Das Thema Flüchtlinge beherrschte diese Landtagswahl auch in Singen und brachte mit 20,2 Prozent für die AfD auch deren Kandidaten Wolfgang Gedeon in den Landtag. Die CDU lag mit 22,7 Prozent nur wenig darüber. Die Grünen sind, wie fast überall im Wahlkreis, auch in Singen mit 25,4 Prozent stärkste Partei und Dorothea Wehinger errang das Direktmandat. Im Singener Rathaussaal schwankte die Stimmung zwischen Ratlosigkeit und Schock. „Ich bin erstaunt, dass die AfD in Singen so stark ist", sagte OB Bernd Häusler. Die Partei habe mit dem Flüchtlingsthema kräftig Angst geschürt, doch man müsse das Ergebnis akzeptieren, so Häusler. Die Wahlbeteiligung lag bei 58,7 Prozent - fast sechs Prozent mehr als 2011.
Blumen für Dorothea Wehinger, die auch in Singen die meisten Stimmen bekam.
Blumen für Dorothea Wehinger, die auch in Singen die meisten Stimmen bekam.

Storz verpasst Wiedereinzug

Die SPD kam nur auf 15,9 Prozent, das sind 12,7 Prozent weniger als 2011. Der Singener SPD-Kandidat Hans-Peter Storz, der bei der Wahl 2011 erstmals in den Landtag einzog, konnte seinen Sitz nicht verteidigen. Die Enttäuschung war ihm deutlich anzumerken: „Ich bin geschockt, die Parteien im Bundestag wurden abgestraft und die AfD spielt mit den Ängsten der Menschen." Er habe in Singen trotzdem viel Zuspruch erhalten.
Grenzenloser Jubel bei den Grünen: In der Gems lagen sich Kandidatin Dorothea Wehinger und der letztmalige Kandidat Udo Engelhardt in den Armen, der wegen gesundheitlicher Probleme unerwartet seine Kandidatur zurückgezogen hatte. Wehinger zeigte sich überwältigt vom Wahlerfolg in Singen und vom guten Abschneiden auch in Stockach.
Banger Blick im Ratssaal auf die Ergebnisse der SPD. Für den Singener Landtagsabgeordneten Hans-Peter Storz (rechts) hat es nicht gereicht. Links Stadtrat Walafried Schrott, neben ihm Fraktionsvorsitzende Regina Brütsch und rechts hinten OB Bernd Häusler.
Banger Blick im Ratssaal auf die Ergebnisse der SPD. Für den Singener Landtagsabgeordneten Hans-Peter Storz (rechts) hat es nicht gereicht. Links Stadtrat Walafried Schrott, neben ihm Fraktionsvorsitzende Regina Brütsch und rechts hinten OB Bernd Häusler. | Bild: Sabine Tesche

Es gab armweise Blumen für die grüne Kandidatin, die wiederum Schokolade an ihre Mitstreiter verteilte. Es war die mit Abstand munterste Wahlparty in Singen. Die CDU hat in Singen 14,5 Prozent verloren und erreichte 22,7 Prozent. Bei der Wahl 2011 lag die CDU noch bei 37,2 Prozent, Kandidat Wolfgang Reuther hatte seinen Sitz im Landtag sicher. „Ich habe vor der Wahl gesagt, dass die Wahl in Singen entschieden wird und so ist es", sagte er enttäuscht, aber gefasst. Er hätte nie gedacht, dass die AfD in Singen so viele Stimmen holen würde. Das gute Abschneiden der AfD entlockte selbst dem sonst so nüchtern auftretenden Wolfgang Gedeon bei der Wahlparty in der „Goldenen Kugel" ein Lächeln. „Ich bin hoch zufrieden. Wir hatten 15 Prozent angepeilt. Das haben wir erreicht", kommentierte er das Ergebnis. Am Ende kam die AfD in Singen auf 20,2 Prozent - Gedeon zieht in den Landtag ein. Gefeiert wurde wegen des Aufrufs der AfD, die Auszählungen in den Wahllokalen zu beobachten, erst später. Die FDP kam auf 8,5 Prozent. Ein Plus im Vergleich zu 2011 von 3,4 Prozent. „Ich bin stolz", sagte Landtagskandidatin Kirsten Brößke aus Singen.