Mit freudigem Schritt kommt ein Herr auf die Bühne, um anschließend zu verkünden: „Ich fang mal konventionell an mit meinem Vortrag.“ Im Hintergrund steht eine Kindertafel. In der Mitte der Bühne steht bereits auf einem Tisch eine Miniaturlandschaft.

Der Mann hält einen ausgeklügelten Vortrag über Wege in die Unabhängigkeit. Ein nettes Thema, immerhin scheint der Traum vom autarken Leben immer erstrebenswerter. Doch schnell kippt die Stimmung. „Es gibt keinen Beweis, dass der deutsche Staat existiert!“, verkündet der Vortragende.

Ein Mann mit erschreckend überzeugenden Argumenten

Welche Beweise gebe es schon für dessen Existenz? Etwa der Personalausweis? „So einen Ausweis, den druck ich auch aus.“ Überhaupt sei die Bezeichnung Personalausweis recht fragwürdig. Erst gebe es den Kinderausweis, dann den Schülerausweis und schließlich Personal- und nicht Personenausweis. Wenn das nicht bereits genug Beleg für das Angestelltenverhältnis der Bürger sei! Also ist die Bevölkerung am Ende nur Dienstpersonal der BRD GmbH?

Schwerwiegende Thesen, die vor dem Publikum ausgebreitet werden. Und nicht mal einfach zu entkräften sind die Argumente, die aufgeführt werden. So fährt der Mann überzeugend fort, zu erläutern, dass der Besatzungszustand nach dem Kriegsende 1945 nie richtig beendet worden sei. Stattdessen habe man eine Scheinregierung eingesetzt.

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Bis heute seien es die Besatzer, die die Fäden in der Hand hielten. Unterdrückung des Volkes sei das Ziel der im Hintergrund schaffenden Großmächte. Immerhin gelte es zu verhindern, dass Deutschland abermals seine Spitzenposition einnehmen könne. Eine gewagte These, doch der Vortragende ist äußerst überzeugend.

Ein Thema, das immer noch aktuell ist

Glücklicherweise handelt es sich jedoch um das neue Gastspiel im Singener Theater „Die Färbe“. Der von Annalena und Konstantin Küspert geschriebene Monolog zeigt die Gedankenwelt eines Ausgestiegenen. Bereits vor fünf Jahren feierte das Stück Uraufführung im Theater Konstanz.

Nun kommt also die Neuauflage. Relevant ist das Thema des Stücks noch immer. Nun ist es eben nicht mehr die Flüchtlingswelle, die die Gesellschaft spaltet, sondern die Frage um die Sinnigkeit von Corona-Maßnahmen. Die Ausgangslage bleibt dieselbe.

Schauspieler überzeugt

„Sie sind nicht frei, obwohl Sie das denken“, deklamiert Schauspieler Ralf Beckord gleich zu Beginn des Stücks. Worte, wie sie vermutlich auch der ein oder andere Querdenker oder Corona-Leugner so von sich geben könnte. Ob nun mit oder ohne Alu-Hut, macht da keinen großen Unterschied. Die Sorgen sind an vielen Stellen gleichgeblieben, nur die Auslöser haben sich verändert.

Das führt „Der Reichsbürger“ drastisch vor Augen, ohne zu überzeichnen. Beckord bietet dafür die optimale Besetzung. Bereits in „Der Trafikant“ und auch „Das Bauernopfer“ stand er auf der Singener Färbe-Bühne, nun kehrt er also mit einer Solo-Nummer zurück.