Ein Kammerkonzert der besonderen Art bekamen mehr als 300 Zuhörer vom deutsch-niederländischen Cuarteto Rotterdam geboten. Zwei Stunden lang entführten die vier Musiker in die vielseitige Welt des Tangos. Unter dem Motto "Zwischen Tradition und Moderne" führte das Ensemble mit der aus Singen stammenden Geigerin Susanne Cordula Welsch durch die 100jährigen Geschichte des Tangos von den Ursprüngen über das goldene Zeitalter der 40er Jahre und dem Tango Nuevo hinweg bis zu zeitgenössischen Komponisten. Dabei sorgten die Vier mit Bandoneon, Violine, Klavier und Kontrabass für ein Klangerlebnis der besonderen Art. So gelang es den Musikern, die ganze Bandbreite der mit dem Tango verbundenen Emotionen von vor Lebensfreude sprühend bis zu tief melancholisch widerzuspiegeln. Mit einer mitreißenden Spielfreude präsentierte das Quartett Stücke der drei Tangoformen Milonga, Tango und Tangowalzer. Einen Schwerpunkt bildeten dabei die Werke von Astor Piazzolla und Osvaldo Pugliese.

15 Jahre ist es nun her, dass vier Musiker während ihres Studiums an der Academy for Worldmusic in Rotterdam, Studienrichtung Tango, das Cuarteto Rotterdam gründeten. Diese langjährige Erfahrung wurde auch an diesem Abend in der harmonischen Interaktion der Musiker deutlich. Da genügten nur kurze Blickkontakte, damit das Zusammenspiel der Vier perfekt aufeinander abgestimmt war. Nicht nur musikalisch war der Abend ein besonderes Erlebnis. Moderatorin Welsch führte das Publikum charmant durch das Programm und so erfuhr der Zuhörer ganz nebenbei einiges über den Tango, seine Geschichte und seine Komponisten. Denn wer wusste zuvor schon, dass es sich beim typischen Tango-Instrument Bandoneon um eine deutsche Erfindung handelt oder dass der Tango in Argentinien zunächst als Musik der Unterschicht galt und erst nach einem Umweg über Paris auch in Südamerika salonfähig wurde?

Das Publikum dankte dem Cuarteto Rotterdam mit lang anhaltendem Beifall und erst nach zwei Zugaben durfte das Quartett die Bühne verlassen. Dem Publikum war spätestens nach diesem Abend klar, was für Susanne Cordula Welsch schon lange gilt: "Tango zu hören und zu spielen macht ungemein glücklich."