Schwärmerisch beschreibt der wiedergewählte Vorsitzende der IG Singen Süd, Dirk Oehle, sowohl die Arbeit im Vorstand der Interessengemeinschaft, als auch das Zusammenwirken mit der innerstädtischen Werbegemeinschaft City-Ring. Bis auf eine Ausnahme habe man die über Jahrzehnte währende Konkurrenz zwischen Innenstadt und Süden überwunden. Doch dieser eine, scheinbar so klitzekleine Punkt, der möglicherweise schon bald aus dem Singener Einzelhandelskonzept gestrichen werden könnte, hat den Gewerbetreibenden im sonst so florierenden Industriegebiet das Leben schwer gemacht.

Die Rede ist vom so genannten innenstadtrelevanten Einzelhandelssortiment, das im Süden nicht oder nur mit Ausnahmegenehmigung verkauft werden darf. So zum Beispiel Haushaltwaren in Möbelhäusern. Solche Regeln, die einst zum Schutz der kleineren Innenstadthändler geschaffen wurden, sind nach Meinung von Dirk Oehle und den IG-Süd-Mitgliedern längst nicht mehr zeitgemäß. Und tatsächlich wird das Einzelhandelskonzept derzeit vollkommen überarbeitet. Das bestätigte Oberbürgermeister Bernd Häusler als Gast bei der Mitgliederversammlung der IG Süd. Wie die Handelszonen künftig definiert werden, wird im Moment von der Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung (GMA) ausgearbeitet.

Dass man sich im Süden aber nicht in Konkurrenz zur Innenstadt sieht, sondern in der Gemeinschaft als Chancenstandort, wie der Vorsitzende des Standortmarketingvereins Gerd Springe nicht müde wird zu betonen, zeigt auch die symbolische wie materielle Unterstützung der Aktionen zum verkaufsoffenen Sonntag "Singen classics" am 8. April.

Auch die baulichen Großprojekte wie das neue Einkaufszentrum Cano und die Entwicklung des Scheffelareals sind für die Gewerbetreibenden im Süden von großem Interesse. "Ich wünsche mir, dass Bruno Baubär auch bald für das Cano brummen darf", sagte Oehle.

Das geplante Einkaufszentrum gegenüber dem Bahnhof muss heute noch eine Gemeinderatshürde nehmen. Doch die Investoren planten den Abriss des ungeliebten Holzer-Baus bereits für Ende Juni, Anfang Juli, erklärte Bernd Häusler.

Von großer Bedeutung ist laut Oehle der Ausbau der Infrastruktur im Singener Süden. Er ermunterte die Unternehmer Unternehmer, sich zahlreich an das neue Glasfasernetz anzuschließen, das die Thüga gerade verlegt. In Zeiten voranschreitender Digitalisierung hält auch Gerd Springe diese Erneuerung für unverzichtbar, um den Herausforderungen durch den Online-Handel gewachsen zu sein.

Dem Singener Süden geht es gut. Die gute Konjunkgur spüle auch der IG Süd mehr Geld in die Kasse, sagte Kassenmeister Roland Striebel. Allerdings, so Dirk Oehle und OB Häusler in gemeinsamer Sorge, stößt das Industriegebiet in Grundstückssachen an seine Grenzen. Neuansiedlungen sind also kaum noch möglich.

 

Die IG Singen

In großen Schritten marschiert die Interessengemeinschaft auf ihr 25-jähriges Bestehen im Jahr 2019 zu. Der Verein hat rund 100 Mitgliedsbetriebe und wird geführt von einem neunköpfigen Gremium, das mit kleinen Veränderungen für weitere zwei Jahre im Amt bestätigt wurde. Die IG Süd versteht sich als Sprachrohr der Industrie und Gewerbetreibenden im Singener Süden, engagiert sich heute aber für den wirtschaftlichen Erfolg der gesamten Stadt. Daher liegen dem Verein auch die städtebauliche Weiterentwicklung und der Ausbau der Infrastruktur am Herzen. Das betrifft sowohl die Verkehrswege als auch den Ausbau der Datenleitungen mit Glasfaser. Die Unternehmen im Süden sehen in der geplanten Ansiedlung des Einkaufszentrums Cano in der Innenstadt keine Konkurrenz, sondern eine Belebung des Marktplatzes. (gtr)