Festredner bleibt aus

Was haben Sigmar Gabriel und Alice Schwarzer gemeinsam? Was der Verband der deutschen Automobilindustrie und die Singener SPD?

Das könnte Sie auch interessieren

Die beiden Ersteren haben einen Auftritt im Singener Bürgersaal abgesagt, von dem nur Eingeweihte wussten, Letztere haben beide eine Absage des ehemaligen SPD-Vorsitzenden Sigmar Gabriel bekommen: Gestern Abend hätte er mit dem Ortsverein der SPD Singen das 125-jährige Jubiläum im Bürgersaal feiern wollen. Zumindest war es so geplant. Aufgeschoben ist nicht aufgehoben: Jetzt haben die Sozialdemokraten einen neuen Termin genannt aber ohne Sigmar Gabriel: „Da unser Gastredner kurzfristig absagen musste, verschieben wir den Jubiläumsabend auf den 12. Januar um 17 Uhr im Bürgersaal der Stadt Singen„, schreibt Hans-Peter Storz vom Ortsvereinsvorstand. Als Festredner wird dann der Landesvorsitzende Andreas Stoch erwartet. Was Gabriel dann machen wird, steht noch in den Sternen. Ob er es schon weiß?

Handel bleibt dabei

Ein, zwei oder drei? „Du musst dich entscheiden...“, sang einst Michael Schanze in gleichnamiger Kinder-Quizshow. Eine Entscheidung musste jetzt in Singen getroffen werden – nämlich, wie viele verkaufsoffene Sonntage es in der Stadt geben soll. Dabei hat sich schnell eine breite Mehrheit gegen den Vorschlag des Singener CDU-Stadtrats und Zweiradhändler Hans-Peter Stroppa abgezeichnet.

Hans-Peter Storz, CDU-Stadtrat und Zweiradhändler in Singen, hatte den Antrag für einen dritten, verkaufsoffenen Sonntag gestellt.
Hans-Peter Storz, CDU-Stadtrat und Zweiradhändler in Singen, hatte den Antrag für einen dritten, verkaufsoffenen Sonntag gestellt. | Bild: SK-Archiv

Nicht nur Kirchenvertreter, die traditionell den Sonntag für den Besuch der Messe freihalten wollen, und Gewerkschaftsvertreter, die ihren Mitgliedern einen Sonntagsdienst nicht zumuten wollen, sondern auch ein Großteil der Händler in der Stadt. Sie wissen, welch Aufwand in der Organisation eines verkaufsoffenen Sonntags steckt. Es sei regelmäßig ein Kraftakt, einen erlebnisreichen Sonntag in der Stadt zu organisieren, mahnt Hans Wöhrle als lokaler Vertreter des Einzelhandelsverbandes. Längst reiche es nicht mehr, einfach nur die Türen zu öffnen und auf Kundschaft zu warten. „Ein Event muss sein“, weiß Dirk Oehle von der Interessengemeinschaft (IG) Süd.

Dirk Oehle, Vorsitzender der IG Süd, warnt vor einem dritten, verkaufsoffenen Sonntag in der Stadt.
Dirk Oehle, Vorsitzender der IG Süd, warnt vor einem dritten, verkaufsoffenen Sonntag in der Stadt. | Bild: SK-Archiv

Und nicht erst seit der großen Leistungsshow zum IG-Süd-Jubiläum im Mai weiß er auch, wie viele Menschen dazu benötigt werden, die mitziehen: „Da stößt das Ehrenamt an seine Grenzen.“ Genau hier vermisst er den Einsatz einiger Kollegen aus dem Handel. Wer mehr als die zwei traditionellen, verkaufsoffenen Sonntage in Singen fordere, müsse sich erst einmal selbst engagieren.

Etwas bleibt immer

Ganz sicher nicht vermisst wird ehrenamtliches Engagement in Engen und Rielasingen-Worblingen. Ganz im Gegenteil, gibt es dort doch ausgezeichnete Initiativen wie die Bürgerstiftung oder den Helferkreis „Unser buntes Engen„.

Im letzten Jahr stand die Engener Delegation bei der Preisverleihung in Berlin auf dem Siegertreppechen: Ulrich Scheller (Städtepartnerschaftsbeauftragter der Stadt Engen), Gergely Kompis (Arbeitskreis Pannonhalma), Lara Baumgärtel (Stadt Engen), Dr. Jens Kreuter (Geschäftsführer Engagement Global), Dr. David Tchakoura (Stadt Engen), Dr. Berndhard Felmberg (Ministerialdirigent Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung), Ajmal Farman (Sprecher Helferkreis Asyl Engen), Bürgermeisterstellvertreter Stefan Gebauer, Doris Marschall-Höfler (Sprecherin Helferkreis Pfarrhaus Welschingen), Samiullah Dost (Geflüchteter aus Afghanistan), Heike Dobutowitsch (Diakonisches Werk, Bezirk Konstanz). 2019 hat es nicht gereicht.
Im letzten Jahr stand die Engener Delegation bei der Preisverleihung in Berlin auf dem Siegertreppechen: Ulrich Scheller (Städtepartnerschaftsbeauftragter der Stadt Engen), Gergely Kompis (Arbeitskreis Pannonhalma), Lara Baumgärtel (Stadt Engen), Dr. Jens Kreuter (Geschäftsführer Engagement Global), Dr. David Tchakoura (Stadt Engen), Dr. Berndhard Felmberg (Ministerialdirigent Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung), Ajmal Farman (Sprecher Helferkreis Asyl Engen), Bürgermeisterstellvertreter Stefan Gebauer, Doris Marschall-Höfler (Sprecherin Helferkreis Pfarrhaus Welschingen), Samiullah Dost (Geflüchteter aus Afghanistan), Heike Dobutowitsch (Diakonisches Werk, Bezirk Konstanz). 2019 hat es nicht gereicht. | Bild: Dirk Enters

Als Preisträger bundesweiter Wettbewerbe durften sie in diesem Jahr in der Oberliga der Ehrenamts-Wettbewerbe – dem Deutschen Engagementpreis – antreten. Für den Dachpreis des Bündnisses für Gemeinnützigkeit konnten ausschließlich Preisträger anderer Wettbewerbe nominiert werden, die freiwilliges Engagement in Deutschland auszeichnen – wie beispielsweise Bürgerstiftung und Asyl-Initiative. Doch in der ersten Runde der Online-Abstimmung über den Publikumspreis haben es die Hegauer Initiativen nicht in die Gruppe der 50 Besten geschafft, von denen einer am Ende die festliche Preisverleihung am 5. Dezember in Berlin mit dem Preisgeld verlassen wird.

Silke Graf ist die Vorsitzende der Bürgerstiftung Rielasingen-Worblingen.
Silke Graf ist die Vorsitzende der Bürgerstiftung Rielasingen-Worblingen. | Bild: Sandra Bossenmaier

Den Aktivisten aus dem Hegau dürfte es egal sein, Anerkennung für ihren Einsatz haben sie längst bekommen – nicht nur vor Ort, sondern auch weit darüber hinaus. Das ist hoffentlich Motivation genug, um die gute Arbeit auch in Zukunft fortzusetzen. Womöglich winkt dann ja schon wieder die nächste Auszeichnung.

Das könnte Sie auch interessieren