Es ist, als sei die Zeit zurück versetzt. Fundstücke aus vielen Lebensbereichen wie alte Schreibmaschinen, Küchenutensilien oder landwirtschaftliche Geräte reihen sich aneinander und lassen den Blick schweifen. In der historischen Sammlung im Dachgeschoss des Mühlhauser Rathauses wird Geschichte greifbar: „Probieren Sie es mal aus, dann kriegen Sie ein Gefühl dafür“, ermunterte Helmut Fluck beim Aktionstag des Senioren-Arbeitskreises die Besucher.

Ein ganz seltenes Stück sei ein Tonseiher aus dem 18. Jahrhundert. „Das ist auch was Tolles“, führte Fluck auch die Landjägerpresse vor, die sich ein Mühlhauser Metzger selbst angefertigt hatte. „Und was ist das?“, zeigte er kleine, angespitzte Holzstifte, die um 1890 zum Nageln von Holzschuhen verwendet wurden.

Splitter vom Bombenangriff auf Singen 1944

Helmut Fluck ist mit Herzblut dabei und kennt sich bestens aus. Zu jedem Teil kann er etwas sagen, sei es zu den Steinkugeln aus den napoleonischen Kriegen, den Splittern vom Bombenangriff 1944 auf Singen oder der Knöpflemaschine zur Herstellung einer Nudelart.

Seit zehn Jahren tragen sieben begeisterte Senioren als Gruppe des Seniorenarbeitskreises Gegenstände des täglichen Lebens aus der ganzen Umgebung zusammen. 520 Teile sind registriert – de facto sind es aber viel mehr, da Stücke derselben Art jeweils unter einer Nummer registriert werden, so Fluck.

Exponate, die man in die Hand nehmen darf

Es soll kein Museum mit Stücken nur zum Anschauen sein, man darf sie in die Hand nehmen. In der Kopie des Lesebuchs für das erste Schuljahr aus dem Jahr 1936 von Artur Kentischer darf geblättert und die Sütterlinschrift entziffert werden, den Wäschestampfer oder die Nähmaschine mit Fußantrieb darf man auch ausprobieren.

Mit großem Interesse scharten sich zeitweise die Besucher um Helmut Fluck und seine Mitstreiter und lauschten deren Erklärungen. Heidi Rudel lebt seit zehn Jahren in Mühlhausen und meinte: „Ich bin das erste Mal hier und total begeistert.“ Viele Gegenstände hatte sie vorher noch nie gesehen und wusste gar nicht, wofür sie verwendet wurden.