An Schärfe gewinnt das Thema, seit die Grünen-Landtagsabgeordnete Dorothea Wehinger bei einer Versammlung des Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverbandes Bauern nahelegte, beim Verkauf ihrer Grundstücke für Wohnbau-Land zurückhaltend zu agieren. Das hatte den Volkertshauser Bürgermeister Alfred Mutter auf die Palme gemacht und dazu veranlasst, in einem offenen Brief Dorothea Wehinger wegen ihrer Äußerungen heftig zu kritisieren.

"Das Spannungsthema Wohnungsnot und Flächenverbrauch bewegt offenbar viele Menschen. Das habe ich nach meiner eher als Randbemerkung gedachten Äußerung bei den Landwirten schnell erfahren", betont Dorothea Wehinger. Bei einer von ihr initiierten Veranstaltung mit der Heilbronner Landtagsabgeordneten Susanne Bay, die auch als Sprecherin für Bauen und Wohnen der Grünen-Fraktion fungiert, sollten auch möglichst viele Bürgermeister neben anderen Interessenten zum Zug kommen. Nur der Engener Rathaus-Chef Johannes Moser und sein Steißlinger Jung-Kollege Benjamin Mors kommen aber in die Singener Stadthalle. "Viele Bürgermeister mussten leider absagen, weil gleichzeitig eine für sie wichtige Tourismus-Veranstaltung stattfindet", bedauert Johannes Moser, der auch als Kreisvorsitzender repräsentativ für seinen Berufsstand agiert. Auch Mutter war verhindert. "Ich wäre gerne gekommen. Das Thema werden wir aber im Kreisverband nochmals diskutieren", schlägt er wieder moderate Töne an.

"Es gibt in Baden-Württemberg großen Nachholbedarf an Wohnraum. Eine ins Leben gerufene Wohnbau-Allianz soll Förderungen in verschiedenster, teils noch offener Form bieten. Der Trend geht zu kleineren Wohnungen, die jüngere und ältere Menschen benötigen. Aber auch größere Einheiten fehlen", betont Susanne Bay. Es seien auch neue Konzepte gefragt, mit denen Kommunen oder private Investoren den Wohnbau voranbringen können. "Hochbauten können eine Alternative sein, um Flächen zu schonen", so Susanne Bay.

"Es sollten auch Wohnungen für die mittlere Schicht gefördert werden", betont Steißlingens Bürgermeister Benjamin Mors. "Die Vorgaben der Landesbauverordnung, wie beim Brandschutz, werden immer strenger. Das erhöht die Bau-Kosten immens", gibt er zu bedenken. "Die Gemeinden tun sehr viel, um Baulücken zu schließen. In Engen sind dazu mehrere Projekte mit Mehrgeschosswohnungen geplant. Wir kommen aber nicht umhin, neues Bauland auszuweisen", schildert Johannes Moser. Gerade ländliche Hegau-Gemeinden müssten Wohn-Areale ausweisen, da es in Ballungsgebieten wie in Konstanz keinen Platz mehr gebe. Es werde auch zunehmend in die Höhe gebaut, was aber meist zu Konflikten mit Anwohnern führe, so Moser. "Geforderte Ausgleichsmaßnahmen für Neubaugebiete entziehen Landwirten oft wertvolle Flächen", erklärt er.

In Engen werden wie andernorts immer mehr Baulücken geschlossen. Das Bild zeigt ein Hugenberg-Areal, oberhalb des Gesundheitsszentrums, auf dem ein mehrgeschossiger Gebäude-Komplex entstehen soll. Bild: Albert Bittlingmaier
In Engen werden wie andernorts immer mehr Baulücken geschlossen. Das Bild zeigt ein Hugenberg-Areal, oberhalb des Gesundheitsszentrums, auf dem ein mehrgeschossiger Gebäude-Komplex entstehen soll. Bild: Albert Bittlingmaier

 

Viele Wohnungslose

Die Zahl der Menschen, die keine Wohnung haben und obdachlos sind, nimmt immer mehr zu. Das machten Äußerungen beim Austausch über den Wohnungsbau deutlich. Es geraten immer mehr Leute in die Bredouille, die bisher zur Mittelschicht gehörten. Diese Probleme müsse jede Gemeinde selbst lösen, so Engens Bürgermeister Moser.