Die Wege zweier Barbesucher kreuzen sich an einem Ort, der ebenso namenlos ist wie sie selbst. "Ich bin nur ein gottverdammter Säufer", stellt sich die von Joachim Speck gespielte Figur vor. Christian Thomas Rösner wiederum spielt einen Musiker, der sich auf seinen Auftritt am Abend vorbereitet. Nur Eddie, den Wirt, lernt das Publikum namentlich kennen. Er verankert das Stück am Spielort, denn es handelt sich bei ihm um den Wirt der Café-Bar Schröder, auf den beide Bühnenfiguren warteten und der eigentlich im Publikum saß. An jeden zukünftigen Spielort soll das Stück so mit einem Namen angepasst werden, erklärte Regisseurin Susanne Breyer. Genau wie alle anderen im Publikum war er aber eigentlich nicht da, als sich die beiden Protagonisten begegneten.

Zunächst finden die beiden keinen rechten Draht zueinander. "Du redest zu viel", wies der namenlose Musiker den schon am Morgen Betrunkenen zurecht. Doch dann entdecken die Beiden doch noch eine Verbindung: die Musik von "CCR", der kalifornischen Band Creedance Cleerwater Revival, und besonders das Schicksal von dessen Gründer John Fogerty. Zu Beginn seiner Karriere hatte dieser alle Musikrechte verkauft, es gelang ihm nie wieder die Kontrolle über seine Lieder zurückzuerlangen. "Er hat seine musikalische Seele verkauft", bedauerte der von Speck gespielte Kneipenbesucher.

Und dann kamen auch Fogertys bekannteste Lieder in das Café Schröder, interpretiert mit akustischer Gitarre und Gesang. Anstatt, wie mit "Eddie" vereinbart, den Laden aufzuräumen, erging sich der Kneipenbesucher in alkoholgetränkter Philosophie und erzählte aus seinem Leben. Den durch seine Scheidung erlittenen Verlust sah er als Gemeinsamkeit mit Fogerty an, dem er auch noch an eben jenem Tag begegnetet war. Und der ihm an diesem damit doch noch die "beste Zeit seines Lebens" bereitete.

Die Leidenschaft für John Fogerty haben die Schauspieler mit ihren Rollen und der Regisseurin gemeinsam. "Mein Lieblingsmusiker ist Fogerty", berichtete Christian Thomas Rösner. Vor fünf Jahren sei nach einem Gespräch mit Autor Gerd Zahner die Idee für ein Theaterstück entstanden, das nun zum ersten Mal öffentlich aufgeführt wurde.

Dem ging es bei der Wahl einer "Kneipe" sowohl als Schauplatz sowie als Ort der Aufführung nicht nur darum, etwas Ungewöhnliches auszuprobieren. "Es gibt ein Kneipenpublikum und ein Theaterpublikum", erklärte er. Diese Trennung wolle er aufbrechen, er will das Kneipentheater wiederbeleben. Denn schon Shakespeare habe solche Aufführungen ausgerichtet.

Große Tradition will das Stück nicht nur mit seiner Bühne pflegen, immer wieder sind große Namen wie Goethe oder Platon postmodern eingewoben. Und Zahner hat auch die großen Themen hineingeschrieben. "Es geht um Urheberrecht, aber auch um die Frage: Was gehört wem?", sagte er. Für die Schauspieler ist das Spiel zwischen besetzten Barhockern eine besondere Situation, "Da entsteht ein ganz intimes Setting, das auf einer Bühne nicht möglich ist", so Speck.

Der Autor

Für Gerd Zahner ist die Café-Bar Schröder nicht nur ein passender Schauplatz, sondern der, wo er eine ähnliche Szenerie wie im Stück erlebt hat: "Das kennt doch jeder, ein Säufer der ihn volllabert und den er nicht mehr losbekommt." Genau hier, denn "ich war früher öfter hier". Sehr zufrieden sei er mit der Aufführung, sagte er und nahm auch an diesem Abend Platz in der Bar, nachdem der Schlussapplaus verklungen war. (smh)