Singen Von Lärm und Lust

In Singen sind immer mehr Fahrzeuge mit lauten Auspuffanlagen unterwegs. Die Teile sind genehmigt. Für die Anlieger wird ihr Sound zur unerträglichen Belästigung. Darüber wird heftig diskutiert

Wenige Themen bewegen die Singener so wie die Mobilität in der Stadt. Das liegt daran, dass jeder Bürger mitreden kann und je nach Fortbewegungsart eine andere Sichtweise einnimmt. Das kann sich im Laufe eines Tages mehrfach ändern. So auch die Emotionen. Schnell ist vom aggressiven Auto- oder Radfahrer die Rede oder vom störrischen Fußgänger. Dem Radler wird der Autofahrer zum Feind, der sein Gefährt auf dem Radweg abgestellt hat oder ihn gar durch zu knappe Überholmanöver aus dem Gleichgewicht bringt. Sitzt der Radler später hinterm Steuer, kann es passieren, dass er selbst einen Biker in Bedrängnis bringt. Es gibt unendlich viele Möglichkeiten, auf den Straßen Adrenalinschübe zu erzeugen. Ob gewollt oder ungewollt. – Hier wollen wir unterstellen, dass die wenigsten Stresssituationen absichtlich verursacht werden.

Anders ist das, wenn es um Lärm im Straßenverkehr geht. An viel befahrenen Straßen haben es die Anwohner nicht leicht. Sie kämpfen mit einem Dauerrauschen, können im Sommer ihre Fenster nicht öffnen und nachts nicht schlafen. Jetzt kommen immer mehr Fahrzeuge dazu, deren Fahrer sich in einen satten Auspuff- oder Motor-Sound verliebt haben. Lärm ist eine höchst subjektive Angelegenheit. Was als störend oder wohltuend empfunden wird, hängt nicht nur von den Dezibel, sondern von der Art des Geräusches ab. Der Rockmusiker muss kein Freund von röhrenden Motoren sein, auch wenn die Lautstärke identisch ist.

In Singen hat die Debatte über den Straßenlärm eine besondere Qualität erreicht, weil Teile der Tuningszene mit ihren lauten und schnellen Autos die Nerven vieler Bürger überstrapaziert haben. Zwar haben Stadt und Polizei die Szene wieder einigermaßen unter Kontrolle. Den Lärm jedoch nicht.

Mit einem Hilferuf hat sich Oberbürgermeister Bernd Häusler an die Politik gewandt, um Auspuffanlagen, die den Höllenlärm erzeugen, durch eine gesetzliche Lärmobergrenze zu verhindern. Das hat in den sozialen Medien eine muntere Debatte ausgelöst. Die Alliasse machen Stimmung am Internet-Stammtisch: "Bobbele" spricht vom Feindbild, das der Bürgermeister zeichne, um Stimmen zu sammeln. "Downloaddude" hält die Ampelschaltungen und Kreisverkehre für die Ursache von Lärm und Abgas. "Bommer" sieht im "Tuner-Unwesen" den Tanz ums goldene Kalb und hat Verständnis für die Lärmgeplagten. "Tillwollheim" macht bei den Liebhabern lärmender Autos einen Minderwertigkeitskomplex aus und hält Häuslers Vorstoß für überfällig. Und "German-Nowak" fordert mehr Polizeikontrollen. "Miche" stört sich auch an lauten Motorrädern und unerträglich lauten Gartenmaschinen, während "Davitt" und "Janahn" für die Autonarren ein Gelände außerhalb der Stadt fordert. Das Wunschkonzert geht also weiter.

gudrun.trautmann@suedkurier.de

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