Lina Dahm hat bei ihrem Vortrag im Wichernsaal ein Licht auf Gruppen geworfen, die hart erkämpfte, feministische Errungenschaften grundlegend infrage stellen. Die Veranstaltung wurde in Kooperation mit der VVN-BdA Konstanz und der Teestube Singen durchgeführt. Lina Dahm und ihre Forschung zum „Kulturkampf der ‚Lebensschutz‚ Bewegung“ werden im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben“ durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert und durch die Singener Kriminalprävention unterstützt. Dahm, die seit Jahren Recherchen zu antifeministischen Gruppierungen betreibt, konnte mit einer Vielfalt an Information aufwarten.

Zu Beginn erläuterte sie die Begriffe Feminismus und Antifeminismus. Unter anderem informierte sie über die Arbeit der ‚Lebensschutz‚-Bewegung, sowie die Methoden und Ideologien dieser Akteure. „Antifeministen haben ein binäres Weltbild“, erklärte sie. „Sie klammern sich an die klassische Rollenverteilung von Mann und Frau.“ Was folgte, war eine kleine Reise in die Geschichte zu den Anfängen des Feminismus, zu den ersten Schritten Richtung Freiheit, Gleichberechtigung und Selbstbestimmung. Und laut Dahm hat sich im Lauf der Jahre einiges getan. Leider sei aber auch zu beobachten, dass sich in dieser Zeit Gegenströmungen entwickelt haben, die eine liberale, tolerante Gesellschaft nicht zu schätzen wissen.

Bild 1: Abtreibungsgegner im Fokus: Lina Dahm erklärt in Singen, was sich hinter der „Lebensschutz“-Bewegung verbirgt
Bild: Manuela Fuchs

Laut Lina Dahm organisieren antifeministische Gruppierungen Veranstaltungen und Demos und versuchen, mit Märschen und Gehsteig-Beratung zu missionieren. Frauen, die abtreiben wollen, würden stigmatisiert. Statt einer ergebnisoffenen Beratung würden sie auf manipulative Weise in eine Richtung gelenkt, bei der nur noch das Kind, aber nicht mehr die Schwangere zählt. Konfliktberatung bedeute für diese Akteure, den Konflikt für die ungewollt Schwangere zu vergrößern, anstatt entlastend zu wirken. Diese Tabuisierung würde Betroffene mehr belasten als der Eingriff selbst, betonte die Referentin.