Ist Mode nur das, was in einem Schaufenster hängt oder in einer Zeitschrift abgedruckt ist? Für Ricarda Datz ist Mode genau das und doch viel mehr. Die 25-Jährige aus Überlingen am Ried setzt sich mit Mode in Szene – und vor allem setzt sie die Mode selbst in Szene. Denn sie ist nach dem Abitur nach München gezogen, um in der Modebranche zu arbeiten. Mit Erfolg: Bei Produktionen unterstützt sie große, erfahrene Stylisten und schaut ihnen auch über die Schulter, um ein paar Tricks zu lernen. Dabei geht es um scheinbar einfache Dinge wie das richtige Kofferpacken. Denn wenn beim Wintermode-Shooting im Gletscher nur vier Koffer für dicke Daunenjacken mitdürfen, wird es eng. Während sie bei solchen Aufträgen selbst im Hintergrund bleibt, erlebte sie vor wenigen Wochen eine große virtuelle Bühne und wurde bei einem großen deutschen Online-Magazin vorgestellt.

Von Omas Nähzimmer nach München

An Gletscher-Shootings und Modestrecken war bis vor wenigen Jahren aber noch nicht zu denken. Ihre Leidenschaft für Mode begann im Nähzimmer der Oma. Noch heute weiß Ricarda Datz, wie sie dort Täschchen genäht habe. Daher sei klar gewesen, dass sie sich in der achten Klasse für ein Praktikum bei Schiesser entschied. Das habe sie nachhaltig begeistert. Weil sie auch gerne schreibe, wählte Datz das Studium Modejournalismus und Medienkommunikation an einer privaten Hochschule in München. Das sei eine sehr modische Stadt mit vielen Modemagazinen, aber auch nicht so weit von ihrer Heimat im Hegau entfernt. „Ich bin mindestens einmal im Monat zuhause, schon um meine Familie zu sehen“, sagt sie. Inzwischen hat sie den Bachelor-Abschluss in der Tasche und ist beim Styling in München hängen geblieben, wie sie sagt.

Doch wie wird man eigentlich Stylistin?

Theoretisch kann sich jeder so nennen, praktisch gibt es laut Ricarda Datz einen typischen Werdegang: Erst assistiert man für einige Jahre anderen Stylisten, organisiert Kleidungsstücke, bügelt sie und rückt sie ins rechte Licht. Dabei sammelt man Erfahrungen und Kontakte, bevor man selbst die Verantwortung übernimmt. Diesen Weg geht die Modeliebhaberin aktuell, seit wenigen Monaten ist sie selbstständig. „Bisher war ich zur richtigen Zeit am richtigen Ort“, sagt sie glücklich. Schon während des Studiums half sie nach eigenen Angaben dabei, Promis wie Moritz Bleibtreu zu stylen. „Man muss sehr flexibel sein“, denn sie werde teils nur ein oder zwei Wochen vorher angefragt. Datz setzt auf mehrere Standbeine, sie betreut auch Instagram-Kanäle verschiedener Marken und arbeitet für eine Kreativagentur. Dabei geht es weniger um Ricarda Datz selbst als um den Stil des jeweiligen Auftraggebers.

Und sie kann doch lächeln: Ricarda Datz aus Überlingen am Ried wurde online dafür kritisiert, dass sie auf Bildern meist so ernst blickt.
Und sie kann doch lächeln: Ricarda Datz aus Überlingen am Ried wurde online dafür kritisiert, dass sie auf Bildern meist so ernst blickt. | Bild: privat

Lieber kein Lächeln als gekünstelt

Nur selten steht sie selbst im Mittelpunkt, zuletzt auf einem großen deutschen Mode-Blog namens Journelles: Beim sogenannten Closet Diary, also Kleiderschrank-Tagebuch, zeigte sie den Lesern, was sie eine Woche lang trägt. Die 25-Jährige ist in Hosen, Rock und einem Kimonokleid zu sehen, dazu trug sie ein schlichtes weißes Shirt, ein Jeanshemd oder einen ungewöhnlichen Strickpullover. Was sie nicht trug: ein Lächeln, was vielen Kommentatoren negativ auffiel. „Meine Mutter hat auch schon geschimpft“, sagt Ricarda Datz und lacht. „Dabei bin ich ein sehr fröhlicher Mensch“, nur auf Bildern könne sie das schlecht zeigen. Und bevor sie gekünstelt lache, schaue sie lieber ernst.

Ricarda Datz aus Überlingen am Ried lebt in München ihren Traum der Modewelt.
Ricarda Datz aus Überlingen am Ried lebt in München ihren Traum der Modewelt. | Bild: Ricarda Datz/Privat

Große Namen und viel Geld zählen nicht

Worauf sie selbst achtet, wenn es um Mode geht? „Ich würde meinen Style eher als minimalistisch bezeichnen“, sagt Datz. Statt zu Trendteilen greife sie zu klassischen Stücken, die sie lange tragen könne, und kombiniere sie dann mit Vintage-Teilen, die eine Geschichte erzählen. Dazu zählt zum Beispiel eine Tasche der Oma oder ein Mantel der Mama. „Es hat für mich nichts mit Style zu tun, nur teure Teile zu haben“, sagt sie. Als Vorbild und auch Inspiration nennt sie wenig später natürlich große Namen der Modewelt wie Karl Lagerfeld, der Chanel zu neuem Glanz verhalf, Isabel Marant, die für einen neuen Bohemian-Schick steht, oder den Gucci-Designer Alessandro Michele, der dem Label ein neues Gesicht gibt. Abgesehen von großen Namen und viel Geld gehe es aber vor allem darum, sich wohl zu fühlen und auszudrücken.

Bild: Ricarda Datz/Privat
So thematisierte Ricarda Datz eine Brustkrebserkrankung.
So thematisierte Ricarda Datz eine Brustkrebserkrankung. | Bild: Ricarda Datz/Privat

Nicht nur schöner Schein: Abschlussarbeit thematisiert Brustkrebs

Dass Mode nicht nur ein schöner Schein ist, wollte die 25-Jährige auch mit ihrer Abschlussarbeit zeigen. Das Thema: Brustkrebs. „Meine Mutter hatte vor zwei Jahren Brustkrebs. Das war für mich der Anlass zu zeigen, dass eine Frau auch fern des Schönheitsideals schön sein kann“, sagt Ricarda Datz. Ihrer Mutter fielen die Haare aus und auch wenn sie ihre Brüste behalten konnte, hat Datz viel über Begleiterscheinungen einer Brustkrebserkrankung erfahren. Ihre Bilder zeigen eine Frau mit Glatze, eine Frau ohne Brüste. Auch das habe einen Platz in der Modewelt.