Der Stadtteil Bohlingen in Singen steht in den Startlöchern für das größte Fest des Jahres: Zur 61. Sichelhenke vom 23. bis 26. August rücken die Bürger in der 2000-Einwohner-Gemeinde zusammen und wollen sich als lebendige Dorfgemeinschaft präsentieren. Als Veranstalter steht in diesem Jahr der Sportverein bereit, über 20 ehrenamtliche Vorstandsmitglieder sind seit Monaten in der Planung beschäftigt. Dabei kommt die eigentliche Arbeit erst noch, gut 200 Idealisten werden über das ganze Fest im Einsatz sein. „Am kommenden Samstag, 17. August, werden wir ab acht Uhr das 50 Meter lange Festzelt im Espen aufbauen, dazu brauchen wir viele Mithelfer“, sagt SVB-Vorstand Stefan Dunaiski und hofft auf breite Solidarität im Dorf.

Festauftakt mit Erntekrone

Das modern gehaltene Heimatfest in Bohlingen besticht alleine durch seinen liebevollen Ausbau des Festzeltes zu einer großen Bauernstube. Gäste über den Landkreis hinaus schätzen diese Gastfreundschaft und kommen gerne nach Bohlingen, zumal an allen Tagen bekannte Musikkapellen aufspielen. Den Ursprung der Sichelhenke vor über 60 Jahren kennen dabei nur noch die ältesten Besucher, für sie ist der Festauftakt am Freitag, 23. August mit der riesigen Erntekrone ein historischer Höhepunkt mit Gänsehaut. Erzählungen der ältesten Dorfbewohner zufolge gab es bereits in den 1920er Jahren vereinzelt kleinere Feste in den Orten im Hegau, die schon damals den Namen „Sichelhenke“ führten. Meist wurden diese nach dem Einbringen der Ernte mit einem guten Essen gefeiert.

Sichelhenke-Umzug im Jahre 1966 in Bohlingen: Geschmückte Erntewagen, von Pferden gezogen (links Kutscher Martin Sproll), eine Schnitterfamilie und die ersten Fahr-Mähdrescher zeigten damals den technischen Fortschritt in der Landwirtschaft.
Sichelhenke-Umzug im Jahre 1966 in Bohlingen: Geschmückte Erntewagen, von Pferden gezogen (links Kutscher Martin Sproll), eine Schnitterfamilie und die ersten Fahr-Mähdrescher zeigten damals den technischen Fortschritt in der Landwirtschaft. | Bild: Rolf Hirt

Den Zeitgeist längst erkannt

In Bohlingen wurde unter der Leitung des damals neu gewählten Bürgermeisters Martin Hirt 1958 zum ersten Mal ein örtliches Erntedankfest im großen Stil mit Festumzug und Programm organisiert. Das war die Geburtsstunde der Sichelhenke. „Kompliment für die damalige Weitsicht von Bürgermeister Martin Hirt“, sagt Manfred Siegwarth, Vorsitzender des Bürgerforums Bohlingen anerkennend. Jene Generation habe den Startschuss für ein besonderes Heimatfest gelegt, welches bis heute mit verschiedenen Aufführungen authentisch geblieben sei. Siegwarth hatte als früherer Vorstand des Sportvereins die Sichelhenke weiterentwickelt und das historische Mähen im Vorfeld des Festes eingeführt.

Die Bohlinger Festmacher haben in der Programmgestaltung ihres Heimatfestes den Zeitgeist längst erkannt. Auch die junge Generation kommt mit Party- und Volksmusik voll auf ihre Kosten. „Auf die Sichelhenke fiebert man das ganze Jahr hin, ich freue mich immer, viele Freunde und bekannte Gesichter aus den umliegenden Dörfern zu sehen“, sagt Laura Tegel (19 Jahre). Einzig bei der Kleiderwahl gibt es unterschiedliche Meinungen – wer die Tradition der Sichelhenke pflegt, fühlt sich im blauen Schnitterhemd und Strohhut gut gekleidet. Gleichwohl sind Dirndl und Lederhosen auf dem Bohlinger Heimatfest ebenso beliebt geworden.

Tradition verpflichtet: Wie schon vor 60 Jahren an der ersten Sichelhenke gibt es auch bei der in wenigen Tagen beginnenden 61. Bohlinger Sichelhenke zum Auftakt einen Umzug mit Schnittern und der riesigen Erntekrone durch das Dorf zum Festzelt.
Tradition verpflichtet: Wie schon vor 60 Jahren an der ersten Sichelhenke gibt es auch bei der in wenigen Tagen beginnenden 61. Bohlinger Sichelhenke zum Auftakt einen Umzug mit Schnittern und der riesigen Erntekrone durch das Dorf zum Festzelt. | Bild: Rolf Hirt