Singen Zug lässt an die hundert Schüler und Pendler stehen

Überfüllte Waggons sorgen auf Bahnhöfen in Gottmadingen und Singen für Chaos und Ärger

Die Szenerie wirkt fast schon gespenstisch. Am Gottmadinger Bahnhof verharren an die einhundert Menschen im frühmorgendlichen Halbdunkel, während ihr überfüllter Zug gerade davon fährt. Der sollte sie mit der Endstation Singen zur Arbeit und Schule bringen, auch um nach Anschlussfahrten zu ihren Betrieben und Bildungseinrichtungen zu gelangen. Nicht um 7.20 Uhr im Morgengrauen, sondern am hellen Mittag herrscht auf dem Singener Bahnhof fast dasselbe Bild: Der Zug fährt pünktlich um 13.36 Uhr nach Gottmadingen und Bietingen in Richtung Schweiz. Viele Schüler finden keinen Platz, weil der Zug zu kurz und daher zu voll ist. Was sich in der Vergangenheit schon mehrfach zum großen Ärger von Schülern, Eltern und Pendlern ereignete, wird zum brandaktuellen Problem. Nicht nur gestern, sondern bereits am Donnerstag hinterließ der frühe Zug in Richtung Singen gut 50 verdutzte, zumindest kurzzeitig verhinderte Bahnfahrer.

"Wir können uns nur bei unseren Kunden entschuldigen. Ein defekter Elektro-Triebwagen sorgt dafür, dass wir die Züge nur zur Hälfte mit Waggons ausstatten, wie das üblich ist", erklärt Bahnsprecher Werner Graf. Mitarbeiter versuchten fieberhaft, auf dem Schaffhauser Bahnhof den dort liegen gebliebenen Triebwagen zu reparieren. "Leider konnten wir auf die Schnelle keinen Bus-Ersatzverkehr einrichten. Es wird aber sicher einen geben, sollte das Problem am Montag noch weiter bestehen", versichert Graf.

Beschwerden von verärgerten Pendlern und Eltern von Schülern haben das Gottmadinger Rathaus bereits mehrfach erreicht.

Und die Rathaus-Mitarbeiter können von der ersten Reihe aus beobachten, was sich auf dem gegenüberliegenden Bahnhof mitunter abspielt. "Das Problem, dass oft Schüler und Pendler wegen überfüllter Züge stehen bleiben, ist bekannt. Ein Mitarbeiter wird in Kürze bei der Bahn vorstellig", schildert die Gottmadinger Hauptamtsleiterin Marion Haas.

In Singener Schulen, wie auf dem Hegaugymnasium, kommt es durch die überfüllten Schulzeiten immer wieder dazu, dass Schüler zu spät in den Unterricht kommen. "In solchen Fällen wollen wir auch die Elternvertreter mit ins Boot holen und gemeinsam dagegen angehen, dass die Züge Schüler stehen lassen", erklärt Wolfram Spitzhüttl, stellvertretender Leiter des Singener Friedrich-Wöhler-Gymnasiums.

"Es kommt immer wieder vor, dass die von Schülern und Pendlern meist genutzten Züge überfüllt sind und daher viele nicht mitfahren können", schildert der 17-jährige Gottmadinger Johannes Wagner. Er geht genauso wie seine gleichaltriger Kollege Felix Hirling auf das Friedrich-Wöhler-Gymnasium in Singen. "Früher gab es nach Schulschluss neben dem Zug, der um 13.36 Uhr ab dem Singener Bahnhof abfährt, auch eine Verbindung um 13.25 Uhr nach Gottmadingen. Dieser Zug fehlt nun.

Und deshalb ist der andere total überfüllt", kritisiert Felix Hirling. "Wir können die Linien nur so mit Wagenmaterial bedienen, wie sie vom Land Baden-Württemberg in Abstimmung mit den Landkreisen bestellt sind. Die Fachbehörden legen die Kapazitäten fest, auch nach den Schulplänen", betont Bahnsprecher Werner Graf.
 

Die Kernzeiten


Die Singener Schulen beginnen in der Regel um 7.55 Uhr mit dem Unterricht. Deshalb nutzen die meisten Schüler den Zug von Gottmadingen nach Singen, der um 7.20 Uhr am Bahnhof abfährt. Mit diesem fahren auch viele Pendler sowie Schüler aus Jestetten und Bietingen. Schulschluss ist mittags üblicherweise um 13.05 Uhr. Deshalb nimmt der Zug, der um 13.36 Uhr von Singen in Richtung abfährt, die meisten Schüler auf.

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