm. KTS-Leiter Roland Frank sagte im Ausschuss, man müsse vorsichtig planen, was die zulässige Zuschauerzahl angehe. Und er erwähnte, dass nur wenige Abonnenten ihre Plätze im Jahr 2020 gekündigt hätten. Als Dank würden diese nun bevorzugt informiert. Vorerst könne man Karten aber erst zuteilen, wenn die Zuschauerzahl klar sei. Informationen im Internet unter www.stadthalle-singen.de