Die Campergemeinde ist ein kommunikatives Völkchen. Das wird beim Besuch auf der Singener Offwiese gleich klar. Nach der Landesgartenschau im Jahr 2000 hat die Stadt sich entschieden, den Wohnmobilisten 20 kostenlose Stellplätze auf dem Festplatz zur Verfügung zu stellen. Die Offwiese ist kein Campingplatz, sondern ein einfacher geschotterter Parkplatz, ausgestattet mit Stromanschlüssen, einer Wasserzapfsäule und einer Entsorgungsstelle. Nach einem Beschluss des Gemeinderates dürfen die Camper hier drei Tage lang stehen und müssen dann weiterziehen. Noch! Das soll sich bald ändern, denn einige Reisende haben es zu nett in Singen gefunden und ihr Wohnmobil nahezu dauerhaft hier aufgestellt. Das passt weder zu der Ursprungsidee der Singener Gastfreundschaft, noch zu den Bedürfnissen anderer Reisender. In einer der nächsten Sitzung wird der Gemeinderat deshalb darüber entscheiden müssen, ob er die vorgeschlagene Standgebühr von fünf Euro erheben will. Auch in Rielasingen-Worblingen, wo es ebenfalls kostenlose Stellplätze gab, ist die Gemeinde jetzt diesen Schritt gegangen.

Ein Besuch bei den Campern auf der Offwiese zeigt, dass die Meinungen über eine Standgebühr auseinander gehen.


Monika Atzinger kommt aus dem Rheinland und ist zusammen mit ihrem Mann schon zum dritten Mal mit dem Wohnmobil in Singen.
Monika Atzinger kommt aus dem Rheinland und ist zusammen mit ihrem Mann schon zum dritten Mal mit dem Wohnmobil in Singen. | Bild: Gudrun Trautmann

Monika Atzinger kommt vom Rhein aus der Gegend zwischen Worms und Mainz. Sie ist mit ihrem Mann bereits zum dritten Mal in Singen und hat den Stellplatz bei einer Rückfahrt aus Italien kennengelernt. "Ich liebe die kurzen Wege in die Stadt", sagt sie. "Singen ist ein schöner Ort, in dem man gut einkaufen und auch mal essen gehen kann." Eigentlich wollte das Paar diesmal mit ihrem 3,5-Tonner in Tuttlingen bleiben, kam dann aber doch wieder nach Singen. Die Beiden sind seit 21 Jahren begeisterte Wohnmobilisten und immer wieder für einige Wochen unterwegs.

Otto Dallinger kommt mit seiner Frau Annemarie im Wohnmobil ein- bis zweimal im Jahr aus Kempten im Allgäu nach Singen. Die bevorstehende Standgebühr schreckt das Paar nicht.
Otto Dallinger kommt mit seiner Frau Annemarie im Wohnmobil ein- bis zweimal im Jahr aus Kempten im Allgäu nach Singen. Die bevorstehende Standgebühr schreckt das Paar nicht. | Bild: Gudrun Trautmann

Otto und Annemarie Dallinger sind gerade mal wieder in Singen angekommen und richten sich für die nächsten drei Tage auf der Offwiese ein. Ein- bis zweimal im Jahr kommen sie in den Hegau, weil sie die Vulkanlandschaft lieben. Die Vorteile des Singener Platzes liegen für sie auf der Hand: "Die Stadt ist nah und es gibt viele interessante Radwege." Auch in Worblingen, Donaueschingen und Bad Dürrheim haben sie schon gestanden und wissen, dass dort teilweise Gebühren verlangt werden. Fünf Euro Standgebühr pro Tag finden sie in Ordnung.

Howi Terlinden wohnt das ganze Jahr im Wohnmobil. Der Rentner kommt aus der Region und kehrt auch immer wieder nach Singen zurück. <em>Bild: Gudrun Trautmann</em>
Howi Terlinden wohnt das ganze Jahr im Wohnmobil. Der Rentner kommt aus der Region und kehrt auch immer wieder nach Singen zurück. Bild: Gudrun Trautmann | Bild: Gudrun Trautmann

Howi Terlinden, ein ehemaliger Unternehmer aus dem Hegau, hat als Ruheständler alles verkauft und lebt seit 18 Jahren in seinem Wohnmobil. Gerade ist er aus Spanien zurück gekehrt, wo er den Winter verbracht hat. Sein Gefährt hat er in Amerika gekauft. Es ist bereits sein sechster Camper. In Singen ist er immer wieder. Ihm gefällt es hier, weil der Platz ruhig ist. Er schätzt den Weg zum Einkaufen durch den Stadtpark.

Harald Honacker (links) und Uwe Gülich haben sich vor über 20 Jahren auf einem Wohnmobilstellplatz kennengelernt.
Harald Honacker (links) und Uwe Gülich haben sich vor über 20 Jahren auf einem Wohnmobilstellplatz kennengelernt. | Bild: Gudrun Trautmann

Der gebürtige Arlener Harald Honacker hat in dem Rottweiler Uwe Gülich vor über 20 Jahren in Breisach einen Freund fürs Leben gefunden. Beide Männer haben sich für ein Leben im Wohnmobil entschieden und stehen auch in Singen wieder nebeneinander. Ein dünner Plastik-Teppich verbindet die beiden Autos. Auf diesem treffen sich nicht nur die Freunde, sondern auch ihre Hunde. – Eine echte Camperbeziehung sei das.

Harald Honacker räumt ein, dass er auch schon einige Wochen hier gestanden hat, als er krank war und regelmäßig zum Arzt musste. Auch Uwe Gülich lässt sich in Singen ärztlich versorgen. Das Klima sei hier besser, sagt er. Zeitweise haben die Freunde in Worblingen gestanden. Dass dort jetzt 6 Euro Standgebühr verlangt werden, gefällt ihnen nicht. Sie verstehen jedoch, dass Singen nun wegen der Dauerparker eine Gebühr erwägt.

Adressen für Camper

  • Campingplätze in der Region: Hegau-Familien-Camping, An der Sonnenhalde 1, 78 250 Tengen, (0 77 36)92 470. Der Platz verfügt über 180 Stellplätze, 26 reservierte Zeltplätze, elf Mobilheime und fünf rustikale Holzhäusle; Camping & Ferienpark Orsingen GmbH, Am Alten Sportplatz 8, 78 539 Orsingen-Nenzingen, (0 77 74)23 78 70. Hier gibt es 170 Stellplätze und 25 Mobilheime; Camping Sonnental, Im Doggenhardt 1, 78 234 Engen, (0 77 33)75 29. Betreiberin: Inge Weber
  • Stellplätze für Wohnmobile: 20 Stellplätze im Landesgartenschaugelände, Schaffhauser Straße 35, Parkplatz Landesgartenschau, 78 224 Singen, (0 77 31)85 262; sechs Wohnmobil-Stellplätze „Aachtal“, Herdweg 20 in Worblingen, 78 239 Rielasingen-Worblingen, (0 77 31)93 210; 20 Stellplätze im „Rheinuferpark“, Strandweg, 78 262 Gailingen, (0 77 34)93 03 20 (Quelle: Hegau-Tourismus)