Ein Neugeborenes kann das Beziehungsgefüge ganz gehörig auf den Kopf stellen. „Zu Hause beginnt – trotz aller Freude über das Baby – der ganz normale Wahnsinn einer Wochenbett-Familie: das Baby schreit, niemand kauft ein, das Geschwisterkind ist eifersüchtig und der besorgte Vater hat keinen Urlaub mehr“, zitiert Renate Gundelsweiler die Grunderkenntnis des Familienprojekts „Wellcome“. Sie leitet das Projekt der Diakonischen Dienste, das von Radolfzell aus auch im Hegau angeboten wird und jungen Eltern Unterstützung in den ersten Monaten nach der Geburt anbietet. Singen war bislang ein weißer Fleck auf dieser Landkarte der Nachbarschaftshilfe. Ab Juni soll sich das ändern. „Wir sind froh, dass es nun endlich gelungen ist, Wellcome nach Singen zu holen“, sagt Singens Sozialbürgermeisterin Ute Seifried und ihr Fachbereichsleiter Torsten Kalb ergänzt: „Der Bedarf ist riesig.“

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Für die rasche Umsetzung konnte das Diakonische Werk gewonnen werden: „Mit Janine Gäßler haben wir eine hochqualifizierte Fachkraft für den Aufbau des Projektes“, betont Diakonie-Geschäftsführer Christian Grams. Entscheidender Faktor für den Start sei das langfristige Engagement des Singener Pharmaunternehmens Bipso gewesen. Jährlich sollen 10 000 Euro beigesteuert werden, um das Angebot zu ermöglichen. Dass dabei auch Eigeninteresse im Spiel ist, gesteht Bipso-Chef Reinhard Adam: „Viele Mitarbeiter erleben die Zeit der Familiengründung während des Einstiegs in den Beruf“, erklärt er. Familie sei daher ein wichtiger Wert der Unternehmenskultur. „Und nicht zuletzt sind wir ja auch ein Familienunternehmen“, erinnert Adam an die Mailänder Muttergesellschaft Bracco. Bipso beschäftigt über 400 Mitarbeitern in Singen und ist der wichtigste Produktionsstandort für den italienischen Mutterkonzern Bracco.

Renate Gundelsweiler (links) vom Wellcome-Stützpunkt Radolfzell wird ihre Erfahrungen an Nachfolgerin Janine Gäßler weitergeben.
Renate Gundelsweiler (links) vom Wellcome-Stützpunkt Radolfzell wird ihre Erfahrungen an Nachfolgerin Janine Gäßler weitergeben. | Bild: Tesche, Sabine

Der Wunsch von Bipso, sich nachhaltig am Standort Singen für Familien zu engagieren, stand deshalb am Anfang. Für Kalb ist die Kooperation ein Novum. „Soweit ich weiß, ist dies das erste Mal, dass eine soziale Organisation auf Initiative eines Unternehmens nach Singen geholt wird“, hofft er, dass dieses Beispiel auch andere Unternehmen zum Engagement am Standort motiviert.

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Die Organisation unterstützt junge Eltern nach der Geburt des Kindes mit Betreuungshilfen durch Freiwillige. Zielgruppe sind hierbei nicht nur sozial Bedürftige, sondern auch junge Familien aus der Mitte der Gesellschaft. Diese haben jedoch häufig eine hohe Hemmschwelle, derartige Hilfen anzufragen.

Weitere Informationen zum Projekt im Internet:http://www.diakonie-konstanz.de