Auf seiner Tour durch Deutschland wurde Michael Bilharz, der zusammen mit Mitstreitern die Aktion Klimawette initiiert hat, auch in Singen begrüßt. Bis zum 3. Oktober radelt er in 200 Städte und möchte möglichst viele Menschen dazu bringen, mehr für den Klimaschutz zu tun. Einige Unterstützer, darunter Bürgermeisterin Ute Seifried sowie die grüne Landtagsabgeordnete Dorothea Wehinger, radelten mit ihm bis zur nächsten Station in Schaffhausen.

Als Michael Bilharz in Singen ankommt, hat er etwa ein Viertel der geplanten Gesamtstrecke von 6000 Kilometern hinter sich. Sein Anhänger schwächelt zwar gerade etwas, aber ansonsten läuft es gut mit seinem Lasten-E-Bike. Auf dem Anhänger hat er eine schwarze Tonne und diverses Infomaterial, um in den Städten seine Mission zu präsentieren.

Experte für nachhaltigen Konsum

Michael Bilharz ist seit 2008 beim Umweltbundesamt tätig und dort zuständig für Fragen des nachhaltigen Konsums. Er betreut den UBA-CO2-Rechner und hat unter anderem die UBA-Broschüre „Klimaneutral leben“ sowie das Buch „Key Points nachhaltigen Konsums“ geschrieben. Doch mit dieser Aktion ist er rein privat unterwegs.

Im Februar 2020 hat er mit anderen zusammen den gemeinnützigen Verein 3 fürs Klima gegründet. Seine Mitstreiter möchten Menschen motivieren, schon heute klimaneutral zu leben. Den Zeitpunkt für die Aktion hat Bilharz bewusst gewählt. „Vor der Weltklimakonferenz von Glasgow am 1. November möchten wir eine Million Menschen gewinnen, die zusammen eine Million Tonnen CO2 einsparen wollen.

715 Singener werden gebraucht

Auf dem Rathausplatz zeigte er spielerisch, wie einfach es sein kann, eine Tonne CO2 wegzuboxen. Unterstützung bekam er dabei von Bürgermeisterin Ute Seifried. Für die Stadt Singen würde – ausgehend von der Einwohnerzahl – eine Einsparung von 715 Tonnen reichen, um ihren Beitrag zum Ziele der Aktion zu leisten. Wünschenswert wäre also, dass mindestens 715 Bürger aus Singen mitmachen.

Bürgermeisterin Ute Seifried boxt zusammen mit Michael Bilharz, der mit seiner Klimawette in Singen Station machte, symbolisch eine Tonne CO2 zu Boden.
Bürgermeisterin Ute Seifried boxt zusammen mit Michael Bilharz, der mit seiner Klimawette in Singen Station machte, symbolisch eine Tonne CO2 zu Boden. | Bild: Susanne Gehrmann-Röhm

Klimaneutrales Leben setze sich aus drei Bausteinen zusammen, erläutert Bilharz. Zum einen gehe es darum, den persönlichen Fußabdruck und damit den CO2-Ausstoß zu reduzieren. Dies könne zum Beispiel durch den Bezug von Ökostrom erreicht werden. Wer zu Ökostrom wechselt, spare bei einem jährlichen Verbrauch von 1500 Kilowattstunden dauerhaft 0,8 Tonnen CO2 jährlich ein.

Auf der Webseite finden sich weitere Beispiele zur Verringerung des Fußabdrucks. Da man CO2 nicht immer vermeiden kann, könne man durch Kompensation Klimaschutzprojekte finanziell unterstützen. Zum Dreiklang der Bausteine gehöre jedoch auch, den Handabdruck zu vergrößern und andere Menschen mit ins Boot zu holen.

Auto öfters stehen lassen

Die grüne Landtagsabgeordnete Dorothea Wehinger ist beeindruckt von der Aktion Klimawette und der Tatsache, dass Michael Bilharz dafür quer durch die Republik radelt. „Ich wünsche mir, dass bei der Aktion Klimawette in Baden-Württemberg viele Kommunen und Bürgerinnen und Bürger mitmachen, damit wir zusammen das Einsparziel gemäß dem Pariser Klimaschutzabkommen erreichen“. Denn eins sei sicher: „Klimaschutz lässt sich nicht aufschieben, wir müssen jetzt handeln“, sagt sie.

Zu Wehingers persönlichen CO2-Sparmaßnahmen gehört unter anderem, das Auto noch öfter stehen zu lassen und stattdessen das Rad benutzen. Außerdem hält sie es für wichtig, dass Hausbesitzer einen Wärmeplan fürs Haus zu erstellen, um möglicherweise Sanierungsmaßnahmen durchzuführen und damit CO2 zu sparen. Im Land würde auch die Klimaschutzstiftung Baden-Württemberg Menschen auf dem Weg in die Klimaneutralität begleiten.

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In Baden-Württemberg läuft die Wette ebenfalls bis zum 1. November 2021. Bis dahin sollen mindestens 166.546 Tonnen CO2 eingespart werden, um das diesjährige Einsparziel gemäß dem Pariser Klimaschutzabkommen zu erreichen: eine Tonne CO2-Einsparung pro Einwohner.