Vielleicht blicken wir in einigen Wochen, spätestens einigen Monaten, belustigt zurück und erinnern uns an die Auswüchse, die mit der Viruserkrankung Corona einher gegangen sind. Aus Kliniken gestohlenes Desinfektionsmittel, vergriffene Mundschutz-Masken, leergeräumte Nudelregale. Doch noch ist das in weiter Ferne und es gibt nur ein Top-Thema dieser Tage, so sehr man manchmal vielleicht den Kopf schütteln möchte. Und es wächst auch die Erkenntnis: Über Gesundheit scherzt es sich nicht so gut, über die Ängste von Menschen auch nicht. Wie ernst viele die Lage nehmen, zeigt sich mit den Absagen von Publikumsveranstaltungen. Nicht zum Lachen war es auch zwei Frauen, die dem SÜDKURIER von ihren Erfahrungen in Quarantäne berichtet haben.

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Zwei Frauen schildern, wie es ihnen in Quarantäne ging

Der einen, einer 19-jährigen Schülerin aus Radolfzell, ging es so schlecht, dass sie mehrere Tage im Hegau-Bodensee-Klinikum Singen lag. Weil auch Corona als Ursache für ihre Symptome in Frage kam, lag sie in Quarantäne. Das bedeutet: Sie durfte möglichst keinen Kontakt zur Außenwelt haben, nur Ärzte und Krankenschwestern schauten mal vorbei. Und wer ihr doch beistehen wollte, sollte mindestens einen Meter Abstand halten und Schutzkleidung tragen, wie sie berichtet.

Die andere Frau aus Steißlingen erzählt von ihrem Ehemann, der als Verdachtsfall galt und mit dem Hinweis heim geschickt wurde, dass er nun unter Quarantäne sei. „Es waren aufregende, spannende und irgendwie auch ärgerliche Tage“, schildert sie. Denn man habe ihnen zwar gesagt, dass der Betroffene unter Quarantäne stehe, aber keine weitere Behandlung oder Aufklärung angeboten. Erst nach vielen Rückfragen hätten sie zwei Tage nach dem Abstrich dann erfahren, wie es um ihren Mann steht: Er hat zum Glück „nur“ die Grippe.

Jetzt ist klar, wer sich mit Diagnose meldet

Immerhin sind einige der Fragen, die sie hatte, zwischenzeitlich geklärt: Nachdem anfangs noch nicht ganz klar gewesen sei, wer den Betroffenen ihr Ergebnis mitteilt, sei das zwischenzeitlich definiert: Im Bereich Konstanz wird sich der entsprechende Hausarzt melden, im Bereich Singen informiert das Gesundheitsamt. Wichtig ist laut Landratsamt Konstanz, dass Betroffene sich vor einer Untersuchung beim Hausarzt melden, denn dieser koordiniere die weitere Vorgehensweise. So könne sicher gestellt werden, dass nicht mehrere Verdachtsfälle gleichzeitig in einem Informations- und Diagnostik-Zentrum sind, die sich eventuell anstecken könnten.

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Dienstag waren es schon 86 Verdachtsfälle

Bemerkenswert dabei ist nicht nur, dass das Landratsamt Konstanz auf SÜDKURIER-Nachfrage erstmals die Zahl der Verdachtsfälle benannte: Dienstagabend wurden bereits 69 Menschen aus dem Kreis Konstanz negativ getestet, bei 17 stand das Ergebnis noch aus. Bis dahin war immer nur davon die Rede, dass es keinen Erkrankten im Landkreis gibt. Zwischenzeitlich ist klar: Auch die 17 weiteren Verdachtsfälle sind negativ ausgefallen, denn andernfalls hätte man etwas vom Landratsamt gehört. Oder?

Kein Grund zur Panik, aber Anlass für mehr Transparenz

Bemerkenswert ist nämlich auch die Informationspolitik der Behörde, die mehr auf Nachfragen antwortet denn von sich aus den aktuellen Stand mitteilt. Dabei ist es doch gerade in solch unsicheren, ja fast hysterischen Zeiten nötig, mit Informationen den Falschmeldungen und Gerüchten entgegen zu treten. Statt nur pauschal zu erklären, dass es keinen Grund zur Panik gibt – auch wenn das stimmen mag. Doch mit einer transparenteren Informationspolitik würde eben nicht der Eindruck entstehen, dass es da irgendwas zu verbergen gibt. Damit Menschen nicht hysterisch werden und Desinfektionsmittel aus Kliniken stehlen, welches dort wirklich benötigt wird.

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