Seine sportliche Figur hat sich Axel Thoma auch mit 52 Jahren bewahrt. In den Räumen des FC Schaffhausen im schmucken Lipo Park schafft der sportliche Leiter des Vereins beim SÜDKURIER-Gespräch schnell eine lockere Atmosphäre. Die Sprache mit einem leichten Einschlag von Schwytzerdüsch verrät, dass der im schwäbischen Albstadt aufgewachsen Thoma schon viele Jahre im Nachbarland unterwegs ist. Und dies vor allem in Sachen Fußball. Der bestimmt sein Leben, wie dies auch Bundestrainer Jogi Löw von sich behaupten wird. Löw und Thoma agierten lange Zeit als Weggefährten Seite an Seite. "Wir waren wir zwei Brüder", verrät Thoma. Erstmals begegneten sie sich Mitte der 80-er Jahre. Thoma spielte mit dem VfB Stuttgart in der Bundesliga gegen den Karlsruher SC, für den Löw auflief. Das Spiel endete 1:1, Thoma erzielte das Tor für den VfB, es blieb in zwei Bundesligaspielen sein einziges. Da er den Sprung zum Stammspieler nicht schaffte und ihm auch ein Wechsel zu unterklassigen Profivereinen verwehrt blieb, weil laut Thoma sein Berater eine unglückliche Figur gemacht habe, heuerte er beim FC Schaffhausen an. 1988 spielte er mit dem Zweitligisten im Schweizer Pokalfinale, das Grasshopper Zürich gewann.

In der folgenden Saison konnte einen neuen Mitspieler begrüßen: Jogi Löw. "Wir verstanden uns auf Anhieb sehr gut. Auch, dass wir zu den wenigen Deutschen im Team gehörten, verbindet. Zudem haben wir zufällig in Büsingen nahe beieinander gewohnt", schildert Axel Thoma. "Nach dem Training sind wir oft auf kleinen Touren gewesen. Löws Frau Daniela hat uns gerne bekocht", blickt Thoma zurück. Auch auf dem Spielfeld harmonierte das Duo. Löw passte und flankte mit feinem Füßchen, Thoma machte die Tore. "Die Schaffhauser Spieler waren überwiegend Halbprofis. Firmen traten als Sponsoren auf, indem sie Spieler einstellten, sie aber für einen Teil ihrer Arbeitszeit frei gaben. Jogi und ich waren bei einer Spedition beschäftigt. Wir haben aber unsere Büro-Arbeit sehr ernst genommen und für den Lohn auch gearbeitet", betont Thoma. "Jogi Löw, Rolf Fringer und ich trafen uns regelmäßig, um über Fußball zu philosophieren. Es ging viel um Taktik. Rolf Fringer, der zuerst Spieler und nachher Trainer des FC Schaffhausen war, galt als Taktikfuchs. Schon bevor er als Trainer zum VfB Stuttgart ging und Jogi als Assistent mitnahm, was dessen Karriere ebnete, war Rolf als Meister-Coach mit dem FC Aarau sehr erfolgreich", so Thoma. Auch das bekannte Sportmagazin "Elf Freunde" rollte die Schaffhauser Vergangenheit von Thoma und Löw nochmals auf. "Mittags trafen sich Fringer, Löw und Thoma im Gasthaus Kastaniengarten. Dort hatte sie einen Stammtisch, futterten, was die einfache Kneipenküche hergab und ermittelten per Kartenspiel, wer den anschließenden Kaffee bezahlen musste", steht in einer Passage. Das Magazin zitiert auch einen Schaffhauser Journalisten, wonach eine Fangruppe Jogi Löw "Drei-Wetter-Taft" genannt habe, weil der immer – sorgfältig die Haare schön gemacht – als letzter aus der Umkleidekabine gekommen sei. Umso redeseliger habe er aber die Fragen der Journalisten beantwortet.

Jogi Löw hat vor dem Ende seiner Fußball-Karriere beim FC Schaffhausen gespielt. Bild: Schaffhauser Regionalsport Zeitung
Jogi Löw hat vor dem Ende seiner Fußball-Karriere beim FC Schaffhausen gespielt. Bild: Schaffhauser Regionalsport Zeitung

Auch die gemeinsame Geschäftsidee von Thoma und Löw, auf, Krawatten mit ausgefallenen Motiven zu verkaufen, wird geschildert. Das Nebengeschäft scheiterte allerdings. Axel Thoma will deshalb zu dieser Sache heute nicht mehr viel Worte verlieren. "Jogi und ich gingen nach drei gemeinsamen Jahren in Schaffhausen zu FC Winterthur. Das war im Nachhinein eine Katastrophe, weil der deutsche Trainer Wolfgang Frank uns spielerisch und taktisch um Jahre zurückwarf", berichtet Thoma. Danach trennten sich die Wege von Thoma und Löw, der beim FC Frauenfeld als Spielertrainer engagiert wurde. Thoma zog es Ende de 90-er Jahre zum FC Singen. Dort trainierte er unter dem früheren Holländer Vize-Weltmeister Johan Neeskens und stieg später mit dem FC Singen 04 in die Oberliga auf. "Mich hat schon immer das Management interessiert", sagt Thoma. Er bereitete den Weg für neue berufliche Aufgaben bei den nächsten Stationen: Jugendkoordinator beim FC Winterthur, sportlicher Leiter des Nachwuchses bei Grasshopper und FC Zürich. Dabei fungierte Thoma immer wieder auch als Trainer, wie später gepaart mit dem Management beim FC Wil und FC Schaffhausen. Löw war inzwischen unter anderem Cheftrainer beim VfB Stuttgart, sowie bei türkischen und österreichischen Vereinen.

Singener Dreieck ebnet Löws Weg

"Als ich unter einer chaotischen Clubführung als Sportdirektor des FC Zürich einen neuen Trainer suchen musste, fiel meine Wahl auf Jogi Löw. Der hatte fast schon zugesagt, erhoffte sich dann aber einen Vertrag beim VfB Stuttgart, der dann doch nicht zustande kam. So entschieden wir uns für Lucien Favre, den künftigen Trainer von Borussia Dortmund." Dass Löw Bundestrainer werden konnte, sei wohl in Singen über ein Dreieck-Kontakt entstanden, zu dem er genauso wie der damalige Bundestrainer Jürgen Klinsmann gehört habe. Der Vorschlag, Löw vor der WM 2006 als Assistenztrainer von Klinsmann zu engagieren, sei beherzigt worden.

"Ich bin ein untypischer Fußballer, da mir auch Kultur sehr viel bedeutet. Beim Besuch von Opern nehme ich eine Karte für einen Platz, wo ich auf den Orchestergraben sehe, um festzustellen, wie die einzelnen Instrumente harmonieren, wie bei einer Fußball-Mannschaft", beschreibt Thoma, der auch mal mit seiner Truppe einen Oper-Besuch anordnete. "Ob es den einen gefällt und den anderen nicht – dieses ungewöhnliche Gemeinschaftserlebnis vergessen die Spieler nie", erklärt Thoma, der auch im Büsinger Gemeinderat sitzt. "Ich bin sehr an Politik interessiert", betont er.