Einsamkeit ist eine unerkannte Krankheit, ist schmerzhaft, ansteckend und tödlich. Das sagt der Psychiater Manfred Spitzer und spricht damit ein Problem in der heutigen Gesellschaft an, das Menschen jeden Alters betreffen kann. Das Thema scheint erscheint relevant: Rund 400 Zuhörer waren zu seinem Vortrag zum Buch "Einsamkeit – die unerkannte Krankheit" in die Stadthalle gekommen.

Viele Studien kommen zum selben Ergebnis

Spitzer legt seiner These unzählige Studien von Kollegen zugrunde, die Einsamkeit als Krankmacher belegen. Auslöser dafür sei die Gesellschaft, in der Mitgefühl und Miteinander immer mehr nachließen. "Wir brauchen die anderen zum Überleben", bezeichnete Spitzer ein soziales Netzwerk als wichtig.

Facebook hilft da auch nicht weiter

Das zunehmende Single-Dasein, das Leben in Großstädten, das den sozialen Bereich nicht automatisch vergrößere, der Einfluss von Medien trügen zur Vereinsamung bei. Kontakte über Netzwerke wie Facebook seien nicht vergleichbar mit Freundschaft, langfristig bewirkten sie das Gegenteil.

Soziale Isolation und Alleinsein seien auch nicht gleich Einsamkeit. Auch in einer Menge könne man sich einsam fühlen. Aber: "Je größer die Isolation, umso stärker wird das Gefühl der Einsamkeit", sieht der Neurowissenschaftler ältere, alleinlebende und auch jüngere Menschen betroffen.

Einsamkeit tut richtig weh

Einsamkeit sei nicht nur schmerzhaft, sondern auch ansteckend wie Emotionen und Verhaltensweisen. "Einsamkeit tut richtig weh. Schmerz entsteht im Kopf und ist ein Signal, dass irgendetwas im Körper kaputt geht", so Spitzer. Einsamkeit und Schmerz seien an denselben Stellen im Hirn verankert.

"Der Killer Nummer eins"

Chronische Einsamkeit mache krank und sei sogar tödlich. "Einsamkeit ist der Killer Nummer eins", sagt Spitzer. Denn Einsamkeit löse Stress aus, ein hoher Stresspegel schwächt das Immunsystem, was anfälliger für viele Krankheiten macht. Auf die Frage: "Was tun?" bringt Spitzer nichts Neues. Die Frage bleibt, ob Betroffene es überhaupt schaffen können, soziale Kontakte aufzubauen, sich für Sport, Musik, Kunst und Natur zu begeistern.