Eva-Marija Schuldt war ganz allein. Bei der Vereidigung von neuen Grund- und Hauptschullehrern im Jahr 2008 hob die heute im Personalrat des Schulamts Konstanz engagierte Lehrerin als Einzige die Hand zum Schwur. „Elf Jahre danach sieht das anders aus“, stellte sie bei der Vereidigung von rund 160 neuen Lehrkräften in der Singener Ekkehard-Realschule fest. Tatsächlich könnte angesichts des anschließenden Gruppenfotos mit den überwiegend weiblichen Lehrern der Eindruck entstehen, dass es sich beim Personalmangel an den Schulen um eine Geisterdiskussion handelt.

Beängstigende Studie

Dem ist aber nicht so. Schulamtsleiter Karlheinz Deußen zitierte die jüngste Studie der Bertelsmannstiftung zum Thema Bildung, wonach bundesweit mit mehr als 26 000 fehlenden Lehrern allein im Grundschulbereich zu rechnen sei. Dennoch sieht es in seinem Schulamtsbezirk zumindest derzeit nicht dramatisch schlecht aus. Der Versorgungsgrad liegt im Landkreis Konstanz bei 102 Prozent, im ebenfalls zum Bezirk gehörenden Landkreis Tuttlingen bei 98 Prozent. Eine auskömmliche Personalstruktur liege erfahrungsgemäß bei etwa 107 Prozent.

Für Extras fehlt das Personal

Der Saldo bedeutet für die Schulen im Landkreis Konstanz nach Einschätzung von Karlheinz Deußen, dass der Pflichtunterricht stattfinden kann. Für alles, was darüber hinaus geht, fehlen jedoch die Kapazitäten. Und was die Perspektiven anbelangt, so geht der noch in diesem Monat sich in Pension verabschiedende Schulamtsdirektor für die Schulverwaltung von einer logistischen Herausforderung aus. Er rechnet damit, dass die Planung durch Wünsche nach Teilzeitstellen beziehungsweise Ausfälle durch den Mutterschutz angesichts des weiblichen Überhangs bei der nachrückenden Lehrergeneration erheblich komplexer ausfallen wird. Der Anteil befristeter Arbeitsverträge dürfte also steigen, ebenso müssen voraussichtlich weiterhin geeignete Kandidaten aus dem außerschulischen Bereich umworben werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Durch die Blume sprach Patricia Heller-Tassoni als Leiterin der Ekkehard-Realschule in ihrer Begrüßungsrede ein weiteres Problem an, das den Alltag an vielen Schulen bestimmt. Ihre Schule stammt aus dem Jahr 1902 und sei eine „Innenstadtschule mit all ihren Vor- und Nachteilen“. Mit dem Parken etwa sei‘s schwierig – und der Zufall sorgte dafür, dass just am Montagmorgen die überschaubare Zahl an Parkplätzen durch das Versagen der Parkplatzschranke nur bedingt zur Verfügung stand. Zu den Defiziten zählen ferner das Fehlen eines Zauns, der den schulischen Bereich klar abgrenzt, die Schule hat ein Hallenproblem, was die Möglichkeiten des Sportunterrichts einschränkt, und außerdem datiert die letzte nennenswerte Sanierung aus dem Jahr 2003. Soll heißen: Die bauliche Infrastruktur von Schulen lässt zu wünschen übrig.

„Vielfalt ist Reichtum und keine Bedrohung“

Gleichzeitig nutzten die Redner im Rahmen der Vereidigung der neuen Lehrer die Chance, um für den Berufsstand zu werben. Karlheinz Deußen erinnerte dabei an die Errungenschaften von Pädagogen der Aufklärung vom Schlage eines Joachim Heinrich Campe, dem die Umsetzung des heute als selbstverständlich geltenden Rechts auf Schulbildung für alle Kinder zu verdanken sei. Er empfahl den Lehrern außerdem eine Begegnung mit den Kindern auf Augenhöhe. In ihren Eigenheiten sieht er Vielfalt – sie sei „Reichtum und keine Bedrohung“.