Weihnachten, für Christen die Geburt Jesu, wird in weiten Teilen Europas ähnlich gefeiert – die Familie trifft sich, es gibt Geschenke und gutes Essen. Auch außerhalb Europas wird das christliche als auch das traditionelle Fest in der Familie begangen. Ein wenig unterscheiden sich die Festlichkeiten aber doch. Heute erzählen Menschen mit ausländischen Wurzeln von heimatlichen Traditionen.

Im christlichen Polen gibt es am Heiligabend viel zu essen. Genauso wie bei Cornelia Cygan.
Im christlichen Polen gibt es am Heiligabend viel zu essen. Genauso wie bei Cornelia Cygan. | Bild: Cornelia Cygan
  • Cornelia Cygan, Polen: Wir feiern Weihnachten als christliches Fest. Am Abend des 24. Dezembers gibt es Geschenke, die das Christkind bringt, in Polen Gwiazdka (“der kleine Stern“). Die Pasterka, die Weihnachtsmesse, wird in Polen meist um Mitternacht zwischen dem 24. und 25. Dezember gefeiert.
    An Heiligabend gibt es auf keinen Fall Fleisch. Es wird Fisch gegessen, weil man sich auf die ärmeren Verhältnisse beziehen möchte. In Polen war Fleisch knapp und teuer. Wir machen das auch heute noch so. Für den Weihnachtstag werden zwölf Gerichte zubereitet, angelehnt an die Zahl der Apostel.
    Die Geldbörsen liegen mit auf dem Tisch, darunter Fischschuppen. Diese sollen das Geld mehren. Das Familienoberhaupt schneidet am Ende des Essens einen Apfel auf und verteilt diesen. An den Weihnachtstagen werden Oblaten mit Familie und Freunden geteilt – als Zeichen der Gemeinsamkeit.
Für Gianna Mundl-Chiarello aus Italien dauert die Weihnachtszeit vier Wochen lang.
Für Gianna Mundl-Chiarello aus Italien dauert die Weihnachtszeit vier Wochen lang. | Bild: Gianna Mundl-Chiarello
  • Gianna Mundl-Chiarello, Italien: Die italienische Weihnacht, dauert vier Wochen. Es beginnt mit dem 6. Dezember „Santa Nicola“, dem Nikolaustag. Eine Woche später, am 13. Dezember, feiern die Italiener die Botin des Lichts – „Santa Lucia“.
    Vor der Einführung des gregorianischen Kalenders war dieser Tag der kürzeste des Jahres.
    Dann kommt der wichtigste Feiertag: der 25. Dezember. Da feiert ganz Italien, die Geburt des „il Bambinello Gesu“, des Jesuskinds. Dabei werden am frühen Morgen die Geschenke ausgepackt und danach wird gespeist. Es gibt Heiligabend Meeresfrüchte und Fisch, am ersten Weihnachtstag „bollito misto“, ein Fleisch-Wurst-Mix.
    Der letzte Feiertag ist der 6. Januar. Da gibt es wieder eine Bescherung. Die gute Hexe „la Befana“ kommt nachts durch den Schornstein, um artigen Kindern Geschenke und Süßes zu bringen. Unartigen Kindern werden Kohlestückchen in die Schuhe gelegt.
Daniel de Cristo aus Portugal verbindet Weihnachten mit einer großen Familie und viel Essen.
Daniel de Cristo aus Portugal verbindet Weihnachten mit einer großen Familie und viel Essen. | Bild: Daniel de Cristo
  • Daniel De Cristo, Portugal: Die ganze Familie kommt am 24. Dezember zusammen und ich meine wirklich die ganze Familie! Es gibt Stockfisch am Abend. Es wird kein Fleisch oder etwas anderes gekocht.
    Nach 24 Uhr gehen alle in die Kirche zum Mitternachtsgebet, auch die Atheisten gehen mit – es ist schließlich eine Feier in Familie. Geschenke werden erst am 25. Dezember morgens aufgemacht. Da ist auch die ganze Familie wieder beisammen und es wird gegessen, was vom vorigen Abend übrigblieb.
Für Linda Breu aus Finnland gehört der Weihnachtsmann zur Tradition
Für Linda Breu aus Finnland gehört der Weihnachtsmann zur Tradition | Bild: Linda Breu
  • Linda Breu, Finnland: Die Adventszeit wird, ähnlich wie in Mitteleuropa, mit Treffen unter Freunden oder Arbeitskollegen verbracht. Finnland feiert zusätzlich am 6. Dezember noch Nationalfeiertag. Am 23. Dezember beginnen schon die Vorbereitungen für das Weihnachtsessen, das am 24. Dezember abends ist.
    Das Essen besteht aus verschiedenen Aufläufen (Karotten, Steckrüben und Kartoffel), einem Schinken (mit Senf bestrichen, im Ofen gegart) und vielen kleineren Beilagen (rote Beete, roher Lachs, Pilzsalat, Kartoffeln). Zusätzlich werden Weihnachtssterne gebacken (Blätterteigsterne mit Pflaumenmus). Pfefferkuchen-Kekse liegen eigentlich ständig griffbereit. In unserer Familie beginnt Heiligabend mit einem Saunagang.
    Danach, gegen Mittag, wird Milchreis mit einer süßen Sauce (Sekametelisoppa) gegessen. Im Hintergrund wird gemeinsam für das Weihnachtsessen gekocht. Die Kinder sind den ganzen Tag voller Vorfreude auf den Weihnachtsmann, der mit seinem Rentier vom Polarkreis unterwegs ist und abends mit den Geschenken vorbeikommt.
    Die Bescherung findet bei uns also am 24. Dezember unter dem Weihnachtsbaum statt. Für diejenigen, die noch wach sind, wird in der Nacht nochmals die Sauna angeheizt und gegen Mitternacht packen wir das Essen nochmal aus. Es reicht für mehrere Tage. Am 25. Dezember wird ausgeruht und es kommen weitere Verwandte auf Besuch. Der Weihnachtsmann hat eine starke kulturelle Bedeutung und ist Zentralfigur. Am 24. Dezember sieht man im Nationalfernsehen wie er sich mit seinen Wichteln auf die Reise vorbereitet. Die Kinder können sogar anrufen und mit ihm sprechen.
Tina Volk aus den USA (links) sucht mit ihrem Enkel den Weihnachtsbaum aus. Er bekommt sowohl am 24. als auch am 25. Dezember Geschenke.
Tina Volk aus den USA (links) sucht mit ihrem Enkel den Weihnachtsbaum aus. Er bekommt sowohl am 24. als auch am 25. Dezember Geschenke. | Bild: Tina Volk
  • Tina Volk, USA: In meiner Heimat wird der Weihnachtbaum nach Thanksgiving aufgestellt, das ist der letzte Donnerstag in November, und muss vor dem 1. Januar wieder abgebaut werden, sonst bringt es Unglück. Hier stellen wir den Baum schon in der Adventszeit auf, mit echten Kerzen, was in den USA verboten ist. Oft steht er auch länger als Silvester.
    Die Geschenke bringt Santa Claus, der durch den Schornstein rutscht, in der Nacht zum 25. Dezember. Für ihn werden Milch und Kekse bereitgestellt. Die Geschenke werden also erst am 25. ausgepackt. Das machen wir hier in Deutschland genauso, was sehr günstig ist für die Enkelkinder, die bei den deutschen Verwandten am 24. Dezember die Geschenke bekommen und bei uns am Tag drauf. Als Festtagsessen gibt es in den USA Pute. Wir haben Gans und Klöße.
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Zsuzsa Zsizsmann feierte in ihrer früheren Heimat Siebenbürgen an Heiligabend. Dass es einen Weihnachtsbaum gab, musste schon manchmal improvisiert werden. | Bild: Zsuzsa Zsizsmann
  • Zsuzsa Zsizsmann, Siebenbürgen (Rumänien): Die Besonderheit dieser Gegend ist, dass rumänische, ungarische und deutsche Familien auf unterschiedliche Weise Weihnachten feiern. Während die rumänische Bevölkerung eher das Neujahrsfest feiert, ist es der Heilige Abend für die ungarische und deutsche Minderheit.
    Vor dem ersten Advent wird der Adventskranz geschmückt, mit roten Schleifen, Nüssen und den vier Kerzen. In der Nacht zum 6. Dezember füllt der Nikolaus (ungarisch: Virgács) die fein geputzten Stiefel. Aber jedes Kind bekommt auch eine silberne Rute vom bösen Krampus.
    Bei uns brachte früher an Heiligabend der Engel den Weihnachtsbaum. Wir waren währenddessen in der Kirche oder bei Nachbarn, bis das Glöckchen erklangt. Ein drei Meter hoher Baum im Kerzenlicht, geschmückt mit roten Kugeln, Salon-Konfekt und Engelshaaren (eine Arte silbern glitzernder Girlande) erwartete uns in der Stube und wir sangen Lieder, bevor wir die Geschenke erhielten.
    Fein säuberlich wurde das Geschenkpapier gefaltet, um es im nächsten Jahr wiederzuverwenden, denn es war früher Mangelware – genauso wie die Weihnachtsbäume, die manchmal aus Ästen zusammengesteckt wurde. Am Weihnachtsabend gibt es bei uns immer noch Wiener und Kartoffelsalat. Ich pflege auch heute noch die Tradition „Beigli“, eine Art Mohn- und Walnussrolle selbst zu backen.
Irene-Franceska Di Pasquale aus der Schweiz baute als Kind gerne mit ihrem Vater eine große Weihanchtskrippe.
Irene-Franceska Di Pasquale aus der Schweiz baute als Kind gerne mit ihrem Vater eine große Weihanchtskrippe. | Bild: Di Pasquale
  • Irene-Franceska Di Pasquale, Schweiz: Meine Eltern waren eine sizilianisch-schweizerische Gemeinschaft. Mit meinem süditalienischen Vater gab es eine blinkend und bunte Weihnachtszeit. Er baute jedes Jahr eine große Krippe mit Schafherden und Hirten, mit Engeln und kleinen Lichtern im moosigen Boden.
    Ich begleitete ihn mit Freude in den Wald, um das Moos zu sammeln, auf das Grundgerüst zu legen, um es dann täglich zu bestäuben, damit es nicht austrocknet. Verwandte, Bekannte und auch Freunde kamen, um die Krippen zu bestaunen. Dabei wurde viel musiziert und gesungen. Ein Tannenbaum wurde kurz vor dem Fest aufgestellt und mit Kugeln, Lametta und Schokolade behängt. Es gab kleine Geschenke am 25. Dezember.