Nachdem vor genau einem Jahr die Zwar-Basisgruppe Singen Nord und Innenstadt startete, war es nun auch in der Südstadt soweit. Gut 50 Interessierte folgten der Einladung des Singener Seniorenbüros zur ersten Zwar-Infoveranstaltung in der Hebelschule.

Das könnte Sie auch interessieren

Netzwerk für den Weg in den Ruhestand

Die Abkürzung Zwar steht für „Zwischen Arbeit und Rente“. Dahinter verbirgt sich die Idee eines Netzwerks, das Menschen zwischen 55 und 65 Jahren den Eintritt in den Ruhestand erleichtern soll. Denn oftmals reduzieren sich mit dem Ende der Berufstätigkeit auch viele soziale Kontakte. Die frisch gebackenen Rentner fallen dann in ein Loch. Um dieser Vereinsamung vorzubeugen, übernahm die Stadt Singen als erste Kommune in Baden-Württemberg im vergangenen Jahr die Idee der Zwar-Netzwerke.

Das Konzept wurde vor 35 Jahren in Nordrhein-Westfalen ins Leben gerufen, als mit dem Ende des Bergbaus in der Region zahlreiche ältere Erwerbstätige plötzlich ohne Arbeit und ohne eine Chance auf eine weitere Beschäftigung dastanden. Sie wurden durch die Zwar-Gruppen aufgefangen.

Gemeinschaft im Alter

Bei ihrer Begrüßung am Gründungsabend im Singener Süden betonte Bürgermeisterin Ute Seifried, dass die Zwar-Gruppen ein Erfolgsmodell sowohl für die Stadt als auch für jeden Einzelnen seien. Für die Stadt seien die Gruppen eine Lösung für die gesellschaftlichen Herausforderungen. Die Teilnehmer hätten durch die Gruppen die Chance, miteinander gut alt zu werden.

Zunächst berichtete Hans Galter von der Zwar-Basisgruppe Singen Nord von der erfolgreichen Arbeit seiner Gruppe, die fast wie eine Familie sei. Danach konnten sich die Teilnehmer des Abends bei einer Gruppenarbeit gleich näher kennenlernen. Gemeinsam machten sie sich Gedanken dazu, welche Erwartungen sie an den Ruhestand haben. Dabei blickten die Teilnehmer überwiegend positiv gestimmt auf den Ruhestand. Ein selbstbestimmtes Leben mit mehr Zeit für Hobbys und Familie führen zu können, stand für sie im Vordergrund.

Eigeninitiative wird großgeschrieben

Abschließend konnten die Teilnehmer äußern, was sie in der neuen Gruppe gerne unternehmen möchten. Hier spiegelte sich gleich der Gedanke der Eigeninitiative und Selbstverantwortung der Zwar-Gruppen wider. Denn es gibt dort kein vorgefertigtes Programm, die Gruppenmitglieder gestalten es selbst. Ganz nach dem Motto „Alles kann, nichts muss“. Die Vorschläge reichten von gemeinsamem Sport, Reisen, Sprachen lernen, Spieleabend, Tanzen, Konzert- und Theaterbesuche, Mitarbeit in sozialen Projekten bis hin zum einfachen, aber wichtigen gemeinsamen Gedanken- und Erfahrungsaustausch.

Martin Burmeister, Leiter der Singener Sozial- und Bildungsplanung, betonte, dass es sich bei den Zwar-Gruppen um ein offenes Angebot handele, in das man jederzeit ein- oder auch aussteigen könne. Aus den Reihen der Teilnehmer kam sogleich der leicht selbstironische Vorschlag für den Namen der Gruppe: Zwar Singen Süd, aber trotzdem gut.