Wenn alles glatt läuft, lässt OB Bernd Häusler in genau vier Wochen Singens Gemeinderat über das größte Bauprojekt in Singens Stadtgeschichte abstimmen, das ECE-Einkaufscenter. Derweil die Gegner des Vorhabens mit Demonstrationen auf sich aufmerksam machen, halten sich die Befürworter noch stark zurück. Im Gemeinderat steht die Mehrheit sicher.

Zwei Drittel der Ratsmitglieder dürften nach aktuellen Umfragen unserer Redaktion für das Center stimmen. Zwei von ihnen treten nun ganz bewusst und deutlich in die Öffentlichkeit und erklären, weshalb sie für das Center votieren. Kirsten Brößke (FDP) und Dirk Oehle (neue Linie) listen ihre Pro-Argumente auf:

<p>Kirsten Brößke und Dirk Oehle werden klar für ECE abstimmen, kündigen sie an.</p>

Kirsten Brößke und Dirk Oehle werden klar für ECE abstimmen, kündigen sie an.

| Bild: Jörg Braun
  • Einkaufscenter kein Auslaufmodell: „Gedrückt voll“ seien solche Einkaufstempel, das sehe man ja in Konstanz. ECE würde nicht 120 Millionen Euro investieren, wenn keine Kunden zu erwarten wären. „Die Leute kommen, wenn bei uns was los ist. Das spürt man an den Verkaufssonntagen, wenn die Kunden aus Meßkirch, Pfullendorf und Tuttlingen nach Singen strömen“, sagt Kirsten Brößke. Und: Die Läden in Singen würden „hochwertiger als im Lago“.
  • Keine Alternative in Sicht: Wenn ECE nicht bauen würde, stehe kein alternativer Geldgeber für ein anderes Projekt auf diesem Areal parat. „Das muss man wissen. Es gibt keinen realistischen Plan B“. Nur ECE habe die vertraglichen Optionen auf die Grundstücke.
    Der Holzerbau sei „nun schon 20 Jahre heruntergewirtschaftet worden und nichts ist passiert“, kritisiert Dirk Oehle.
  • Verlässlicher Partner: ECE garantiere 15 Jahre Bewirtschaftung des Projekts. Damit sei das Unternehmen ein verlässlicher Kooperationspartner.
  • Umland schläft nicht: Radolfzell erweitere sein Handelsangebot im Seemaxx, Schaffhausen im Herblinger Markt, Konstanz expandiere längst. „Da muss Singen gegenhalten, sonst fallen wir zurück“, sagt Dirk Oehle. „Singen als Zentrum hat die Aufgabe, zu wachsen und Veränderungen anzunehmen.“
  • Konkurrenzdruck schon heute: Kampf um Umsatz gebe es schon heute, auch ohne ECE würden Läden sterben.
  • Keine gute Wohnlage: Das Argument, man solle statt eines Shoppingcenters lieber Wohnungen bauen, sei falsch. „Das ist doch keine gute Wohnlage, wer will schon direkt am Bahnhof, gegenüber der Großindustrie wohnen?“
  • Gut für Gastronomie: Ein Center mit längeren Öffnungszeiten sei gut für die Aufenthaltsqualität im gastronomischen Bereich. Heute sei die City abends und am Wochenende praktisch gastronomisch nahezu tot. „Da fehlt einfach die Frequenz in der Stadt, damit sich das für die Gastronomen lohnt“, sagt FDP-Rätin Brößke.
  • So geht‘s weiter: Für die beiden Pro-Räte ist klar, dass der Gemeinderat abstimmen muss, wie er das Projekt bewertet. „Wir sind gewählt, wir dürfen uns nicht verstecken, sondern müssen jetzt Kante zeigen“, sagt Oehle. Danach sollten die Bürger diese Entscheidung bewerten, mit einem Bürgerentscheid. Und das Ganze zügig: „Wir dürfen das nicht weiter hinausziehen. Was wir nicht brauchen, ist eine Schlammschlacht“, fügt Kirsten Brößke an.

 

ECE-Chef informiert

Kommenden Montag, 9. Mai, gibt es bei der FDP bei einer gemeinsamen Veranstaltung mit den Wirtschaftsjunioren Konstanz-Hegau aktuelle Informationen zum ECE-Projekt. Dessen Chef-Planer für Singen, Marcus Janko, spricht um 19.30 Uhr im Nebenraum des Restaurants La Passione, dem Hotel Viktoria an der Kreuzung Thurgauer-/Hegaustraße. Kirsten Brößke als Vorsitzende der FDP in Singen kündigt an, dass auch Fragen gestellt werden können. Die Sitzung der Liberalen steht interessierten Bürgern offen.