Nichts an ihm fällt auf und das ist einer der Gründe, warum das außergewöhnliche Leben des Udo Klopfer noch ein bisschen außergewöhnlicher erscheint. Wenn der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Hegau-Bodensee, der in der vergangenen Woche seinen Verzicht auf eine Vertragsverlängerung publik machte, seinen Werdegang schildert, dann klingt das so, als sei das alles ganz normal. Was aber, bitte schön, ist heutzutage normal?

Im Fall des 62-Jährigen ist das zunächst einmal die Bodenständigkeit. Allerdings stößt man hier schon auf die erste Besonderheit. Aufgewachsen im Tengener Ortsteil Büßlingen verließ er das Elternhaus 1981 aus Anlass seiner Hochzeit – aber weit weg zog er nicht. Sein Haus steht in unmittelbarer Nachbarschaft zu dem der Eltern und das Paar wohnt bis heute darin. Ganz normal verlief auch die weitere Familienplanung. Zwei Kinder wollte Udo Klopfer, zwei Kinder hat er.

Ebenso klare Vorstellungen hatte der Mann von seiner beruflichen Laufbahn. Schon mit 12, 13 Jahren stand für ihn fest, dass er etwas mit Geld machen wollte, weil er vermutete, damit etwas bewirken zu können. Im Rückblick hält es Udo Klopfer für sehr gut möglich, dass dabei die Selbstständigkeit des Vaters seine unternehmerische Neigung verstärkte. So zog er schon als Jugendlicher durch den Hegau, verkaufte bei den Bauern Saatkartoffeln und hatte dabei gute Argumente, denn der Junge hatte sich zuvor über deren Qualitäten schlau gemacht.

Wie selbstverständlich landete er dann nach dem Realschulabschluss in Singen und der höheren Handelsschule bei der Sparkasse. Beworben hat er sich nicht, sondern ist einfach mal vorbei gegangen – so wie bei drei anderen Banken. Aber die Sparkasse war schneller als die anderen und außerdem war sie der Favorit des damals 16-Jährigen, denn schon die Eltern wickelten ihre Geldgeschäfte über die Sparkasse ab.

Die Ausbildung begann 1973 und der Rest des Wegs an die Spitze des regional bedeutendsten Kreditinstituts hört sich wie ein Kinderspiel an. Udo Klopfer wollte die Voraussetzungen für die gehobene Laufbahn schaffen, also absolvierte er mit 21 Jahren die siebenmonatige Ausbildung zum Sparkassenbetriebswirt. Udo Klopfer wollte mit 30 Abteilungsleiter sein – er war es mit 28. Zwei Jahre später wurde er als stellvertretendes Mitglied in den Vorstand berufen, mit 40 Jahren gehörte er dem Vorstand regulär an und seit 2013 leitet er die Sparkasse Hegau-Bodensee. Wenn er zum August nächsten Jahres in den Ruhestand wechselt, wird er 46 Jahre bei ein und demselben Unternehmen gearbeitet haben. Ganz normal, oder?

Man darf ihm dabei abnehmen, dass er keinen Tag seines Arbeitslebens bereut. Sicher, Scharmützel habe auch er erlebt, doch die seien nie von solchem Kaliber gewesen, dass er an seiner Berufung gezweifelt hätte. Und Berufung ist in seinem Fall wohl die richtige Bezeichnung. "Ich bin kein Banker, ich bin Sparkässler", sagt er im Brustton der Überzeugung. Für den Unterschied zwischen dem Typus eines Bankmanagers und einem Chef einer Sparkasse braucht er nur wenige Worte. Man müsse die Menschen und die Region mögen, auf Vertrauen setzen, beständig sein und sich aufeinander verlassen können. Kopf oder Zahl, könnte man sagen, und Udo Klopfer hat sich für die Köpfe entschieden.

Was das wert ist, zeigte sich während der Finanzkrise 2008, deren Folgen bis heute nachwirken. Faule Papiere gab's zuhauf, nicht aber in seinem Haus. Aus einem einfachen Grund: Udo Klopfer macht keinen Hehl daraus, dass es ihm wie bei den normalen Menschen ergeht. Bis heute hat er das Geschäftsprinzip der Geldgeschäfte nicht verstanden und deshalb hat die Sparkasse die Finger davon gelassen. "Was man nicht versteht", sagt er, "soll man nicht machen." Seine Begründung, warum bei anderen diese ganz normale Überlegung nichts mehr bewirkte, fällt ebenso prägnant aus: "Gier frisst Hirn."

So einfach wie sich das alles bei Udo Klopfer anhört, so selbstverständlich ist sein Eingeständnis, dass seine Erfolgsgeschichte nicht nur dem eigenen Willen geschuldet ist. Bei der Sparkasse habe er ein Umfeld für die Weiterentwicklung gefunden und das gilt auch für die private Lebensplanung. Seine Frau lernte er im Januar 1978 bei einem Sparkassen-Fastnachtsabend (wo sonst?) in Friedingen kennen, der unter dem Motto "Ball paradox" stattfand. Den Udo Klopfer zog's in der Verkleidung als Frau immer wieder in die Bar, wo seine Angebetete die Gäste bewirtete. Er hält es für denkbar, dass er dabei seiner Zukünftigen mit seinen Sprüchen auf die Nerven ging. Bei einem kurz darauf sich ergebenden Wiedersehen in der Singener Scheffelhalle aber nutzte er die zweite Chance. Damit, sagt er, hat er großes Glück gehabt.