Frische Eier vom Bauernhof, hausgemachte Nudeln in allen Variationen, Äpfel, Eierlikör, eingemachte Marmelade und viele andere Lebensmittel im Sportgeschäft. Diese kuriose Bild bleibt haften, wenn auch die Geschäfte ab Samstag nach Terminvereinbarungen Kunden mit Corona-Schnelltests wieder ihre herkömmlichen Artikel anbieten dürfen.

Neue Angebote passen zur Philosophie des Geschäftes

„Wir sind gut vernetzt. Das ungewöhnliche Angebot erlaubt uns, das Geschäft zu öffnen, wenn wir auch keine Sportartikel verkaufen. Dies haben die Behörden untersagt. Wir können aber unseren Kunden zeigen, dass wir noch da sind. Diese Botschaft halten wir für eminent wichtig“, erklärt Geschäftsinhaber Otto Schweizer. „Die Kunden nehmen die Angebote erfreut an. Sie passen aber auch zur Philosophie unseres Geschäftes, die überwiegend auf Gesundheit zielt, nicht nur im sportlichen Bereich, sondern auch in Sachen Ernährung“, sagt er.

„Ein kleineres Sortiment von außersportlichen Artikeln, wie Drogeriewaren, hatten wir ohnehin schon im Verkauf. Wenn wir hoffentlich bald wieder regulär öffnen dürfen, halten wir eine kleine Ergänzung an Zusatzartikeln für durchaus denkbar“, sagt Schweizer.

Das könnte Sie auch interessieren

„Wir mussten den Einsatz unserer 25 Beschäftigten in den vergangenen Wochen etwa um die Hälfte reduzieren. Das Geschäft mit den Sportartikeln hat sich auf den Online-Handel beschränkt. Wir können aber kaum mit dem klassischen Internet-Markt konkurrieren. Der ist mit seiner Logistik ganz anders aufgestellt. Auch wegen erhöhter Kosten, wie beim Versand, können wir nur ein Fünftel an Erträgen erzielen, wenn wir die Hälfte unseres üblichen Umsatzes erreichen“, zeigt Schweizer auf. Die große Kompetenz des Sporthauses sei die eingehende Kunden-Beratung vor Ort.

Das könnte Sie auch interessieren

Auserlesene Weine, besondere Gewürze und andere ausgewählte Lebensmittel gibt es in den beiden Schmuck- und Uhrengeschäften, die Florian Stein als Nachfolger im elterlichen Betrieb bald als Geschäftsführer übernimmt. „Durch das neue Sortiment konnten Kunden weiterhin zu uns kommen. Und sie haben das neue Angebot gut angenommen“, schildert Florian Stein. „Mit der Aktion zeigen wir aber auch, wie hanebüchen die Corona-Regelungen mit den unterschiedlichen Maßstäben sind“, erklärt er. Wenn Stein endlich wieder offiziell Schmuck und Uhren verkaufen kann, will er das Sortiment zumindest zu einem bestimmten Teil um die nun bereitgestellten Zusatzwaren erweitern. Dies erlaube auch die geänderte Gewerbe-Anmeldung.

Viele Singener Geschäfte stehen wieder einmal in den Startlöchern. Die hohen Inzidenzahlen lösten die verordnete Corona-Notbremse aus. Nur kurz hatten die Läden zumindest für Kunden nach Terminvereinbarung geöffnet und wenig später mussten sie wieder schließen. Nun sind die Inzidenzzahlen fünf Tage lang unter 150 gesunken – sie weisen das Verhältnis der neuen Corona-Fälle in den vergangenen sieben Tagen im Verhältnis zu 1000 Einwohnern aus.

Ein erlesener Wein statt Uhren und Schmuck: Auch Florian Stein zeigt sich in diesen Tagen sehr innovativ, um weiter Kunden begrüßen zu können.
Ein erlesener Wein statt Uhren und Schmuck: Auch Florian Stein zeigt sich in diesen Tagen sehr innovativ, um weiter Kunden begrüßen zu können. | Bild: Tesche, Sabine

Die Voraussetzungen sind gegeben, dass Einzelhandelsgeschäfte unter dem Begriff Click and Meet den Kunden in beschränkter Anzahl nach Terminvereinbarung wieder Einlass gewähren dürfen. Voraussetzung: Sie müssen einen Schnelltest vorweisen, der nicht älter als 24 Stunden ist. „Das werten wir als wichtigen ersten Schritt und ein gutes Zeichen“, erklärt Hans Wöhrle, Vorsitzender des Singener Einzelhandelsverbandes. „Es bleibt fraglich, ob alle Singener Geschäfte mitmachen. Da manche Betreiber auch Schnelltests aus logistischen Gründen nicht anbieten können, sind wir froh, dass es in der Singener Innenstadt drei Testzentren gibt“, sagt Wöhrle.

Wenn die Inzidenzzahl an fünf aufeinanderfolgenden Tagen unter 100 sinkt, sind Schnelltests nicht mehr nötig, unter 50 können die Geschäfte sogar wieder regulär unter den geltenden Hygiene- und Schutzbestimmungen öffnen.

Das könnte Sie auch interessieren

Falk Wöhrle, Sohn des Verbandsvorsitzenden, hatte kurze Zeit als Geschäftsführer zweier Singener Schuhgeschäfte in einem der Läden das Sortiment umgestellt, um weiterhin öffnen zu können. Als Hauptwaren bot er den Kunden Hygiene-Artikel an, auch als Fingerzeig für die gesamte Branche des Einzelhandels, wie widersprüchlich die Schließung des Einzelhandels bei gleichzeitiger Öffnung privilegierter Geschäfte wirkt, wie Einkaufszentren mit Schwerpunkt Lebensmittel oder Drogeriemärkten mit umfassenden Warenangeboten. „Die Zahl der Kunden war ohnehin überschaubar, da viele Menschen gar nicht erst in die Stadt kommen, weil der Einzelhandel und die Gastronomie überwiegend geschlossen waren“, erklärt Hans Wöhrle.