Verena Zupan gehört noch lange nicht zu der Altersgruppe, die sich über das Altern Gedanken macht. Und dennoch ist sie die Initiatorin eines neuen Netzwerkes, das sich am 14. September gründen wird: "Zwischen Arbeit und Ruhestand", abgekürzt ZWAR. Die junge Frau mit dem gewinnenden Lachen arbeitet im Singener Seniorenbüro und verfolgt dort den demographischen Wandel der Stadt mit Aufmerksamkeit. "Neben der Gruppe der Menschen, die älter als 85 sind, wächst auch die Zahl der 65- bis 85-Jährigen stetig", hat sie beobachtet. Wenn ab 2026 vermehrt die geburtenstarken Jahrgänge ins Rentenalter kommen, werde die Zahl erneut stark ansteigen. Darauf wollen die Stadt und das Seniorenbüro vorbereitet sein. Vor allem aber wollen sie die betreffenden Singener darauf vorbereiten und mit ZWAR ein sehr niederschwelliges Angebot für Menschen zwischen 55 und 65 schaffen.

"Ich erlebe immer wieder, wie Menschen regelrecht in ein mentales Loch fallen, wenn ihnen der berufliche Alltag abhandenkommt", sagt Ute Seifried. "Ihnen fehlt die Struktur, und vielleicht auch die Anerkennung." Deshalb unterstützt sie die Bildung des neuen Netzwerkes als Schirmherrin. Dort sollen sich die künftigen oder frischen Ruheständler regelmäßig treffen und austauschen können. "Die Menschen sollen sich schon vor der Rente kennenlernen und soziale Kontakte knüpfen, die ihnen später nützlich sein können."

Verena Zupan hat ZWAR in Nordrhein-Westfahlen kennengelernt, wo in den vergangenen 35 Jahren über 200 solcher Netzwerke entstanden sind. "Es ist ein Projekt des bürgerschaftlichen Engagements", sagt sie. In Baden-Württemberg ist Singen die erste Kommune, die dem positiven Beispiel aus NRW folgen will. Ein Jahr lang wird sie die Neugründung begleiten. Doch zunächst einmal schickt sie 3600 Einladungen an die entsprechende Altersgruppe.

Vorerst ist das Projekt auf die Kernstadt und die Nordstadt beschränkt. "In der Südstadt haben wir bereits einige gut laufende Aktivitäten", sagt Ute Seifried und erwähnt den "Markt der Möglichkeiten", das Projekt "Älter werden im Quartier", die nach dem Prinzip der Nachbarschaften funktionieren.

Das ist auch der Gedanke, der hinter ZWAR steht: Die Treffen haben keine Vereinsstruktur. Es werden auch keine Angebote gemacht. Die Teilnehmer entscheiden selber über die Art und Intensität ihres Austausches. Ob es nur bei gelegentlichen Begegnungen bleiben soll oder die Freizeit bis hin zu Urlauben gemeinsam gestaltet wird: alles geschieht ohne Zwang. In Dortmund hat ZWAR Menschen angesprochen, die bisher nicht erreicht wurden. "Solche Initiativen können einen wesentlichen Beitrag zur Quartiersentwicklung leisten", sind Ute Seifried und Verena Zupan überzeugt.