Wenigen Hegauern blieb es vergönnt, an Ort und Stelle, den sensationellen WM-Erfolg der deutschen Mannschaft im Endspiel gegen Ungarn vor Ort im Berner Wankdorf-Stadion zu verfolgen. Der kürzlich verstorbene Hegauer Kult-Trainer Werner Zehner gehörte am 4. Juli 1954 zu den Glücklichen und erlebte tags darauf auch das große Spektakel beim Empfang der Helden, als der Zug langsam durch Gottmadingen rollte. Wer wie unsere Generation dies alles verpasste, weil er noch nicht geboren war, erhielt die Möglichkeit, durch einem grandiosen Film die Faszination dieser Tage nachzuerleben. "Das Wunder von Bern" schildert höchst emotional – mit teils bedrückenden und heiteren Phasen – die Geschichte rund um den Weltmeister-Titel. Beeindruckend dabei, wie ein langjähriger und erbitterter Kriegsgefangener nach seiner Rückkehr nur schwierig in die Alltagsrealität findet, über den Fußball die langsame, aber innige Beziehung zu seinem jüngsten Sohn bekommt. Genauso imponierend wie täuschend echt sind die nachgespielten Fußball-Szenen. Und dies von richtig guten Fußballern, die auch im Training jonglierenderweise mit dem Ball zaubern. Atemberaubend, wie die Spannung im Finale in den verschiedensten gesellschaftlichen Bereichen knistert, ob in den Kneipen oder sogar im Kloster. Es lohnt sich sogar, mehrfach einen Film anzuschauen, der ein einzigartiges Ereignis in vielen Facetten beleuchtet.

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