Luis war nicht zum ersten Mal im Kindertheater in der Stadthalle, in diesem Jahr stand das Weihnachtsmärchen „Das tapfere Schneiderlein“ auf dem Programm. „Theater ist besser als Fernsehen, weil die Menschen wirklich da sind und nicht hunderte Kilometer weit weg“, sagt der Neunjährige, der mit zwei Geschwistern und seiner Mutter Petra Geibel in die Vorstellung gekommen war. Und mit ihnen über 500 Kinder in Begleitung Erwachsener, die erwartungsvoll auf die Bühne schauen.

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Dann geht der Vorhang auf, Schneider Felix flickt gerade eine Hose, als eine Stimme ruft: „Ein Held wird gesucht, der König wird von zwei Riesen bedroht, die im Reich ihr Unwesen treiben.“ Das ist eine Aufgabe für Felix. „7 auf einen Streich“ hat er auf seinen Gürtel gestickt, aber keiner weiß, dass es nur sieben Fliegen waren, die er mit einem Schlag erledigt hat. Gebannt folgt die Kinderschar dem Schneiderlein ins Reich des Königs. Der verspricht ihm als Belohnung 500 Dukaten, das halbe Königreich und seine Tochter Sophia noch dazu, wenn er die Riesen vertreibt. Die sind auch gleich zur Stelle. Als zwei riesige Hände nach Felix greifen wollen, rufen die Kinder ihm zu: „Pass auf, sie sind hinter dir!“ Es wird gruselig und mucksmäuschenstill. Das Schneiderlein piekst die Riesen mit Stecknadeln, wirft Äpfel nach ihnen und schlägt sie so in die Flucht – erleichtert schallt befreites Lachen und fröhlicher Applaus durch den Saal.

Stecknadeln und eine Schere reichen dem Schneiderlein aus, um in der Stadthalle die Königstochter für sich zu gewinnen.
Stecknadeln und eine Schere reichen dem Schneiderlein aus, um in der Stadthalle die Königstochter für sich zu gewinnen. | Bild: Christel Rossner

„Ich bin ein Held“, freut sich das Schneiderlein. Mit Mut und Einfallsreichtum stellt er sich den Herausforderungen und zähmt das mürrische Einhorn. Als das Fabelwesen in weiß-schimmerndem Kostüm im Halbdunkel über die Bühne tänzelt, wird es mit „Ahhh und Ohhh“-Rufen bedacht. Zur Freude der Kinder geht dem Schneider selbst das rauflustige Wildschwein in die Falle. Zu den Dukaten und dem halben Königreich erhält er auch die Prinzessin, die Helden gar nicht mag. Sie erkennt aber, dass Felix gar kein Held ist, sondern nur ein cleverer Schneider.

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Mit stimmungsvollen Lichteffekten und Musikbegleitung hatten auch Erwachsene ihre Freude an der Aufführung des Theater Mimikri. „Gut dass wir Enkel haben, so kommen auch wir wieder mal in ein Kindertheater“, meinte Magda Mühlherr, die mit ihrem Mann Klaus und zwei Enkelinnen gekommen war. Die sechsjährige Lika war zum ersten Mal in einer Theatervorstellung, aber sie weiß, worum es geht: „Ich habe selber schon mal geschauspielt, das war bei uns im Kindergarten“, erzählt sie mit Stolz. Aber das sei anders gewesen als hier im Schneiderlein. Wenn sie mal auf einer echten Bühne stehe, dann wolle sie schon eine richtige Prinzessin spielen, hat Lika klare Vorstellungen.

Und dem Schneiderlein reichen schließlich Stecknadel und eine Schere aus, um die Königstochter für sich zu gewinnen.