"Fast jeder Mensch wird im Alltag mit Sucht konfrontiert", erklärt Lars Kiefer, diplomierter Sozialpädagoge und Mitarbeiter der Fachstelle Sucht in Singen. "Oder man kennt zumindest jemanden, der jemanden kennt", führt er weiter aus. Trotzdem scheint das Thema Sucht beziehungsweise die Auseinandersetzung mit der Krankheit immer noch schambehaftet, sodass sich viele Betroffene und Angehörige nicht trauen, Hilfsangebote anzunehmen.

Das ist unter anderem ein Grund dafür, weshalb sich die Fachstelle an der Museumsnacht beteiligt: "So betreten vielleicht auch mal Menschen die Räumlichkeiten, die den Weg zu uns sonst nicht gefunden hätten", erhofft sich Kiefer. Er möchte den Leuten die Möglichkeit zur Hilfe nahe bringen und ihnen zeigen, dass es nichts Schlimmes mit sich bringt. "Außerdem wäre es viel zu schade, die großartigen Werke, die bei uns entstehen, für uns zu behalten."

Überblick über die Arbeit von zehn Jahren

Die Museumsnacht Hegau-Schaffhausen bietet am Samstag, 15. September, von 18 bis 1 Uhr die Gelegenheit, sich Werke unterschiedlichster Künstler anzusehen. Die Fachstelle Sucht verknüpft diesen Anlass zusätzlich mit ihrem zehnten Jubiläum und möchte den Besuchern zeigen, was sich in diesen Jahren getan hat. Ausgestellt werden Arbeiten der aktuellen Kunstgruppe der Fachstelle sowie von Menschen, deren Therapie bereits abgeschlossen ist. Vielen von ihnen ist die Freude an der Kunst geblieben und in den Alltag gefolgt.

"Die Kunst dient vielen hier als Beschäftigungs-Alternative", erläutert Kiefer. "Man braucht Beschäftigung, um nicht wieder zum Suchtmittel zu greifen." Ebenfalls sei die Kunst für die meisten mit vielen Emotionen verbunden, was vor allem beim sogenannten Actionpainting um Ausdruck kommt, welches von Musik begleitet ist. Die Kunstgruppe hat bereits einmal beim Wochenmarkt in Radolfzell ausgestellt, mit der Museumsnacht soll der nächste, größere Schritt eingeleitet werden. "Ihre Kunst zu präsentieren gibt vielen Selbstbewusstsein, auch wenn es Überwindung kostet", fügt Kiefer an.

In einem Film schildern Betroffene ihre Erfahrungen

Jedoch werden nicht nur Gemälde präsentiert, sondern auch Fotografien und ein Film, der von der Fachstelle initiiert wurde. In dem Film erzählen Betroffene von ihren Erfahrungen mit dem Zusammenhang von Sucht und Kreativität und wie sich das Kunstverhalten im Laufe der Zeit und der Therapie verändert. Unter anderem sprechen eine Witwe, welche ihren Mann an die Alkoholsucht verloren hat, sowie Max Maier, ein Singener Musiker. Der Film wird in Dauerschleife gezeigt, sodass für alle Besucher die Möglichkeit besteht ihn anzusehen.

Darüber hinaus ist zwischen 20 und 20.30 Uhr eine Diskussion zum Thema Sucht und Kunst geplant. "Wir erhoffen uns dadurch mit vielen Personen ins Gespräch zu kommen und etwas Pionierarbeit zu leisten", fasst Kiefer zusammen. Die Fachstelle Sucht befindet sich im DAS 1-Gebäude, Julius-Bührer-Straße 4.