Im Herbst wird das Musikhaus Assfalg 65 Jahre alt. "1954 haben meine Eltern das Geschäft hier an der Hegaustraße eröffnet, in den Sechzigern haben wir erweitert und 1975 kam der Klavierverkaufsraum an der Erzbergerstraße dazu", erinnert sich Helmut Assfalg. Das klingt ganz nach einer Erfolgsgeschichte. Aber kurz vor dem 65. Geburtstag seines Geschäfts ist dem Inhaber nicht unbedingt nach Feiern zumute. Es sei nicht zu erwarten, dass es einen Nachfolger geben wird, konstatiert Assfalg. "Wie traurig eine Stadt ohne Musikhaus sein wird, werden die Kunden und die Internetkäufer wohl erst merken, wenn wir nicht mehr da sind."

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Überrascht ist der Musikhändler über diese Entwicklung nicht: "Seit acht bis zehn Jahren ist es richtig heftig", sagt er und meint damit die Konkurrenz durch die großen Internet-Musikhäuser. Immer öfter müsse er miterleben, dass Menschen seine Räumlichkeiten betreten, die in Wirklichkeit gar keine Kunden sind: "Sie testen verschiedene Instrumente an und man merkt, dass sie echtes Interesse haben." Nachdem sie sich aber für ein Modell entschieden hätten, würden sie das Instrument nicht im Musikhaus kaufen, sondern bei dem Anbieter, der im Internet das billigste Angebot macht. Selbst wenn das, wie Assfalg beteuert, oft nur ein paar Euro Unterschied ausmache.

Immer öfter kämen Kunden in seinen Laden, die Instrumente austesten, nur um sie danach im Internet zu bestellen, berichtet Helmut Assfalg.
Immer öfter kämen Kunden in seinen Laden, die Instrumente austesten, nur um sie danach im Internet zu bestellen, berichtet Helmut Assfalg. | Bild: Tesche, Sabine

Die Konsequenzen sind für ihn deutlich spürbar: Mittlerweile sei der Umsatz im Vergleich zu den frühen Neunzigern um ein Drittel eingebrochen. Besonders stark merkt der Musikhändler das in der Adventszeit. "Das klassische Weihnachtsgeschäft gibt es nicht mehr." Früher sei es noch wichtig gewesen, das Schaufenster festlich zu schmücken, um Kunden anzulocken. "Heute mache ich das im Prinzip nur noch für mich selbst."

Er fährt sogar bis Luzern

Assfalg hat wenig Hoffnung, dass sich sein Geschäft noch einmal merklich erholen wird. Bedauerlich: Schließlich investiert er viel Zeit und Herzblut. "Ich arbeite auf jeden Fall zehn, elf Stunden an sechs Tagen pro Woche. Immer öfter auch an Sonntagnachmittagen." Die hohe Stundenzahl erklärt sich auch dadurch, dass er seine Instrumente nach Ladenschluss persönlich ausliefert und dem jeweiligen Kunden vor Ort erklärt. "Ich fahre auch bis nach Zürich oder Luzern", betont Assfalg.

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Und auch, wenn ihn die Zukunft des Musikhauses nicht gerade optimistisch stimmt, stemmt er sich mit dem gleichen Einsatzwillen gegen die Internetkonkurrenz. So hat er vor seinem Laden ein Schild mit der Aufschrift "Buy Local" angebracht. Als Teil der gleichnamigen Initiative (siehe unten) will Helmut Assfalg potenziellen Kunden vor Augen führen, dass die internationalen Online-Anbieter, bei denen viele bestellen, ihre Steuern, wenn überhaupt, oft nur im Ausland entrichten. Vielleicht lasse sich ja der ein oder andere zum Umdenken animieren. Denn: "Auch wenn wir den Kampf gegen das Internet nicht gewinnen werden hoffe ich doch, dass wir noch einige Jahre für unsere Kunden tätig sein können."

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