Die Bürgerinitiativen aus dem Hegau, die sich im "Forum Erneuerbare Energien Hegau-Bodensee" zusammengeschlossen haben, werfen den Planern der Anlagen auf dem Kirnberg und bei Verenafohren vor, diese würden "mit falsch deklarierten Gutachten werben". Erhebungen, ob sich das Windaufkommen für Windräder wirtschaftlich rechne, seien "nicht wie zugesichert ausreichend untersucht" worden. So heißt es in einer Mitteilung der Windkraftgegner. Sie fordern, dass ein vereidigter Gutachter die Sache nochmals untersuchen solle.

Die Auseinandersetzung zwischen dem Energie-Forum und der Interessengemeinschaft Hegauwind, die Windräder auf dem Kirnberg bei Steißlingen und im Gewann Verenafohren bei Tengen plant, schwelt seit Monaten. Die Windkraftgegner des Energie-Forums mit ihrem Sprecher Markus Bihler haben die IG Hegauwind und die von dieser wiederum beauftragte Firma Solarcomplex in der Vergangenheit immer wieder scharf angeschossen. Es hatte vorigen Winter zwar eine breit angelegte "Wind-Konferenz" mit allen Seiten und vielen Beteiligten der Windkraft-Debatte gegeben. Doch die damals erzielte Einigkeit hat sich zwischenzeitlich in Luft aufgelöst. Die Positionen scheinen unversöhnlich und beschäftigen zwischenzeitlich schon Rechtsanwälte.

Erfüllen die getätigten Wind-Messungen die Vorgaben für ein Gutachten nach den Richtlinien des Bundesverbandes Windenergie, oder sind die Messungen nur so genannte "Wind-Prognosen", die jene Richtlinien nach Einschätzung der Windkraft-Gegner nicht erfüllen? Das ist im Kern die neue Streitfrage. Die Gegner des Energie-Forums werfen in ihrer Mitteilung den Anlagen-Planern vor, diese würden mit Begriffen taktieren, "welche die Anleger in Sicherheit wiegen sollen". Rechtlich sehr vorsichtig formuliert die Gruppe, es "könnte die Vermutung von verbotenen Vertuschungsversuchen naheliegen".

Starker Tobak. Doch die Interessengemeinschaft Hegauwind will dazu aktuell nichts sagen. Auf Nachfrage erklärte Bene Müller von Solarcomplex, zu den umfangreichen und wiederholten Erklärungen der Gegner sei schon alles gesagt. In früheren Erklärungen hatte die IG Hegauwind bereits erklärt, die beiden unabhängigen Windgutachten für Verenafohren seien von akkreditierten Windgutachtern erstellt und das Messkonzept mit dem TÜV Süd abgesprochen gewesen. Von beteiligten Stadtwerken bekommen die Windkraftplaner Rückendeckung. Singens OB Bernd Häusler und Stadtwerke-Chef Markus Schwarz erklärten, dass die Wind-Pläne auch von den Banken geprüft worden seien. Also drei Kontroll-Instanzen.

Hinter den Kulissen beschäftigen die Auseinandersetzungen bereits Anwälte. Beide Seiten halten sich zwar offiziell noch bedeckt, doch erste Schriftsätze von Rechtsanwälten steckten schon in den Briefkästen, war gesichert zu erfahren.

 

Die Kontrahenten

  • IG Hegauwind: In der Interessengemeinschaft für zwei Wind-Projekte sind zahlreiche deutsche und schweizerische Stromversorger und Stadtwerke beteiligt.
  • Energie-Forum: Der Zusammenschluss von mehreren Bürgerinitiativen aus dem Hegau bekämpft die beiden geplanten Windanlagen in Steißlingen und Verenafohren.