Singen – Die Erzählzeit, die am 26. März hätte eröffnet werden sollen, ist abgesagt. Dennoch sind die Autoren, die lesen sollten, nicht untätig und freuen sich über Wertschätzung in der Zeitung. Frank Goosen wäre zur Eröffnungsveranstaltung nicht zum ersten Mal in Singen gewesen. Er hat zum Beispiel bei der Erzählzeit im Jahr 2003 sein damals aktuelles Buch „Pokorny lacht“ vorgestellt. Oder war 2004 im Kulturzentrum Gems, wo er mit den Zuhörern eine Reise in die „orange Zeit in den 1970er Jahren“ unternahm.

In Singen wäre er zur Eröffnung mit Bernd Kohlhepp als Moderator aufgetreten. Doch zu einem Kontakt sei es nicht gekommen. „Es ist ja nun auch recht früh abgesagt worden“, so Goosen. Dass man mit dem Moderator eines solchen Abends ein Vorgespräch führt, sei zwar durchaus üblich. „Manchmal passiert das ein paar Tage vorher, manchmal erst am Tag der Veranstaltung.“ Für den musikalischen Rahmen war die Band „Good Bait“ aus Berlin eingeladen. Darüber werde man als Autor vorher informiert. „Beim Eröffnungsabend eines Festivals ist meistens klar, dass man nicht der einzige Gast auf der Bühne ist“, so Goosen.

Frank Goosen hat seine Vorliebe für die Beatles schon vor langer Zeit entdeckt.
Frank Goosen hat seine Vorliebe für die Beatles schon vor langer Zeit entdeckt.

„Gib mir kein Geld, gib mir lieber ein paar Platten für meinen Jungen“ – diesen Satz hatte der Vater von Frank Goosen vor über 40 Jahren mal zu seinen Kunden gesagt. „Irgendwann will ich mal richtig zu Ende denken, was in dem Satz so alles drin steckt“ – so endet sein neuestes Buch „The Beatles„, aus dem er bei der Eröffnungsveranstaltung gelesen hätte. Erst mit ungefähr 13 Jahren war Goosen ein Fan der „Fabulous Four“ geworden, also etwa in der Zeit, als sich die Beatles schon längst wieder aufgelöst hatten. Seine Leidenschaft für diese legendäre Musik hält bis heute, wie er im Interview verrät.

Literarische Reise nach Liverpool

Dass Rockmusik eine große Rolle in seinem Leben spielt, wird vor allem in seinem Roman „So viel Zeit“ thematisiert. Bei einer Lesung im Kulturzentrum Gems im Oktober 2004 hatte er sich auch über Musik ausgelassen. Als ganz schlechtes Zeichen hatte er die Tatsache gedeutet, dass am Tag seiner Geburt Freddy Quinns Lied „100 Mann und ein Befehl“ die Hitparade angeführt hatte. Und beim Kennenlernen von Mädchen habe er dann mal ausnahmsweise „grässliche Musik“ (wie Barclay James Harvest) angehört. Oder er sei mal mit 15 in ein Simon & Garfunkel Konzert gegangen. Also dann doch lieber die Beatles. Die gehen immer. In seinem Büchlein nimmt Frank Goosen den Leser auch mit auf eine Reise zu den Originalschauplätzen nach Liverpool, die er vor einem knappen Jahr mit seiner Familie unternommen hat.

Im Duo „Tresenlesen“ mit Jochen Malmsheimer feierte Goosen vor allem in Nordrhein-Westfalen in den 1990er Jahren große Erfolge. Seit dem Jahr 2000 schreibt Goosen mit Erfolg Romane, die – wie zum Beispiel „Liegen lernen“, „Radio Heimat“ oder „So viel Zeit“ auch verfilmt wurden. Neben Romanen schreibt Goosen auch Kolumnen im Kicker-Sportmagazin oder für die Stadionzeitung des VfL Bochum.

Frank Goosen im Gespräch: „Meistens habe ich mehr Ideen als Zeit“

Frank Goosen wurde 1966 in Bochum geboren, wo er heute noch mit seiner Frau und zwei Söhnen lebt. Er studierte zunächst Geschichte, Germanistik und Politik an der Ruhr-Universität in seiner Heimatstadt. 

In Ihrem neuen Buch „The Beatles“ zelebrieren Sie Ihre Leidenschaft für die Musik der Fab4. Mit 13 haben Sie mit dieser Leidenschaft angefangen. Waren Ihre Eltern Beatles-Fans, gab es in ihrem Elternhaus Platten?

Nein, meine Eltern wateten wie der Rest der Familie durch den deutschen Schlager der sechziger und siebziger Jahre. Meine Mutter hatte eine Doppel-LP mit den Hits von Elvis, weil sie für den als junges Mädchen mal geschwärmt hat. Und als wir Ende der Siebziger Verwandte in Kanada besuchten, hat meine Mutter sich „Johnny Cash live at St. Quentin“ gekauft. Die Platte habe ich heute noch. Ansonsten nur Schlager-Tristesse.

Später waren Sie mit Ihrer eigenen Familie in Liverpool. Ist Ihre Leidenschaft auch auf Ihre Frau und die Söhne übergegangen? Oder waren die Söhne eher angenervt, was der Vater so für Musik mag?

Meine Frau steht den Beatles durchaus positiv gegenüber, ohne gleich Fan zu sein. An meinen Söhnen, die jetzt 18 und 16 sind, ist das immer vorbei gegangen. Vielleicht auch, weil ich diese Leidenschaft sehr für mich behalten habe. Rockmusik war oft ein essentieller Trost für mich, den ich für mich ganz alleine haben wollte.

Haben Sie schon ein neues Buch im Kopf beziehungsweise schon in der Mache? Wenn ja, worum geht es darin?

Meistens habe ich mehr Ideen als Zeit. Da ich durch die Corona-Krise nun längere Zeit ans Haus gefesselt bin, was zu diesem Zeitpunkt des Jahres eigentlich nicht geplant war, muss ich meine Projekte neu ordnen. Ich habe da mehrere Projekte im Kopf, bin aber zu abergläubisch, um darüber zu sprechen, bevor eines konkret eingetütet ist.

Bekommen Sie durch die Krise – so schlimm sie ist – nun ganz andere Ideen für Ihre Arbeit?

Klar geht einem durch den Kopf, ob man diese Zeit jetzt auch literarisch gleichsam in Echtzeit begleiten sollte. Ich beschäftige mich aber auch mit der Frage, wie ich das Internet nutzen kann, um weiterzuarbeiten. Der WDR hat da jetzt Online-Lesungen von Autorinnen und Autoren selbst mit dem Handy aufzeichnen lassen. Die Not setzt durchaus auch Kreativität frei.

Finden Sie es richtig, dass Fußballspiele nun erstmal ausgesetzt sind?

Alles andere wäre grob fahrlässig gewesen. Auch die Verschiebung der EM war absolut alternativlos, und mit diesem Wort sollte man prinzipiell vorsichtig sein. Natürlich kommen einige Vereine, nicht zuletzt mein VfL Bochum, durch diese Absagen oder Verschiebungen in wirklich existenzielle Nöte. Da hängen ja auch viele Arbeitsplätze von Leuten dran, die nicht so verdienen wie die Profis. Ganz allgemein ist aber im Fußball so viel Geld unterwegs, dass er in der Lage sein müsste, sich mit viel (auch finanzieller) Solidarität am eigenen Schopf aus dem Sumpf zu ziehen. Es gibt viele Bereiche, in denen ist das so nicht möglich.