Seit etwas mehr als sieben Tagen ist die Fastenzeit zu Ende. Ein guter Grund, sich an Pizza und Cordon Bleu zu laben und rundum glücklich zu sein. Leider wird diese Option zunehmend unattraktiv, wenn man während des Osterurlaubs von Freunden darauf hingewiesen wird, dass man doch "eine ziemliche Kugel" vor sich herschiebe. Frech. Aber nicht unzutreffend. Im Verlauf des Spanienaufenthalts fällt es mir überraschend leicht, meinen Bauch nach vorne zu drücken. Schwerer ist es, das Pläuzchen wieder einzuziehen. Jaja, ich habe verstanden. Nur was tun? Wer kann mir und meiner Wampe helfen?

Nach dem Vorbild unzähliger Menschen, denen es an echtem Sozialleben und Selbstwertgefühl mangelt, begebe ich mich in die Welt der Social Networks. Genauer gesagt in jenes, in dem durchtrainierte Wesen Avocado-Smoothies oder ihren Allerwertesten ablichten und ganz nebenbei noch Lebensweisheiten teilen: Instagram. Der Abstecher ins Territorium der Selbstoptimierer zeigt, dass Intermittent Fasting – zu deutsch intermittierendes Fasten – unter Fitnessexperten und denen, die sich als solche verkaufen, der neueste Schrei ist. Also hinein in die nach-österliche Fastenzeit.

Aufgespießt und reingehauen

Nach messianischem Vorbild ganz auf Nahrung verzichten, muss ich dabei gar nicht. In einem Zeifenster von acht Stunden darf ich sogar mampfen, wonach mir gerade ist. Der Hungerhaken: In den restlichen 16 Stunden gibt es nur Wasser. Ein bisschen erinnert dieses Teilzeitfasten an die Ernährung von Steinzeitmenschen. Man harrt eine Ewigkeit aus, aber sobald das Mammut appetitlich aufgespießt vor einem liegt, wird reingehauen. Ohne Rücksicht auf Verluste. Tatsächlich wird die Ernährungsweise unserer Vorvorfahren herangezogen, um das intermittierende Fasten zu legitimieren. Voll natürlich sei das. Also gut.

Schon nach wenigen Tagen im Selbstversuch merke ich: Es ist gar nicht so wild, auf Morgensnack und Feierabendbier zu verzichten. Und in der Zeit, die ich so gewinne, entdecke ich auf Instagram sogar noch weitere Spuren der Jäger und Sammler. Da gibt es zum Beispiel den Eismann Wim Hof. Er hat bereits optisch Ähnlichkeit mit prähistorischen Wesen und versichert glaubhaft, dass es gesund ist, sich halbnackt ins Kalte zu wagen. Am besten für den Körper sei ein ausgedehntes Eisbad. Lifestyle-Guru Joe Morgan wiederum empfiehlt selbstgejagtes Rehfleisch. Seine These: Jäger sind die wahren Tierfreunde. Und Morgans langbärtiger Kumpel Russell Brand fordert gar die Rückkehr zu stammesähnlichen Lebensstrukturen.

Das alles ist inspirierend. Aber warum nicht einen Schritt weiter gehen? Smartphone samt Instagram schmeiss' ich einfach ins Lagerfeuer. Ab jetzt leb' ich richtig wild. Urmenschlich. Nur viel Zeit bleibt nicht. Denn so ein cooler Höhlenmensch wurde im Durchschnitt leider nicht viel älter als 30...