Zum ersten Mal veranstalteten die Singener Kriminalprävention, das Jugendnetzwerk Cool Zap und das Präventionsprogramm b.free des Landkreises Konstanz drei Tage lang die Singener Präventionstage im Kulturzentrum Gems. Im Rahmen dieser Aktion erklärte die Entwicklungsbiologin und -psychologin Nicole Strüber in einem Vortrag, welche drei Faktoren sowohl das Gehirn als auch die Persönlichkeit des Kleinkindes maßgeblich prägen.

Stress sei grundsätzlich etwas Gutes, erläuterte die Wissenschaftlerin zu Beginn ihres Vortrages. Unsere Leistungsbereitschaft sei gesteigert, hohe Anforderungen könnten bewältigt und Gefahren überlebt werden. Bei chronischem Stress hingegen führe das Übermaß an Stresshormonen zu Schädigungen der Nervenzellen und ihre Neubildung werde verhindert.

Wie ein Mensch auf Stress reagiert, hat mit seiner frühen Kindheit zu tun

Jeder Mensch reagiere unterschiedlich auf Stresssituationen. Die Gründe hierfür lägen teils in der frühesten Kindheit. Mittlerweile sei es wissenschaftlich nachgewiesen, so die Biologin und Buchautorin, dass sowohl die genetische Veranlagung als auch Erfahrungen vor der Geburt sowie in den ersten Lebensjahren sich maßgeblich auswirkten auf die Stressreaktion des Kindes, seine Bindungsfähigkeit und auch die Art und Weise, wie es mit Gefühlen umgeht.

Die erste Prägung gibt es durch die Gene

So erfuhr das fast ausschließlich weibliche Fachpublikum in der Gems, dass die erste Prägung bereits durch die Gene erfolge. Diese hätten Einfluss darauf, wie empfindlich das Kind auf seine Umwelt reagiert. Die zweite starke Prägung erfolge dann im Mutterleib.

Über den wichtigen Einfluss von Genen und allerersten Erfahrungen auf Kleinkinder informierte Neurobiologin Nicole Strüber in der Singer Gems.
Über den wichtigen Einfluss von Genen und allerersten Erfahrungen auf Kleinkinder informierte Neurobiologin Nicole Strüber in der Singer Gems.

Erlebe die werdende Mutter chronischen Stress während der Schwangerschaft, zum Beispiel durch Krankheit, Trennung, Tod eines Angehörigen oder Depressionen, übertrage sich das Stresshormon der Mutter direkt auf das Kind. Das Ergebnis könnten Aggressivität, Reizbarkeit, Unruhe, erhöhte Ängstlichkeit und auch Lernschwierigkeiten des Kindes sein.

Bindungserfahrungen des Kleinkindes und das Kuschelhormon

Der dritte maßgebliche Faktor seien die Bindungserfahrungen des Kleinkindes in den ersten beiden Lebensjahren. Dabei sei das Hormon Oxytocin, auch als Bindungs- und Kuschelhormon bekannt, wichtig. Dieses entstehe nicht nur beim Stillen, sondern immer, wenn das Kind liebevolle Zuwendung erlebe, ganz gleich von welcher Bezugsperson.

Dabei reagiere nicht nur das Kind, sondern auch die Bezugsperson mit einer verstärkten Ausschüttung des Kuschelhormons. Dies führe bei beiden zu weniger Stress und einer größeren Bindung. Ein sehr guter Weg der Zuwendung seien Berührungen des Kindes zum Beispiel in Form von Massagen.

Durch liebevolle Zuwendung könnten eine genetische Anfälligkeit für Stress oder Stresserfahrungen vor der Geburt abgeschwächt werden und das Kind habe die Chance, ein psychisch stabiler Erwachsener zu werden.