Das Thema Ehrenamt in der Gemeinde stand gestern beim Neujahrsempfang in Bohlingen in zweierlei Hinsicht im Mittelpunkt des Interesses. Bevor die offiziellen Redner referierten, gaben fünf Saxofonisten des örtlichen Musikvereins den Ton an. Heike Erb, Marianne Krotz, Lisa Grässer, Franz Maucher und Roland Matt verzückten das Publikum im Gemeindehaus mit flotten Musikstücken. Mit ihrem Auftritt verkörperte das Ensemble stellvertretend, für welche Lebensqualität die vielen Hundert Ehrenamtlichen in den Vereinen und Organisationen im Dorf sorgen.

In den Ansprachen von Ortsvorsteher Stefan Dunaiski und von Singens Oberbürgermeister Bernd Häusler zum zentralen Thema in Bohlingen, das Baugebiet Hinter Hof 3, kam das Ehrenamt dann erneut zur Sprache. Allerdings dieses Mal im negativen Sinne, denn bei den Kriterien zur Vergabe der insgesamt 44 Bauplätze in Bohlingen (siehe Infokasten) fand der von den Ortschafsräten erwünschte Bonus für ehrenamtlich Engagierte keine Berücksichtigung im Gemeinderat. "Da bitten wir einfach um Verständnis. Wichtig ist nach den vielen Debatten doch, dass das Gebiet in diesem Jahr bebaut werden kann", sagte OBHäusler. Er ermutigte die Ortschaftsräte aber auch, weiterhin bei den lokalen Themen Druck auf die Stadt auszuüben, damit etwas für das Dorf erreicht werden könne.

Thema Internet bereitet Sorgen

Als nächste Baustelle im Ort steht in den kommenden Wochen die Umgestaltung und Bepflanzung der Außenanlagen am Rathaus an, 120.000 Euro seien dafür eingeplant, inklusive einer dezenten Beleuchtung des historischen Gebäudes. Kummer bereitet dem Ortschaftsrat, für das ganze Dorf flächendeckend eine schnellere Internetverbindung zu erzielen. Eine Anbindung mit Glasfaserleitungen durch die Thüga fand bei einer Anfrage in einem ausgewählten Gebiet nur wenig Resonanz. "Vielleicht kann hier die Stadt Singen noch einmal eine Umfrage an alle Haushalte starten", gab Ortsvorsteher Dunaiski zu überlegen. Am Rebberg plant die Thüga darüber hinaus die Installation eines Sendemastes für internen Funk zur Steuerung des Stromnetzes in Bohlingen und für die Stadtwerke zur Steuerung der Straßenbeleuchtung.

Ortsvorsteher Dunaiski informierte die 150 Besucher des Neujahrsempfangs auch über die Neupflanzung von 30 Streuobstbäumen im oberen Teil des neuen Baugebietes an der Straße nach Moos. Dunaiski fand deutliche Worte an die Bevölkerung, was die Infrastruktur im Dorf betrifft. "Jeder von uns trägt ein Stück Verantwortung, es liegt ausschließlich an uns selbst, ob der Lebensmittelmarkt in der Ledergasse auch weiterhin existieren kann", appellierte der Ortsvorsteher.

Der Gastvortrag des Bauhistorikers Thomas Schaad über den Erhalt von denkmalgeschützten Gebäuden fand bei den Besuchern und bei Singens Oberbürgermeister großes Interesse, denn Häusler hatte zuvor in seinem Ausblick auf die Bauaktivitäten in Singen auf den Schutz von erhaltungswürdigen Gebäuden in Singen hingedeutet. Dazu zähle das historische Café Hanser auf dem neuen Cano-Gelände ebenso wie die Scheffelhalle, welche im Jahre 2025 genau 100 Jahre alt sein werde. "Hüten Sie das Potenzial, diese Häuser und die Geschichte", gab der Denkmalpfleger und Restaurator Thomas Schaad zu verstehen. Das Hinzuziehen von Fachleuten bei der Bauuntersuchung eines älteren Hauses und der Erstellung eines Sanierungskonzeptes sei empfehlenswert.