Die Antwort auf eine kleine Anfrage des Grünen Bundestagsabgeordneten Matthias Gastel aus Filderstadt zum Ausbau der Gäubahn an das Bundesverkehrsministerium ist brandaktuell. Neben der bekannten Tatsache, dass die Fahrtzeit zwischen Zürich und Stuttgart deutlich verkürzt werden soll, enthält sie aber auch eine Aussage, die bereits im Februar im Singener Gemeinderat für große Beunruhigung gesorgt hatte. Damals hatte Veronika Netzhammer (CDU) bereits die Befürchtung geäußert, dass die Personenfernzüge auf dem Weg nach Stuttgart über die Singener Kurve gelotst werden sollen und damit gar nicht mehr in den Bahnhof einfahren würden. Halten würden die Züge dann am Landesgartenschauhaltepunkt. Diese Vorstellung hatte alle Fraktionen gleichermaßen aufgeschreckt. Die Räte waren sich einig, dass sie eine solche Entwicklung auf gar keinen Fall mittragen würden. Doch zu Jahresbeginn waren das alles nur Gedankenspiele.

Matthias Gastel, selbst ein passionierter Bahnfahrer, hat den Zielfahrplan für den Ausbau der Gäubahnstrecke bis zum Jahr 2030 jetzt schwarz auf weiß erhalten. Darin ist der Singener Bahnhof nicht mehr aufgeführt. In der dem Schreiben aus dem Bundesverkehrsministerium angefügten Übersicht vom 24. August 2017, ist nur noch der Haltepunkt Landesgartenschau vermerkt. Der Singener Bahnhof fehlt. Ursprünglich sollte nur der Güterverkehr über die Singener Kurve gelenkt werden. Doch in Berlin ist man nun zu der Erkenntnis gekommen, dass: "die sogenannte Singener Kurve eine besonders effiziente Teilmaßnahme zur Fahrzeitverkürzung im Verhältnis zu den erforderlichen Investitionen darstellt. /.../ der Zielfahrplan 2030 sieht die Führung der Fernverkehrszüge der Relation Stuttgart – Zürich über die Singener Kurve und damit den Halt in Singen Landesgartenschau vor." 

Für die Landtagsabgeordnete Dorothea Wehinger (Grüne) ist das ebenso ein Unding wie für die Vertreter der Stadt. Gleich nach Bekanntwerden der Bahnpläne im November 2016 hatte sich Oberbürgermeister Bernd Häusler dagegen gewehrt und an den Landesverkehrsminister Winfried Hermann, den CDU-Bundestagsabgeordneten Andreas Jung und Rainer Kaufmann vom Interessenverband Gäu-Neckar-Bodensee-Bahn gewandt. Im Juni war Hermann zusammen mit Dorothea Wehinger in Singen, um ebenfalls zu bekräftigen, dass er sich für den Singener Bahnhof einsetzen werde. Die Befürchtung, dass dieser abgehängt wird und Fernreisende, die am Haltepunkt Landesgartenschau umsteigen, im Regen stehen, teilen Vertreter aller Parteien. Das Problem ist nur, dass die Deutsche Bahn AG zwar ein staatliches Unternehmen ist, aber als Aktiengesellschaft wirtschaftlich agieren muss. Und danach ist die Fahrt über die Kurve wirtschaftlicher, als wenn die Züge in den Bahnhof ein- und dann wieder ausfahren müssen.

Wie viel Einfluss die Politik auf die unternehmerischen Entscheidungen der Bahn hat, ist fraglich. Gastel und Wehinger hoffen, dass der parteiübergreifende Druck so stark wird, dass die Bahn am Halt im Singener Bahnhof nicht vorbei kommt. Doch bisher stocke das 550 Millionen Euro teure Vorrangprojekt im Bundesverkehrswegeplan aufgrund ganz anderer ungeklärter Fragen, so Gastel. "Solange sich noch kein Eisenbahnunternehmen über den Einsatz von Neigetechnikzügen geäußert hat, kann mit dem Gleisausbau nicht begonnen werden."

30 Minuten schneller

Durch den teilweise zweigleisigen Ausbau der Gäubahn soll die Fahrtzeit auf der Strecke Zürich – Stuttgart um 30 Minuten verkürzt werden. 550 Millionen Euro soll das Vorrangprojekt kosten. Bis 2030 soll der Ausbau abgeschlossen sein. Bisher hatte die DB AG den Einsatz von Neigetechnikzügen geplant. Festgelegt hat sie sich darauf angeblich noch nicht. Ein Gutachten, das im November 2016 vom Bundesverkehrsministerium vorgestellt wurde, sieht einen Zeitgewinn im Bau der sogenannten Singener Kurve. Ursprünglich sollten hier nur Güterzüge fahren.