Seit 1999 gibt es den Förderverein Sozialpsychiatrie Nord-Westlicher Landkreis Konstanz, und ein vollbesetzter Wichern-Saal bei dessen Podiumsgespräch zeigt, dass die Arbeit des Vereins großen Anklang findet. Der sogenannte Trialog zwischen Andrea Temme vom Zentrum für Psychiatrie Reichenau, dem bipolaren Künstler Martin Kolbe und der Angehörigen eines Erkrankten, Barbara Wagenblast, findet auch deshalb großen Anklang, weil die Beteiligten ehrlich und ungeschönt über ihre Erfahrungen berichteten. Man begegnet sich auf Augenhöhe und wird so dem Ziel eines solchen Abends gerecht: \"Wir wollen Vorurteile gegenüber Menschen mit Psychosen abbauen\", sagt Temme.

Etwa drei Prozent der Deutschen bekommen im Laufe ihres Lebens die Diagnose \"Bipolar\". Meist sind sie dann zwischen 14 und 24 Jahre alt. Ursachen einer Erkrankung, die zu gleichen Teilen Männer und Frauen betrifft, sind meist lebensbelastende Ereignisse, aber auch ein genetisches Risiko besteht. Bis zur Diagnose dauert es jedoch oft Jahre und die typischen depressiven und manischen Phasen müssen sich zunächst beide zeigen. Die Therapie gibt es oft bei einem stationären Aufenthalt in einer psychiatrischen Klinik.

Martin Kolbe ist selbst betroffen und erzählt ungeschönt von seinem langen Weg bis zur Diagnose, von seinen Erfahrungen als Musiker mit dieser Krankheit und davon, wie sein Umfeld mit einem bipolaren Menschen umgeht. Er berichtet von den manischen Phasen – von dem Gefühl des Alles-Schaffen-Könnens, dem gesunkenen Schlafbedürfnis und den so typischen Käufen, bei denen sich Menschen überschulden und ihre Finanzen nicht mehr im Griff haben – und von den depressiven Episoden. In seiner Musik verarbeitet er diese Erfahrungen und erzählt auch von seinen Aufenthalten in der Psychiatrie.

Barbara Wagenblast beschäftigt sich aufgrund eines Erkrankten in der Familie mit Bipolarität. Die drei Redner sind sich einig: Man könne mit dieser Erkrankung gut leben, wenn man viel darüber weiß. Man müsse ein Experte für sich selbst werden.