Ist Europa noch zu retten, wo doch aufblühender Nationalismus das Friedensprojekt der Nachkriegszeit an seine Grenzen führt. Dass es gelingen kann, Gesellschaft gegen Populismus zu immunisieren, will Michael Bloss beweisen. „Ich merke, dass das Interesse an Europa gewachsen ist“, sagt der 32-Jährige, der als jüngster Kandidat Baden-Württembergs auf der Liste der Grünen für das Europaparlament kandidiert. Mit einem grünen Sofa reist er durch die Innenstädte im Ländle, um Stimmung für ökologische Themen zu machen. Auch in Singen hat er das Sofa aus seinem wasserstoffbetriebenen Wahlmobil gepackt. Sein Eindruck: Die Bürger wollen wissen, was Europa ausmacht.

Das könnte Sie auch interessieren

Denn während die Debatten um die Zukunft der Europäischen Union immer hitziger geführt werden, wurde ein Thema vor den anstehenden Wahlen zum Europaparlament von der Basis her ganz nach oben auf die Agenda gerollt. Immer wieder freitags nehmen sich immer mehr Schüler frei, um gegen den Klimawandel auf die Straße zu gehen. Denn: Was nutzt Europa, wenn der Globus Fieber hat? Michael Bloss kennt die Antwort: Die Klimaerwärmung lässt sich nur bremsen, wenn alle mitmachen. Deshalb sei eine einheitliche Strategie für den Kontinent so entscheidend, zumal die Europäer nur sieben Prozent der Weltbevölkerung ausmachen. „Uns muss es gelingen, die Ziele des Pariser Klimaabkommens umzusetzen“, betont er.

Vielfalt auch zum Abbeißen

Auf die Fragen der Passanten, die sich am Stand der Grünen über die kulinarische Vielfalt Europas freuen konnten, nahm er die Großindustrie in den Blick: Statt den Verbrauch fossiler Energieträger – wie zum Beispiel das Kerosin im Flugverkehr – steuerlich zu entlasten, sollte die Produktion von Kohlenstoffdioxid (CO2) verteuert werden. „Der Emissionshandel funktioniert nur schlecht“, antwortet Bloss Patrick Haermeyer und Tizio Pfänder auf dem grünen Sofa. Bloss mahnt eine Preisanpassung für die CO2-Zertifikate an: „Statt 22 Euro sollte die Tonne CO2 mindestens 40 Euro kosten“, erklärt er und die Grünen-Landtagsabgeordnete Dorothea Wehinger, die ihn nach Singen gelotst hat, ergänzt: „Europa ist dabei, die globale Vorreiterrolle im Klimaschutz zu verlieren.“ Umso wichtiger sei es, so Bloss und Wehinger, dass Deutschland Vorbild bleibe.

Gemeinderatskandidat Mario Hüttenhofer und die Landtagsabgeordnete Dorothea Wehinger helfen dem Europawahl-Kandidat Michael Bloss beim Auspacken des grünen Sofas aus dem Wasserstoff-Wahlmobil in Singen.
Gemeinderatskandidat Mario Hüttenhofer und die Landtagsabgeordnete Dorothea Wehinger helfen dem Europawahl-Kandidat Michael Bloss beim Auspacken des grünen Sofas aus dem Wasserstoff-Wahlmobil in Singen. | Bild: Biehler, Matthias

Das Klima im Europaparlament kennt Michael Bloss bereits. Der Europa-Kandidat der Grünen hat Erfahrung als Sprecher der Europäischen Grünen Jugend und Referent der Abgeordneten Ska Keller gesammelt. Jetzt will er selbst das politische Klima verändern. „Wir müssen Europa als Ganzes begreifen“, sagt er. Gerade deshalb habe er eine Reise quer über den Kontinent gemacht – von Spanien tief im Westen bis an die östlichen Grenzen in Ungarn. Dabei hat er festgestellt, dass sich Allianzen für den Klimaschutz länderübergreifend schmieden lassen. Europa zu den Menschen bringen, das ist der Weg des jungen Stuttgarters, dessen Studium in Dresden und London Internationalen Beziehungen galt.

Das könnte Sie auch interessieren

Die Erkenntnis, wie teuer der Klimawandel werden kann, werde auch in anderen Regionen geteilt. Das durfte er auf seiner Reise erfahren. Schon heute sei erkennbar, dass die Erderwärmung Auswirkungen auf die Landwirtschaft, Gesundheit und Migrationsbewegungen habe. „Auch Versicherungen müssen mit steigenden Kosten aufgrund von Naturkatastrophen rechnen“, so Bloss. Deshalb gelte es europaweit die Rahmenbedingen zu schaffen, um lokal handeln zu können.

Aufgaben auch vor Ort

„Die Koalition hat jetzt beschlossen, Kommunen finanziell zu unterstützen, die für Neubaugebiete auch eine Wärmeplanung umsetzen“, berichtet die Landtagsabgeordnete Dorothea Wehinger im Blick auf Baden-Württemberg. Gemeinderatskandidat Mario Hüttenhofer, der als Sprecher der Landesarbeitsgemeinschaft Wirtschaft, Finanzen und Soziales für Bündnis 90/Die Grünen aktiv ist, schlägt den Bogen zur Situation vor Ort und sieht Defizite im Mobilitätssektor – vom Linienbusverkehr bis zum Radwegeausbau. Hier gelte es, die passenden Angebote zu schaffen.